Samstag29. November 2025

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AnalyseLuxemburgs Finanzplatz glänzt im internationalen Vergleich – aber versagt vor der eigenen Haustür

Analyse / Luxemburgs Finanzplatz glänzt im internationalen Vergleich – aber versagt vor der eigenen Haustür
Blick auf den Kirchberg Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

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Dass der Finanzplatz für das Land extrem wichtig ist und seine Rolle beispielsweise bei den Steuereinnahmen auch voll spielt, ist unbestritten. Doch an der Rolle der Banken als Dienstleister für die Luxemburger Realwirtschaft ist immer mehr Kritik zu hören.

Erschreckend sind demnach die neuen Zahlen des „IMD World Competitiveness Yearbook 2025“: Sie offenbaren das Paradoxe des Finanzsektors: Einerseits glänzt er in dem internationalen Ranking: Platz eins bei den Bankaktiva im Verhältnis zum BIP, Platz zwei bei Fusionen und Übernahmen, Platz zehn bei der regulatorischen Compliance. Die Zahlen sprechen für sich – Luxemburg ist ein Schwergewicht im globalen Finanzgeschäft.

Andererseits offenbaren die neuen IMD-Zahlen eine beunruhigende Kehrseite. Wenn es darum geht, die heimische Realwirtschaft zu bedienen, scheint der Finanzplatz zunehmend zu versagen: So weist die Handelskammer in ihrer betreffenden Pressemitteilung darauf hin, dass sich laut den Ergebnissen die Fähigkeit der Banken und Finanzdienstleister, die Aktivitäten von Unternehmen wirksam zu unterstützen, deutlich verschlechtert hat. Luxemburg ist bei diesem Kriterium innerhalb eines Jahres um acht Plätze auf Rang 64 abgestürzt. Nicht viel besser sieht es beim Punkt „Zugang zu Krediten für luxemburgische Unternehmen“ aus. Auch hier bleibt es schwierig: Luxemburg hat letztes Jahr sieben Plätze verloren und liegt nur noch auf dem 56. Platz.

Als Dienstleister für die Wirtschaft des Landes schneidet der Finanzplatz im IMD-Ranking damit deutlich schlechter ab als das Land im Allgemeinen. Insgesamt liegt es aktuell auf Rang 20, nachdem es letztes Jahr mit Platz 23 ein historisch schlechtes Resultat verbucht hatte. Untersucht wurden in dem diesjährigen Bericht 69 Länder.

Wie soll eine Firma ohne Konto Geschäfte machen?

Das schlechte Abschneiden der Banken beim Bedienen der heimischen Wirtschaft erinnert an die immer wieder aufkommende Debatte über die Probleme von Unternehmen, wenn es einfach nur um das Eröffnen von Bankkonten geht. Betroffen hiervon sind sowohl Start-ups mit neuen Geschäftsmodellen als auch etablierte Unternehmensgruppen.

Offizielle Zahlen hierzu gibt es nicht, aber gefühlt ist die Lage in den vergangenen Jahren stetig schlimmer geworden. Doch wie soll eine Firma ohne Konto Geschäfte machen? Immer mehr verzweifelte potenzielle Kunden landen bei der Luxemburger Post. Diese spielt mit der Überlegung der Vorgabe eines möglichen Kontos für jeden Luxemburger Betrieb, ähnlich wie die Post auch bei Privatpersonen verpflichtet ist.

Die Bankenvereinigung ist sich der Lage bewusst und gibt sich als verstehender Ansprechpartner. Den schwarzen Peter reicht sie jedoch weiter an europäische Regelungen, die ihnen das Leben immer schwieriger machen. Jeder Kunde ist erst mal ein potenzieller Geldwäscher.

Diese Schieflage ist mehr als nur ein Imageproblem. Ein Finanzplatz, der glänzende Türme baut, ist gut für die Staatsfinanzen. Aber wenn er das eigene wirtschaftliche Fundament vernachlässigt, baut das Land langfristig auf Sand und die vielen Reden einer Diversifizierung der Wirtschaft bleiben Wunschdenken.

Probleme gibt es derweil nicht nur mit der Eröffnung von neuen Konten: „Es ist absolut inakzeptabel, wenn eine Bank wie die ING eine Woche, nachdem Menschen mit orangen Hüten durch die Stadt gelaufen sind, Unternehmenskunden mit einem standardisierten Brief informiert, dass sie als Kunde nicht mehr erwünscht sind“, so ein Firmenchef, der nicht genannt werden will, am Donnerstag gegenüber dem Tageblatt. „Und das, obwohl die betreffende Firma seit Jahren schwarze Zahlen schreibt. Jetzt haben wir gerade mal zwei Monate Zeit, um bei einer anderen Bank ein Konto zu eröffnen. Aber schon zwei Wochen nach dem Brief waren die Konten bereits blockiert und ich weiß nicht, wie ich den mehr als 100 Mitarbeitern ihre Gehälter zahlen soll.“ 

Von sich aus scheinen Luxemburgs Finanzdienstleister nicht zu einem Umdenken zu gelangen. Dabei haben sie eine doppelte Verantwortung: als internationale Player und als Partner der heimischen Wirtschaft. Die Politik muss sie wohl daran erinnern. Beides geht – wenn man will.

Interessanterweise schneidet Luxemburg im Ranking besser ab, wenn es um den Zugang der Bürger zu Finanzdienstleistungen geht. Trotz der vielen erzwungenen Kontenschließungen bei der ING liegt Luxemburg hier auf einem besseren, 18. Platz.

Reinertz Barriera Manfred
24. Juni 2025 - 5.29

Das sogenannte corporate banking ist bei den Banken was die heimischen Industrieunternehmen eben angeht nicht so interessant, weil mehr Risiko als in anderen Bereichen....