Insgesamt waren Ende Juni 17.886 Menschen beim Arbeitsamt ADEM eingeschrieben, wie die Behörde am Montag per Pressemeldung mitteilte. Das sind zwar 1.650 weniger als im Dezember, doch stellt es keine wirkliche Verbesserung dar. Vor einem Jahr, im Juni 2024, waren noch rund 800 Menschen weniger auf Arbeitssuche als heute.
Verglichen mit Juni 2022, dem besten Monat der letzten Jahre, ist es ein Plus von fast 4.250 Personen. Damals war die Zahl der Arbeitslosen auf den tiefsten Punkt seit Oktober 2011 gefallen. Zuvor, im April 2020, war die Zahl der bei der ADEM eingeschriebenen Menschen, bedingt durch den Corona-Stillstand, auf 20.253 in die Höhe geschnellt. Es war die höchste Zahl an Arbeitssuchenden, die Luxemburg jemals verbucht hatte.

Die Zahlen des ersten Halbjahres sind damit ein Spiegel der mauen wirtschaftlichen Entwicklung, die Luxemburg derzeit erlebt. Nach einem Rückgang des BIP um 0,7 Prozent im Jahr 2023 war die Wirtschaft letztes Jahr um, für Luxemburg niedrige, ein Prozent gewachsen. Die gleiche Zuwachsrate erwartet Statec auch für 2025.
Arbeitslosenquote leicht rückläufig
Die Zahl der Menschen auf Arbeitssuche scheint dabei aber anzudeuten, dass sich die Lage ganz langsam wieder bessert. Auch die vom statistischen Institut Statec berechnete saisonbereinigte Arbeitslosenquote war im Juni leicht rückläufig. Sie beträgt nun 5,9 Prozent, nach sechs Prozent im Vormonat. Eine spürbare Verbesserung ist dies jedoch nicht: Die Quote lag zwischen November 2024 und April 2025 konstant bei 5,9 Prozent. Mitte 2022 hatte sie einen Rekord-Tiefststand von 4,7 Prozent verzeichnet. In den Monaten Mai/Juni 2020 hatte sie mit sieben Prozent einen „Corona-Höchststand“ erreicht.
Dass es im Juni 2025 immer noch mehr Arbeitslose als vor einem Jahr gibt, betrifft vor allem Menschen, die über 45 Jahre alt sind, sowie Arbeitssuchende mit den höchsten Qualifikationen (Hochschulabsolventen), so die Arbeitsagentur ADEM am Montag. Was die Berufe anbelangt, so wurden die größten Zuwächse in den Sparten „Fahrer im Straßentransport“, sowie Buchhaltung verzeichnet.
Neuanmeldungen weiter auf hohem Niveau
Die Zahl der monatlichen Neuanmeldungen ist im Juni weiter auf einem hohen Niveau geblieben. Es hatten sich 2.402 Menschen (224 mehr als vor einem Jahr) neu bei der ADEM gemeldet, schreibt die Arbeitsagentur.
Die Zahl der gebietsansässigen Arbeitssuchenden, die volles Arbeitslosengeld beziehen, ist derweil innerhalb eines Jahres um 216 auf 9.862 gefallen. Die Zahl der Empfänger einer Maßnahme lag derweil fast auf gleicher Höhe wie vor einem Jahr (4.452 Stellen).
In den kommenden Monaten wird weder mit einer wesentlichen Verbesserung noch mit einer spürbaren Verschlechterung gerechnet. Statec geht davon aus, dass das Wirtschaftswachstum 2026 zwar auf 2 Prozent anziehen könne, die Arbeitslosenquote aber wohl bei 5,9 Prozent verharren wird.
Zahl der Arbeitsplätze wächst weniger schnell
In diese Richtung deutet auch, dass die Zahl der unbesetzten Stellen, die Arbeitgeber der ADEM gemeldet haben, auch im Juni nicht wirklich gestiegen sind. Insgesamt 2.954 neue offene Stellen wurden gemeldet. Das sind 136 weniger als ein Jahr zuvor, aber 120 mehr als im Mai.
Die Zahl der verfügbaren Stellen beläuft sich zum Monatsende auf 6.867. Der Rückgang im Jahresvergleich beträgt fast 10 Prozent. Auch verglichen mit Mai sind es deutlich weniger. Und trotzdem. Seit Januar hat sich die Zahl wieder leicht verbessert. Zwischen September 2021 und März 2023 lag die Zahl der bei der ADEM gemeldeten offenen Stellen konstant über der Marke von 10.000 Jobs.
Die Zahl der Arbeitsplätze insgesamt in Luxemburg ist derweil im Juni leicht weiter gestiegen, auf (saisonbereinigt) 523.299 Stellen. Seit Ende Januar 2020 (also vor der Corona-Krise) sind im Großherzogtum mehr als 51.000 neue Stellen entstanden. Im Juni 2022 war hierzulande erstmals die Marke von einer halben Million Arbeitsplätze überschritten worden.

