SchlafstörungHilfe aus dem Labor: Wie das „Laboratoire du sommeil“ nach Lösungen für eine Volkskrankheit sucht

Schlafstörung / Hilfe aus dem Labor: Wie das „Laboratoire du sommeil“ nach Lösungen für eine Volkskrankheit sucht
Der Schlaf der Patienten wird permanent überwacht Foto: Editpress/Didier Sylvestre

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Millionen von Menschen leiden weltweit an Schlafstörungen. Regelmäßiger Schlafmangel oder Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen können die körperliche und seelische Gesundheit stark beeinträchtigen. Lange nicht jeder Fall ist hoffnungslos. Hilfe können Betroffene in einem Schlaflabor finden. Das Tageblatt besuchte das „Laboratoire du sommeil“ des „Centre hospitalier de Luxembourg“ (CHL).

Die 18-jährige Joy beendet bei unserem Besuch im CHL gerade ihren Aufenthalt im dortigen Schlaflaboratorium. Krankenpfleger Didier Rufra hilft ihr, sich von den Kabeln zu befreien, die ihren Schlaf überwachten. Diese seien zwar umständlich, doch gestört haben sie nicht, sagt die Schülerin.

Gemessen werden Gehirnströme, die Herzfrequenz, die Augenbewegungen, die Muskelaktivität und die Sauerstoffsättigung im Blut. Von 9.00 Uhr morgens bis 16.00 Uhr nachmittags dauerten die Tests. Joy leidet an Schlafkrankheit, Narkolepsie: Immer wieder schläft sie ein, auch in der Schule, was anfangs für Probleme sorgte. Ihre Lehrer wüssten mittlerweile Bescheid, dass es sich um eine Krankheit handelt, und die Schülerin sich nicht einfach nur langweilt. „Ich würde nicht absichtlich in der Schule schlafen, schon nicht aus Respekt vor meinen Lehrern.“

Die Pneumologin Dr. Nathalie Coppens ist Schlafexpertin im CHL
Die Pneumologin Dr. Nathalie Coppens ist Schlafexpertin im CHL Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Narkolepsie ist eine übermäßige Schläfrigkeit tagsüber, der die Betroffenen nicht widerstehen können und die sich auch mit ausreichend Schlaf nicht beseitigen lässt. Seit etwa drei Jahren leidet sie an der Krankheit. „Am Anfang dachte ich, es sei Long-Covid-Syndrom.“ Um wach zu bleiben, trank sie viel Kaffee, doch auch das half nicht. „Zudem ist mein Schlaf stets extrem leicht, bei der geringsten Störung wache ich wieder auf.“

Im Schlaflabor musste Joy alle zwei Stunden eine kurze Siesta halten. Überwacht wurde dabei nicht nur der Schlaf selbst, sondern auch wie sie einschläft. Es ist dies der „test de latence à l’endormissement“, zu Deutsch „multipler Schlaflatenztest.“

Vielfältige Ursachen

Schlafprobleme sind weit verbreitet. Laut Robert-Koch-Institut sollen 25 Prozent der Bevölkerung davon betroffen sein. Allein in unserem Nachbarland Deutschland sollen es mehrere Millionen sein, die an einer Form von Schlafstörung leiden, in Luxemburg sind es Tausende. Die Ursachen sind vielfältig und nicht immer leicht auszumachen. Narkolepsie ist nur eine unter mehreren Arten von Schlafstörungen.

Auslöser von Schlafproblemen sind oft seelische Belastungen, eine körperliche Erkrankung oder auch Schichtarbeit. Die Gründe herauszufinden, die hinter den Störungen stecken, ist die Aufgabe eines Schlaflabors. Hier arbeiten Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen zusammen, z.B. Neurologie, Kardiologie, Lungenheilkunde und Psychologie.

Sogar einen Fernseher gibt es in den Schlafzimmern
Sogar einen Fernseher gibt es in den Schlafzimmern Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Falls der Arzt es anordnet, bekommen die Patienten auch mal eine Einschlafhilfe. In den Zimmern befindet sich sogar ein Fernseher. „Manche Patienten können eben nicht ohne einschlafen“, sagt Olivier Rufra. Er arbeitet seit 20 Jahren in einem Schlaflabor. Auch die Handys werden den Patienten nicht abgenommen, auch wenn man sie bittet, sie nicht vor dem Einschlafen zu benutzen. „Ich nehme erwachsenen Menschen nicht ihr Mobiltelefon weg.“ Die Leute müssten schon selbst entscheiden, ob sie dem Rat der Ärzte folgen, sagt Dr. Nathalie Coppens, Pneumologin im Schlaflabor.

