Samstag29. November 2025

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Rückblick auf JahrtausendeDie Geschichte des Weinbaus in Luxemburg

Rückblick auf Jahrtausende / Die Geschichte des Weinbaus in Luxemburg
Seit etwas weniger als 2.000 Jahren wird in Luxemburg an der Mosel Wein hergestellt Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

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Wein zählt zu den traditionellen Luxemburger Kulturgütern. Über seine Geschichte hierzulande ist jedoch eher wenig bekannt. Anfang Mai, bei einer Veranstaltung in Dalheim, hat man nun den Blick auf die letzten 2.000 Jahre an der Mosel gewagt.

Auf viele Jahrtausende kann die Geschichte des Weins in der Welt zurückverfolgt waren. Die ältesten Spuren, etwa 8.000 Jahre alt, wurden in Georgien im Kaukasus gefunden. Der Herstellungsprozess war damals noch etwas anders: Erst wurden die Trauben gepresst. Dann wurde alles (Kerne, Haut und Frucht) drei bis sechs Monate in einer Art Amphore („Quevri“ genannt) in den Boden eingelegt. Die Reste sanken automatisch nach unten. Oben konnte der reine Wein abgeschöpft werden. So wie damals wird in Georgien auch heute noch der Wein hergestellt.

 
   

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Bis die Kunst der Weinherstellung jedoch in Luxemburg ankam, sollte noch viel Zeit vergehen. Von Georgien aus ist das Fachwissen erst weiter südlich gewandert, so Daniel Poos, Autor des Buchs „Histoire scientifique de la vinification“, gegenüber dem Tageblatt. In der Türkei und in Mesopotamien seien etwa 6.000 Jahre alte Spuren dieser Technik gefunden worden.

Buchautor Daniel Poos
Buchautor Daniel Poos Foto: Editpress/Alain Rischard

Nach und nach wanderte das Fachwissen dann weiter Richtung Westen. Auch in Palästina und im Nildelta finden sich jahrtausendealte Spuren. Weiter verbreitete es sich über den Handel im Mittelmeerraum, mit den Phöniziern, den Griechen und den Etruskern bis hin zu den Römern. „Immer mit tönernen Gefäßen. Immer mit Amphoren“, so Poos.

Die Römer spielten dann die entscheidende Rolle bei der Einführung des Weinbaus in unserer Region. Geschätzt wird, dass das Produkt zusammen mit den Legionen zu Beginn als Handelsware eingeführt wurde. „Der Wein der Römer hat sich schnell durchgesetzt“, so Poos weiter. „Nicht nur die Soldaten – auch die Gallier mochten das Produkt aus dem Mittelmeerraum. Schnell gab es eine sehr große Nachfrage.“

Interessanterweise importierten die Römer ihren Wein zunächst in Amphoren aus dem Süden. Doch wirklich geeignet für den langen Transport über die holprigen Straßen waren sie wohl nicht, so Poos. Geschätzte 30 Prozent der Tongefäße seien zerbrochen, ehe sie an ihrem Ziel ankamen.

Nachbildung einer in Sardinien gefundenen Quevri
Nachbildung einer in Sardinien gefundenen Quevri Foto: Editpress/Alain Rischard

Nach und nach wurde dann in unseren Gegenden mit der Herstellung begonnen. Das genaue Datum ist unbekannt. Nach neuesten archäologischen Erkenntnissen lassen sich die ersten Nachweise für Weinbau an der Mosel auf die Zeit zwischen 150 und 200 n. Chr. datieren. Ob die Herstellung in Amphoren, oder bereits in Holzfässern passierte, ist heute vergessen. Gewusst ist nur, dass es in etwa die gleiche Zeit war, als die Weinproduktion an der Mosel begann, als auch die Umstellung von Ton auf Holz stattfand.

Nach 250 n. Chr. soll in unseren Gegenden nur noch Wein in Holzfässern hergestellt worden sein. Die Tradition der Fässer komme derweil nicht von den Römern, so Poos. Sie komme von den Galliern. Wohl vom Transport von Bier.

Umstritten ist auch die Frage, ob die Römer eher auf Weißwein oder auf Rotwein gesetzt haben. Laut dem spezialisierten Historiker aus Verona, Dimitri Van Limbergen, ist es ein „weder noch“. Er glaubt, dass das Konzept Weiß-Rot ein modernes ist. Früher habe es viele unterschiedliche Sorten mit vielen Farben gegeben, mal transparenter Wein, mal gelber Wein.

Flurnamen wie „Wangert“

Luxemburgs Weinbauministerin Martine Hansen hob im Rahmen der Veranstaltung im alten römischen Theater in Dalheim derweil hervor, dass der Elbling wohl von den Römern in unsere Regionen eingeführt wurde. Auch wenn er heute nur noch für fünf Prozent der Anbaufläche stehe, so seien es früher doch mehr als die Hälfte gewesen.

Mit dem Ende der Herrschaft der Römer ist der Wein jedenfalls geblieben. Nach und nach entstanden zudem immer mehr Anbaugebiete quer durch das ganze Land, von Bissen und Contern über Echternach, Luxemburg-Stadt, Rosport und Vianden. Zahlreiche Flurnamen wie „Wangert“ oder „an de Wangerten“ sowie noch erkennbare Terrassenanlagen zeugen heute noch davon.

Wein war dabei aus vielen unterschiedlichen Gründen von Bedeutung, sei es aus wirtschaftlichen, kulturellen oder religiös-zeremoniellen. Auch bei der Gesundheit spielte er eine Rolle, meint Winzer Laurent Kox. „Im Mittelalter, als Trinkwasser oft verunreinigt war, bedeutete der Konsum von Alkohol – sei es Wein oder Bier – ein geringeres Erkrankungsrisiko.“ Zwar sei Wein oft verdünnt getrunken worden, doch wirkte er desinfizierend.

Der Weinbau im Rest des Landes, außerhalb der Moselregion, hatte oftmals jedoch keinen guten Ruf, da die klimatischen Bedingungen oft nicht optimal waren. Nach ein paar sehr kalten Wintern war es in den meisten Regionen des Landes im 18. Jahrhundert vorbei mit dem Anbau. Der klimatische Wandel verlagerte ihn in die geschützten Täler. Anfang des 20. Jahrhunderts gaben auch die letzten Weinbaugebiete, die nicht an der Mosel lagen, auf. Aktuell gibt es wieder vereinzelte Versuche, dem entgegenzuwirken.

Im Rahmen der Veranstaltung in Dalheim präsentierten drei luxemburgische Winzer ihre aktuellen Experimente mit der alten Weinbautechnik in Ton-Amphoren, die heute eine Renaissance erlebt. Die Veranstaltung war organisiert von den Ricciacus Frënn Duelem und dem Weingut Domaine L&R Kox.

 Foto: Editpress/Alain Rischard
Die Veranstaltung zur Geschichte des Weinbaus im ehemaligen römischen Theater in Dalheim
Die Veranstaltung zur Geschichte des Weinbaus im ehemaligen römischen Theater in Dalheim  Foto: Editpress/Alain Rischard

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