ParlamentswahlenFacebook-Profil mit rechtsradikaler Symbolik: Kandidat der ADR Osten macht Rückzieher

Parlamentswahlen / Facebook-Profil mit rechtsradikaler Symbolik: Kandidat der ADR Osten macht Rückzieher
Alain Vossen ist nicht mehr ADR-Kandidat für den Osten Foto-Ausschnitt, Quelle: ADR

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Erst am Samstag verkündete die ADR ihre Kandidaten für die Chamberwahlen im Oktober. Schon am Montagabend machte einer der Kandidaten für den Osten einen Rückzieher: Alain Vossen. Auslöser sind rechtsradikale Facebook-Beiträge des 36-Jährigen, die ihn in einem T-Shirt mit SS-Runen zeigen. In der Parteizentrale will keiner etwas davon gewusst haben.

Das Bezirkskomitee der ADR Osten hat am Montagabend den Rücktritt eines ihrer Kandidaten für die Parlamentswahlen bekannt gegeben. Der 36-jährige Alain Vossen sehe sich momentan „nicht mehr in der Lage, die Idee der ADR nach außen zu vertreten“, heißt es in der Pressemitteilung. Ursache für diesen Gesinnungswandel seien „Facebook-Posts, die er vor acht Jahren gemacht hat und die, zum Teil mithilfe von Photoshop, aus ihrem damaligen Kontext gerissen wurden“. Wie die ADR mitteilt, hat das Bezirkskomitee Osten Jean-Marc Schmidt einstimmig zu Vossens Nachfolger ernannt. Seit 2021 arbeite er als parlamentarischer Berater und ist seit 2022 Mitglied des ADR-Bezirkskomitees Osten.


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Dass eine Bildbearbeitungssoftware wie Photoshop dazu eingesetzt wurde, Vossens Posts nachträglich zu ändern, kann nicht nachvollzogen werden. Vossen hatte laut Tageblatt-Informationen unter dem Namen Alain Machete Hitler-Memes auf Facebook geteilt – Bilder, auf denen Hitler und andere Nazis zu sehen sind und die mit geschmacklosen „Witzen“ versehen sind. Auf einem Foto, das dem Tageblatt zugespielt wurde, posiert Vossen neben einem Bekannten und trägt ein schwarzes T-Shirt, auf dem ein Schriftzug zu sehen ist, der SS-Runen zeigt – das Symbol jener Nazi-Organisation, die u.a. den Holocaust organisierte. Auf der Vorderseite des Bekleidungsstücks ist zudem ein Emblem abgebildet, das dem deutschen Reichsadler ähnelt.

Vossen bedauere „seinen damaligen unbekümmerten Umgang mit den sozialen Medien und distanziere sich konsequent von seinen damaligen Facebook-Posts, unabhängig davon, dass sie wie gesagt aus ihrem Zusammenhang gerissen wurden“, heißt es in dem Schreiben der ADR Osten. Welcher Kontext das war, wird in der Mitteilung nicht erklärt. Das betroffene Facebook-Profil wurde inzwischen deaktiviert.

Keiner will es gesehen haben

In der Parteizentrale will keiner etwas von der Gesinnung von Alain Vossen gewusst haben. „Das war uns nicht bewusst“, antwortet Parteipräsident Fred Keup am Dienstag im Rahmen einer ADR-Pressekonferenz, auf der die Chamber-Fraktion aufs vergangene Jahr zurückblickt. „Die betreffenden Posts sind acht bis zehn Jahre alt.“ Auf den Umstand angesprochen, dass einige Hitler-Memes aus dem vergangenen Jahr stammen, antwortet Keup: „Hätten wir diese Sachen gesehen, hätten wir natürlich sofort Nein gesagt und uns sofort distanziert.“ Das sei kein Thema, mit dem man Witze machen sollte.

Die ADR-Fraktion ist nach dem Rücktritt von Roy Reding auf drei Mann geschrumpft
Die ADR-Fraktion ist nach dem Rücktritt von Roy Reding auf drei Mann geschrumpft Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Fraktionspräsident Fernand Kartheiser hat am Dienstag auf der traditionellen Abschlusspressekonferenz der – nach dem Abgang von Roy Reding – nur mehr drei Mann starken ADR-Fraktion zurückgeblickt. Wie andere Parteien auch blickte Kartheiser jedoch nicht nur auf die vergangenen Jahre zurück, sondern zog Bilanz der Legislaturperiode – und gab einen ersten Ausblick auf die Wahlkampfprioritäten der ADR. Verfassung, Covid und der Krieg in der Ukraine hätten die vergangene Legislaturperiode dominiert. „Wir werden demnächst einen eigenen Verfassungstext vorstellen, den wir anhand eines Gesetzesvorschlages einem Referendum vorlegen wollen“, sagte ADR-Präsident Fernand Kartheiser. Mit der jetzigen Verfassung prognostiziert der ADR-Mann noch „viele Probleme“.

Während der Covid-Pandemie sei die ADR die einzige Partei gewesen, die sich für die Freiheit der Bürger eingesetzt habe – egal, ob diese sich impfen lassen wollten oder nicht. Auch im Ukraine-Krieg sei die ADR die „Stimme der Moderation“ und plädiere für eine friedliche Lösung inklusive Waffenstillstand. 

Im kommenden Wahlkampf will die ADR ihre Prioritäten auf die Themen Wachstum, Kriminalität, Familie, Wohnungsbau, Asyl und Migration, Bildung, Identität und Steuern legen. Luxemburg solle zudem eine souveräne Nation im „europäischen Nationenkonzert“ bleiben. Auch auf die Zersplitterung der Parteienlandschaft ging Fernand Kartheiser kurz ein. „Unter den traditionellen Parteien gibt es quasi keine Unterschiede mehr“, sagt Kartheiser. Demnach gebe es auch keinen Grund mehr, CSV zu wählen. „Die CSV ist schwach, war schwach und wird keine Alternative bieten können.“

Die ursprüngliche Kandidatenriege der ADR Osten mit Alain Vossen ganz links
Die ursprüngliche Kandidatenriege der ADR Osten mit Alain Vossen ganz links Foto: ADR
Miette
25. Juli 2023 - 21.38

Durch die FB Ergüsse der unklugen Art hat sich dieser Held zu seiner wahren Gesinnung bekannt. Er war zu der Zeit ein Erwachsener, also nun nichts auf jugendlichen Leichtsinn schieben.
Traurige Gurkentruppe, diese Partei.

Grober J-P.
25. Juli 2023 - 19.39

„Die betreffenden Posts sind acht bis zehn Jahre alt.“
So ist das mit dem Erinnerungsvermögen einiger ......
Der liebe Fred hat Gedächnislücken, auch seine verbalen Ergüsse von damals hat er mitllerweile vergessen.

JJ
25. Juli 2023 - 14.56

AfD oder ADR. Brüder im Geiste.Aber wenn solche Nasen Stimmen bekommen,dann muss man sich Fragen stellen.Nicht über die Nasen sondern über den Wähler. Da hilft auch kein Anzug und Krawatte für's Gruppenbild mit Dame um Eindruck zu schinden.Darunter trägt man Uniform. Lachnummern wie Keup oder Kartheiser hätten vor 40 Jahren ( war noch näher am letzten Weltkrieg ) eine Abfuhr bekommen von der sie sich nie mehr erholt hätten. Aus der einstigen Rentnerpartei wurde eine Rassenpartei. Wo der Wind gerade herkommt.

Ninni
25. Juli 2023 - 13.46

Ein rechtsradikaler ADR-Mann?

Sagt es sei nicht wahr! ?