Die französische Sprache ist das verbindende Element der Vertreter vieler Parlamente aus der ganzen Welt, die sich am Montagmorgen in der Philharmonie auf dem Kirchberg getroffen haben, um den 50. Jahrestag der parlamentarischen Versammlung der Frankophonie zu begehen. Unter den Rednern waren auch der luxemburgische Parlamentspräsident Mars Di Bartolomeo, Xavier Bettel und Großherzog Henri.

Unter den Mitgliedern dieser Vereinigung befinden sich natürlich Frankreich, Luxemburg und Belgien. Auch Kanada, Vietnam, Laos, die Demokratische Republik Kongo, Niger und viele andere Länder sind Mitglieder. Für viele dieser Länder ist die französische Sprache ein koloniales Erbe und gleichzeitig heute ein Teil ihrer Kultur.

Wie für die Luxemburger Vertreter ist auch für zahlreiche Vertreter anderer Mitgliedsstaaten Französisch nicht die erste oder wichtigste Sprache in ihrem täglichen Leben, sondern eine Sprache unter vielen, die im Alltag benutzt werden.

Pluralismus, nicht Wirrwarr

In seinem Land herrsche ein Sprachenpluralismus wie in Luxemburg, berichtet etwa der Präsident des kongolesischen Parlamentes, Aubin Minaku. Er berichtet von einem Dorf an den Grenzen zweier Stämme, in dem morgens die Sprache des einen Stammes und mittags jene des anderen Stammes gesprochen wird, und von einem Dorf an der Grenze, in dem die Männer die eine und die Frauen die andere Sprache benutzen.

Niemand der Redner an diesem Morgen wünscht sich eine Vereinheitlichung der Sprachen. Etwa, dass überall Französisch oder Englisch gesprochen werden soll. Vielmehr betont Minaku den Pluralismus, durch den eben nicht ein babylonisches Sprachengewirr entstünde.

In diesem Sinne fiel im Laufe des Morgens auch mehr als einmal ein „Moien“ auf Luxemburgisch oder ein „Mbote“ in Lingála, eine der vielen Sprachen im Kongo – neben Französisch.

Sprache und Werte

Für die anwesenden Politiker sind mit der französischen Sprache zugleich eine Reihe ethischer Werte verbunden. Daraus ergibt sich für die Organisation, dass sie zum Beispiel für Menschenrechte und Frauenrechte einsteht.

Michaëlle Jean, Generalsekretärin der „Organisation internationale de la francophonie“, spricht von einer „modernen Frankrophonie“ – einer Frankophonie „im Dienste eines universellen Humanismus“, der heute mehr angebracht sei.

Immer wieder durch Beifall unterbrochen wurde die Rede des Luxemburger Premierministers, Xavier Bettel.

„An erster Stelle ist die Frankophonie eine Spachengemeinschaft“, analysiert Bettel. Sie sei aber auch „eine Wertegemeinschaft“. Diese Werte seien die Offenheit, der Dialog und die Solidarität. Früher sei Luxemburg eine Festung gewesen. Der Erfolg Luxemburgs sei aber abhängig von der Offenheit der Grenzen und es sei eine schlechte Antwort auf die Probleme unserer Zeit, neue Mauern zu errichten, so Bettel.

Zusammenleben in Harmonie

In Luxemburg lebten Menschen in Harmonie zusammen, die eine Unzahl verschiedener Sprachen sprächen. Für Luxemburg sei die Solidarität auch nicht eine leere Floskel, so Bettel. Auch in Zeiten begrenzter Haushalte stecke Luxemburg weiter Geld in die Entwicklungshilfe, so Bettel. Bei uns stelle man sich die Frage, ob man eine kalte oder eine warme Mahlzeit zu sich nehme, während in anderen Ländern die Menschen gerade einmal eine Mahlzeit in der Woche hätten. Dessen müsse man sich bewusst sein. Ein Prozent des Bruttonationaleinkommens hieße, dass immer noch 99 Prozent übrigblieben. Es ginge darum, Konflikten vorzubeugen, zukünftigen Generationen eine Perspektive zu geben und um die Lust aufs Zusammenleben.

„Diese Werte sind die Basis des Zusammenlebens“, sagt Bettel. „Und ich glaube, es ist unsere Verantwortung, diese Werte nicht nur hochzuhalten, sondern sie zu fördern.“
Spaltung hieße es zu vermeiden, so Bettel. „Wir müssen vermeiden, in unseren Debatten Spannungen zu schaffen“, so Bettel. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass es Jung gegen Alt oder Religion gegen Religion hieße. Heute sei es leider sehr populär, eine Religion stigmatisieren zu wollen.

Zu den Werten gehört für den Premier auch die Freiheit, seine sexuelle Orientierung ausleben zu können. „Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche“, so Bettel. „Homosexualität ist keine Entscheidung.“ Der Rest seines Satzes geht im Applaus unter.

Tatsächlich steht in einigen Ländern der „Assemblée parlementaire de la francophonie“ Homosexualität unter Strafe. In Mauretanien etwa müssen Homosexuelle Angst haben, mit dem Tode bestraft zu werden.

Es ist das dritte Mal, dass die „Assemblée parlementaire de la francophonie“ in Luxemburg tagt. Die Organisation wurde vor 50 Jahren in Luxemburg gegründet und hat ihren 30. Geburtstag im Großherzogtum gefeiert.

 

2 Kommentare

  1. Auch in Luxemburg kann man sagen”es ist wie ein Dorf an den Grenzen zweier Stämme, in dem morgens die Sprache der frontaliers und abends wieder Luxemburgisch gesprochen wird,

  2. Die Frankophonie ist ein Hirngespinst von französischen Politikern, die drei Sprachen können (Französisch, Französisch und Französisch), un der Versuch, der Anglizisierung Afrikas entgegen zu wirken.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here