Selbstbezeichnungen sind bekannterweise zulässig. Das gilt für das „N-Wort“, welches, von afroamerikanischen Diskursakteuren verwendet, von der Gemeinschaft abgesegnet ist. Das gilt auch für das mittlerweile zum Stigmawort verkommene Nominalkonstrukt „der alte weiße Mann.“ Darf Frau Agostino sich dieser diffamierenden und den Tatbestand des Rassismus erfüllenden Vokabel bedienen, um einen Politiker zu diskreditieren?
Wir Männer und Frauen aller Hautfarben und Herrenländer wollen es ihr durchgehen lassen und uns in Nachsicht üben, schließlich gibt es bereits genügend spalterische Tendenzen in unserer ach so gespaltenen Gesellschaft. Inhaber von Verbrennerautos, Barbecue-Fans usw. gelten schnell schon mal als rechts, ebenso Kritiker eines Eintrags des Rechts auf Abtreibung in die Verfassung unserer Monarchie. Ist das noch ein semi-offener Debattenraum oder schon Meinungskorridor 3.0?
Die Denkfigur „Der alte weiße Mann“ ist ein ebenso törichter wie kontraproduktiver Versuch, Tausende von Wählern mundtot zu machen. Moral kann Diskussionen nie ersetzen, denn Moral ist subjektiv und vor allem polemogen, d.h. sie spaltet unweigerlich, da sie mit dem Zeigefinger auf andere deutet, um die Gegenseite in die Ecke des vermeintlich „Bösen“ zu rücken.
Frau Agostino täte daher gut daran, sich rhetorisch ausgefeilterer Mittel zu bedienen, um den „alten weißen Mann“, der sie gewählt hat, nicht zu unterfordern mit ihren vordergründigen Parolen, die eher dem Fußballsprech als dem Niveau einer bürgerlichen Politikerin entsprechen.
De Maart
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