Dass ein gestörter Schlaf auf lange Dauer zu Problemen führen kann, sei nichts Neues. Obwohl sich immer mehr Betroffene professionelle Hilfe holen, sei es aber nicht unbedingt die Anzahl der Betroffenen, die in den letzten Jahren stark gestiegen sei, sagt sie. „Ich glaube, die Menschen sind heute besser über das Thema informiert, viele tragen z.B. eine Uhr, die auch ihren Schlaf überwachen kann.“

Patienten können sich zwar direkt an das Schlaflaboratorium wenden, oft werden sie jedoch von einem Arzt, in der Regel einem Pneumologen oder Neurologen dorthin verwiesen.

„Wir sind am Maximum unserer Aufnahmekapazität“, erklärt Dr. Coppens, mit rund 1.000 Patienten im Jahr sind die vier zur Verfügung stehenden Betten ausgelastet. Insgesamt betreut das Schlaflabor mittlerweile rund 3.000 Patienten, die mit einer CPAP (Continuous Positive Airway Pressure Ventilation), einer Art Atemmaske gegen Schlafapnoe, ausgestattet sind.

Schlafapnoe

Schlafapnoe ist eine der häufigsten Ursache bei Schlafstörungen; 70 Prozent der im CHL untersuchten Fälle seien auf den „Atemstillstand im Schlaf“ zurückzuführen. Weltweit seien etwa eine Milliarde Menschen davon betroffen.

Die gute Nachricht ist, dass den meisten Menschen, die darunter leiden, geholfen werden kann, und zwar mithilfe einer solchen Maske, allerdings müssen die Patienten sie ein Leben lang benutzen. Fehlschläge gebe es in rund 30 Prozent der Fälle. „Doch wenn es klappt, ändert sich das Leben der Patienten komplett“, sagt Coppens. Ohne ihre Maske wollten sie gar nicht mehr leben, geschweige denn schlafen. Zudem wird die Maske vollständig von der Gesundheitskasse erstattet.

Ein Hilfsmittel wie eine Atemmaske beseitigt aber nicht die Störung. Wichtig sei vor allem eine gesunde Lebensweise. Bei einem übergewichtigen Patienten wird in erster Linie eine Gewichtsabnahme empfohlen.

Zum Schluss noch eine „Beruhigungspille“ für diejenigen, die sich vielleicht Sorgen machen, ob sie genug schlafen: Die Dauer des Schlafs sagt nichts über seine Qualität aus. „Nicht jeder Mensch braucht gleich viel Schlaf“, betont die Dr. Coppens, „die individuell benötigte Schlafquantität ist genetisch bedingt.“

 Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Verschiedene Schlafstörungen

Neben Ein- und Durchschlafproblemen ist Schlafapnoe eine der häufigsten Schlafstörungen. Dabei kommt es vorübergehend zu einer Beeinträchtigung des Atemflusses. Je nach Ursache unterscheidet man zwei Arten: die zentrale und die obstruktive Schlafapnoe.

Die obstruktive Schlafapnoe ist das Resultat einer mechanischen Blockade der Atemwege; eine zentrale Schlafapnoe hingegen resultiert aus einer Störung der Gehirnsteuerung.

Apnoen dauern von zehn Sekunden bis zu über einer Minute, und können sich bis zu 100 Mal pro Stunde wiederholen. Das Gehirn reagiert darauf und die Person wacht kurz auf, um wieder zu atmen. Dies hat Auswirkungen auf die Schlafqualität; der Körper leidet unter Sauerstoffmangel, was wiederum das Herz-Kreislauf-Risiko, aber auch das Risiko von Unfällen im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz erhöht. 

Andere mögliche Ursachen für Schlafstörungen sind psychiatrische und neurologische Erkrankungen, wie nächtliche Bewegungsstörungen, von denen die wichtigste das „Restless-Legs-Syndrom“ ist, bei dem es in der Nacht zu unangenehmen Empfindungen in den Beinen kommt.

(Quelle: www.apotheken-umschau.de)