Die Schaffung neuer Arbeitsplätze hat sich zuletzt aber sehr deutlich verlangsamt. Seit Dezember 2024 ist es ein Plus von knapp 3.000 neuen Arbeitsplätzen. Ein deutlicher Rückgang verglichen mit den Vorjahren, als jeden Monat mehr als tausend neue Arbeitsplätze entstanden sind.
Bereits die Entwicklung im Jahr 2024 war nicht erfreulich. Wegen der schrumpfenden Zahl der Jobs im Bauwesen hat der Privatsektor in dem Jahr, netto, kaum neue Jobs geschaffen. Es war das schlechteste Jahr seit der Finanzkrise von vor 15 Jahren.

Und auch in den ersten drei Monaten des Jahres 2025 ist keine Besserung eingetreten, wie neue Statec-Zahlen zeigen: Während im Januar 2022 auf dem Jobmarkt noch eine Zuwachsrate (verglichen mit dem Vorjahr) von 3,7 Prozent verbucht wurde und das Wachstum der Zahl der Angestellten Anfang 2023 noch bei 2,8 Prozent lag, so war es im ersten Quartal 2025 nur ein mageres Plus von 0,9 Prozent.
Je nach Sektor ist die Entwicklung in den ersten drei Monaten des Jahres 2025 dabei sehr unterschiedlich ausgefallen: Im Vergleich zum Vorjahr wurden spürbare Zuwächse beim Staat, sowie leichte bei den Unternehmensdienstleistungen und im Handel festgestellt. Im Bausektor jedoch, wie auch in der Industrie und sogar im Bereich ICT wurden hingegen Rückgänge bei der Zahl der Beschäftigten gemessen.
Die Aussichten beim Wachstum der Arbeitsplätze für die kommenden Jahre bleiben dabei verhalten. Nach einer Zuwachsrate von einem Prozent bei der Beschäftigung im Gesamtjahr 2025 erwartet Statec 2026 lediglich ein Plus von 1,5 Prozent. Im Vergleich zur boomenden Vergangenheit bleibt das sehr schwach.
Grenzgänger
Auch bei der Zahl der Grenzgänger geht das Wachstum nicht mehr so rasant voran wie gewöhnlich. Ende Juni 2025 hat Statec (saisonbereinigt) 231.334 gezählt. Das sind nur rund tausend mehr als zu Jahresbeginn. Deutlich weniger als sonst: Im Gesamtjahr 2021 war noch ein Plus von fast 9.000 Personen verzeichnet worden. Größere Unterschiede zeigen sich derweil bei den Herkunftsländern: Seit Mitte 2024 ist die Zahl der Menschen, die täglich aus Belgien und Deutschland über die Grenze kommen, um in Luxemburg zu arbeiten, am Schrumpfen. Ende März 2025 hat Statec 0,5 Prozent weniger Grenzgänger aus Deutschland und 0,4 Prozent weniger aus Belgien gemessen, als noch ein Jahr zuvor. Nur die Zahl derer aus Frankreich ist weiter stabil am Steigen, um zwei Prozent verglichen mit dem Vorjahr.
Mit 60 wird es schwierig
In Zeiten des Fachkräftemangels in Luxemburg sollte eigentlich jede verfügbare Arbeitskraft genutzt werden, doch die Realität für ältere Arbeitnehmer sieht anders aus. Das geht aus einer Analyse der ADEM zu den Arbeitssuchenden über 45 hervor: Während sich die Arbeitslosenzahlen bei den 45- bis 59-Jährigen in dem untersuchten Jahrzehnt 2014-24 noch parallel zu den allgemeinen Markttrends entwickeln und ähnlich auf wirtschaftliche Schwankungen reagieren wie andere Altersklassen, so zeigt sich bei den über 60-Jährigen ein besorgniserregendes Muster: Seit 2014 steigt ihre Arbeitslosigkeit kontinuierlich an, unabhängig von der allgemeinen Wirtschaftslage. Hinzu kommt: Je älter die Betroffenen, desto länger sind sie eingeschrieben. Während nur 23 Prozent der jungen Arbeitslosen länger als zwölf Monate ohne Beschäftigung sind, trifft dies auf 61 Prozent der über 45-Jährigen zu. Bei den über 60-Jährigen jedoch gelten mehr als 70 Prozent als langzeitarbeitslos.
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De Maart

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