HaustiereGesund barfen: Nicht jedes Obst oder Gemüse ist für die Rohfütterung geeignet

Haustiere / Gesund barfen: Nicht jedes Obst oder Gemüse ist für die Rohfütterung geeignet
Das rohe Fleisch sollte immer frisch sein. Auch auf die fachgemäße Handhabung während der Zubereitung und das Einhalten der Kühlkette kommt es an. Foto: dpa/Markus Scholz

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Neben den Trocken- und Nassfuttersorten mit den unterschiedlichsten Inhaltsstoffen bevorzugen viele Hundebesitzer*innen die hausgemachte Barf-Ernährung für ihren Vierbeiner. Der Begriff „Barf“ steht für die biologisch artgerechte Rohfütterung. Diese Ernährungsmethode umfasst rohes Rind-, Geflügel- oder Lammfleisch sowie frisches Obst und Gemüse. Tierärztin Simone Mousel spricht über Wissenswertes für Einsteiger.

Tageblatt: Man kann die Rohfütterung wählen, um die pelzigen Freunde möglichst natürlich zu ernähren. Was muss man bei dieser Ernährungsmethode alles beachten?

Dr. med. vet. Simone Mousel: Besonders vorteilhaft bei dieser Methode ist, dass man ganz genau die Herkunft und Inhaltsstoffe des Futters kennt. Zudem kann man alle Zutaten nach Belieben nachhaltig und regional auswählen. Man muss allerdings darauf achten, dass die Barfration, den Bedürfnissen entsprechend, ausgewogen und komplett in ihrer Nährstoffzusammensetzung ist, da es ansonsten zu Erkrankungen durch Mangel- oder Fehlernährung kommen kann. Das rohe Fleisch sollte immer frisch sein und ordnungsgemäß gekühlt werden. Man sollte ebenfalls auf die fachgemäße Handhabung während der Zubereitung, die Hygiene der Schneidebretter, Messer und Hundeschüssel sowie das Einhalten der Kühlkette achten, um eine mikrobielle Verunreinigung zu verhindern. Darüber hinaus eignen sich bei Hunden mit sensibler Verdauung auch gekochtes mageres Putenfleisch, Lachs oder Forelle.

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Planung und Vorbereitung sind beim Barfen alles. Wie sollten Einsteiger vorgehen?

Ein auf Ernährung spezialisierter Tierarzt kann einen ausgeglichenen Fütterungsplan erstellen und den Bedarf des Vierbeiners anhand von Gewicht und individuellen Bedürfnissen berechnen. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass alle notwendigen Inhaltsstoffe und Nährstoffe in der richtigen Menge und in angemessenem Verhältnis zueinander vorhanden sind. Darüber hinaus gibt es fertiges Barf zu kaufen, dabei sollte man aber auf die Zutaten achten und die Kühlkette einhalten.

Welches Obst oder Gemüse eignet sich am besten?

Erdbeeren, ohne Grün, sorgen für schönes Fell. Bananen sind sättigend und schützen die Magen-Darm-Schleimhaut. Überreife Birnen und Heidelbeeren wirken antioxidativ. Reife Pfirsiche, in kleinen Mengen, reinigen die Nieren. Feigen sind reich an Vitaminen sowie Mineralien. In Maßen gefüttert, fördert die überreife Ananas die Fettverbrennung. Ohne Schale und Kerne eignen sich Wasser-, Honig- und Zuckermelone als Sommersnack. Äpfel, ohne Kerne, sowie Karotten sorgen außerdem für eine gesunde Haut. Gekocht und gut püriert, ist Chinakohl, genauso wie Zucchini, leicht verdaulich. Gut gewaschen, senken Feldsalat und Rucola den Blutdruck. Zudem unterstützt Spinat das Immunsystem. Gedünstet oder im rohen Zustand, wirkt Fenchel beruhigend bei Magen-Darm-Beschwerden. Des Weiteren sind frische Löwenzahnblätter appetitanregend.

Sind beim Barfen Zusätze notwendig?

Eine Mahlzeit kann mit Nährstoffpräparaten, wie Vitamine, Mineralien, Fetten und Ölen ergänzt werden. Man muss zunächst für eine korrekte Kalzium- und Phosphormenge in der Futterration sorgen. Das Futter sollte außerdem mit Vitamin B und ungesättigten Fettsäuren angereichert werden. Um das Risiko von Herzmuskelerkrankungen durch eine getreidefreie Fütterung mit vielen Leguminosen (Hülsenfrüchte) zu reduzieren, sollte dem Futter ebenfalls Taurin zugesetzt werden.

Gibt es Fleisch, Obst oder Gemüse, welches Hunde nicht fressen dürfen?

Steinobstkerne enthalten giftige Blausäure, daher sollte man sie immer entfernen. Trauben, genauso wie Rosinen, sind für Hunde ebenfalls giftig und können zu Nierenschäden sowie dem Tode führen. Nüsse sowie auch Physalis sind schwer verdaulich. Avocado enthält Persin, ein Wirkstoff, der zu Herzproblemen führen kann. Da Rhabarber Oxalsäure enthält, sollte man ihn nicht an Hunde mit eingeschränkter Nierenfunktion sowie Welpen und Junghunde verfüttern. Rohe Kartoffeln, Tomaten, grüne Paprika und Auberginen enthalten Solanin, was giftig ist. Des Weiteren können Zwiebel- und Lauchgewächse eine Zerstörung der roten Blutkörperchen und somit eine Blutarmut herbeiführen. Mit Kohlgewächsen sollte man vorsichtig sein, da diese Blähungen verursachen können. Darüber hinaus kann im rohen Schweine- und Wildschweinfleisch der Aujeszky-Virus enthalten sein, der für Hunde tödlich ist. Hausschweine sollten in unseren Gegenden Aujeszky-frei sein, trotzdem sollte man sich überlegen, ob man das Risiko eingehen möchte.

Wie kann man Fellnasen vom ursprünglichen Hundefutter auf Barf umstellen?

Man sollte die Vierbeiner langsam und schrittweise umstellen, um zu sehen, ob sie die neue Ernährungsmethode gut vertragen.

Kann man verschiedene Ernährungsmethoden kombinieren?

Durch eine ausgewogene Abwechslung verringert man das Risiko von fütterungsbedingten gesundheitlichen Problemen. Trockenfutter kann etwaige Mangel beim Barfen ausgleichen. Wenn es mal nötig wäre, den Vierbeiner in eine Tierpension zu verlegen oder falls er aus gesundheitlichen Gründen auf ein Spezialfutter umgestellt werden müsste, wäre er bereits an das herkömmliche Hundefutter gewöhnt.

Tierärztin Simone Mousel
Tierärztin Simone Mousel Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Ab welchem Alter dürfen Hunde auf diese Weise ernährt werden?

Man kann Hunde jedes Alters barfen. Bei Welpen sollte man sich jedoch von einem spezialisierten Tierarzt beraten lassen. Im Idealfall sollten sie ein Welpenfutter bekommen, welches alle Nährstoffe in den richtigen Mengen enthält und für ihr Alter bestimmt ist, um eine gesunde Entwicklung zu gewährleisten. Bei älteren Hunden mit sensiblem Magen sollte man ebenfalls vorsichtig sein, da die Verdauung nicht mehr so schnell und reibungslos funktioniert.