déi gréng im Siegestaumel„Mir hunn en“: Tilly Metz behält ihr Mandat im Europaparlament

déi gréng im Siegestaumel / „Mir hunn en“: Tilly Metz behält ihr Mandat im Europaparlament
Tilly Metz freut sich über den Wahlerfolg Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Jetzt weiterlesen! !

Für 0,59 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Sie sind bereits Kunde?

Im Independent Café in Luxemburg-Stadt ging ein Freudenschrei durch die Menge: Die Grüne Partei behält ihren Sitz im Europaparlament und Tilly Metz ihr Mandat als luxemburgische Europaabgeordnete.

„Mir hunn en!“, schrie der Parteipräsident von „déi Gréng“, Meris Sehovic, kurz nach 23 Uhr auf. Spitzenkandidatin Tilly Metz bleibt als meistgewählte Kandidatin der Partei Europaabgeordnete. Zwar büßen „déi gréng“ im Vergleich zur letzten Europawahl 2019 rund 7 Prozent der Stimmen ein, doch das interessierte am Wahlabend niemanden.

Stattdessen stieg die wiedergewählte Tilly Metz barfuß auf einen Stuhl und verkündete: „Ich mag Achterbahn fahren, aber dieser Abend war unfassbar aufreibend.“ Die Parteimitglieder und ihre Anhänger*innen feierten Metz, die sich bei der Partei, allen Mitarbeitenden und der Wählerschaft bedankte. „Ich bin erleichtert und glücklich“, sagte sie der Presse. „Der Sitz für die ADR und der Rechtsruck in Europa bereiten mir natürlich Sorgen, doch umso wichtiger ist es, einen Blick auf die grünen und progressiven Parteien zu werfen.“

Diese hätten allgemein besser abgeschnitten als vorhergesagt. „Die progressiven Parteien in Europa müssen jetzt zusammenhalten, damit wir nicht in nationalistische Egoismen zurückfallen.“ Es gehe nun darum, den Green Deal und soziale Gerechtigkeit in Europa umzusetzen – ohne, dass jemand auf der Strecke bleibe. „Die Menschen greifen auf rechte Parteien zurück, weil sie sich ausgeschlossen fühlen. Wir müssen die Menschen mitnehmen, hin zu einer ökologischen Transition, und ihnen Sicherheit im Hinblick auf Krieg, Lebensmittelsicherheit und Energieversorgung vermitteln“, so Metz. 

Gebrochener Trend?

François Bausch, der bei den diesjährigen Europawahlen leer ausging, schockierten am Wahlabend vor allem die europäischen Ergebnisse: „Es ist höchst problematisch, dass die AfD in Deutschland16 Prozent und der ‚Rassemblement national‘ in Frankreich 32 Prozent der Stimmen erhalten haben.“ Emmanuel Macrons Entscheidung, Neuwahlen einzuberufen, bezeichnet er als Akt der Verzweiflung. „Wir leben in Zeiten, in denen mehr Solidarität in Europa wichtig wäre“, so Bausch, „stattdessen zeigt der Trend in Richtung Nationalstaaten.“ Einerseits würden die Wahlberechtigten der Manipulation rechter und rechtsextremer Parteien zum Opfer fallen, andererseits müssten sich demokratische Parteien hinterfragen. „Viele Menschen haben den Eindruck, dass Politik sich nur noch für die Oberschicht interessiert und das müssen wir ändern“, sagte Bausch. 

Meris Sehovic erinnerte derweil an die Wahlschlappe von „déi gréng“ im Jahr 2023. „Wir haben den Trend gebrochen“, sagte er nach Bekanntgabe der Ergebnisse. Die Grünen hätten in vielen Gemeinden zugelegt. Mit der starken Stimme von Tilly Metz werde sich die Partei im Europaparlament unter anderem weiter für den Klimaschutz und Tierrechte einsetzen. „Wir werden dafür weiterkämpfen, dass Europa ein Europa der Menschen ist, und nicht ein Europa der Unternehmen.“ 

Bereits am frühen Abend hatten sich einige Mitglieder von „déi gréng“ im Independent Café eingefunden. Die Angst um einen Jobverlust schwang bei den Mitarbeitenden von Tilly Metz an dem Abend mit. Sie scherzten über die Banderolen mit der Aufschrift „Merci“, die den ganzen Abend über gestapelt auf dem Klavier im Independent lagen. Ob die Danksagung am Ende des Abends wohl gerechtfertigt sein würde? Nur wenige Stunden später streckten die Besucher*innen die Arme in die Höhe und schwangen die Banner: „Merci.“