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Europa entwickelt sich besser als erwartetArcelorMittal verzeichnet solide Zahlen – doch die Zukunftsaussichten sind trüber geworden

Europa entwickelt sich besser als erwartet / ArcelorMittal verzeichnet solide Zahlen – doch die Zukunftsaussichten sind trüber geworden
Aufgrund anhaltender Zollbelastungen bleiben die Kunden vorsichtig und die weltweite Nachfrage gedämpft Foto: Editpress/Julien Garroy

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In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres hat der in Luxemburg beheimatete Stahlhersteller ArcelorMittal ein Ergebnis erwirtschaften können, das den hohen Erwartungen entsprach. Die Prognosen für die Zukunft sind jedoch trüber geworden. Europa derweil schlägt sich leicht besser als erwartet.

Der Luxemburger Konzern ArcelorMittal, der auf Kirchberg seinen neuen Hauptsitz baut, hat im ersten Halbjahr 2025 seinen Nettogewinn steigern können: Am Ende der sechs Monate stand ein Plus von 2,6 Milliarden Dollar in den Büchern, spürbar mehr als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus dem am Donnerstag vorgestellten Bericht hervor.

Es sind jedoch nicht alle Zahlen positiv: So hat der Konzern im Laufe des ersten Halbjahres, mit 27,4 Millionen Tonnen, ganz leicht mehr Stahl verschifft als im Vorjahreszeitraum, hat gleichzeitig jedoch ein kleines Minus beim Geldvolumen der Verkäufe verbucht. Insgesamt belief sich der Umsatz auf 30,7 Milliarden Dollar. Der Preis für Stahl ist gefallen.

Das höher ausgefallene Ergebnis ist damit einerseits einigen Geschäften zu verdanken, die sich nicht wiederholen werden, gleichzeitig jedoch auch durch einen gestiegenen operativen Gewinn pro Tonne (135 Dollar) zu erklären. „Die fundamentale Stärke des Unternehmens ist gut“, wird Firmenchef Aditya Mittal in der Mitteilung zitiert.

Von den Anlegern an den Börsen war es am Donnerstag dabei jedoch der negativere Ausblick auf den Weltmarkt, der vornehmlich hängen blieb: Vor allem wegen der US-Zollpolitik seien die Kunden vorsichtig, so der Konzern. Die Konjunktur bleibe gedämpft und eine Wiederauffüllung der Lagerbestände sei nicht zu beobachten, da die Kunden weiterhin abwarten. „Wie jedes andere Unternehmen müssen wir uns mit den anhaltenden geopolitischen Turbulenzen und Zollkonflikten auseinandersetzen“, erläutert der Firmenchef.

US-Zollpolitik belastet

Der Konzern erwartet nun, dass der weltweite Stahlverbrauch (ohne China) im laufenden Jahr nur noch um 1,5 bis 2,5 Prozent zulegen wird, ein Prozentpunkt weniger als zuvor angenommen. Bis am frühen Nachmittag hatte die Aktien rund vier Prozent auf 27,2 Euro verloren. 

Insbesondere in den USA ist der Umsatz bereits in der ersten Jahreshälfte eingebrochen. Für das Gesamtjahr rechnet man in dieser Region nun nicht mehr mit einem Wachstum, sondern mit einem leichten Rückgang von bis zu zwei Prozent.

Der Konzern versucht sich den neuen Bedingungen in der Weltwirtschaft anzupassen: „Unser Hauptaugenmerk liegt stets darauf, die Anforderungen der heimischen Märkte zu erfüllen“, wird Aditya Mittal zitiert. In diesem Sinne habe man nun das Unternehmen Calvert in den USA vollständig übernommen und in ein „kohlenstoffarmes Stahlwerk umgebaut, das in der Lage ist, Stähle von höchster Qualität für alle Kundensegmente“ herzustellen. Calvert werde zum neuen Kompetenzzentrum für ArcelorMittal in den Vereinigten Staaten.

Anders als erwartet, entwickelt sich dabei auch der europäische Markt: Zwar ist auch hier ein Rückgang des Umsatzes verbucht worden, doch „entwickelt sich die Nachfrage relativ besser“ als gedacht, schreibt der Konzern. Er führt dies unter anderem auf die „begrenzteren direkten Auswirkungen der Zölle und der Unterstützung durch niedrigere Zinsen“ zurück. Gleichzeitig wird angesichts niedriger Lagerbestände damit gerechnet, dass dies die tatsächliche Nachfrageverbesserung ergänzen könne.

Für mittelfristig leichten Optimismus sorgen in Europa auch „die Aussichten auf zusätzliche handelspolitische Unterstützung, einen verstärkten CO₂-Grenzausgleichsmechanismus sowie höhere Infrastrukturausgaben und höhere Verteidigungsausgaben“, schreibt die Unternehmensgruppe. Das ist ein erfreulicher Gegensatz zu den eher schlechten Nachrichten aus dem europäischen Stahlsektor im Laufe der vergangenen sechs Monate.

Trotzdem bleibt Europas größter Stahlkonzern vorsichtig, was die Entwicklung auf dem Kontinent betrifft. Man begrüße den „EU-Steel and Metals Action Plan“ zur Wiederherstellung fairer Wettbewerbsbedingungen, warte jedoch weiterhin auf die konkrete Umsetzung bei Schutzmaßnahmen, CO₂-Grenzausgleich und Energiepreisen, so ArcelorMittal. „Es ist dringend erforderlich, dass diese Pläne rasch in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden.“ Man hoffe, in der zweiten Jahreshälfte 2025 mehr zu erfahren. Auch Aditya Mittal fügt hinzu: „Ich hoffe aufrichtig, dass Europa an seiner Verpflichtung festhält, seine heimische Stahlindustrie zu verteidigen und ihr Vorrang einzuräumen.“

Investitionen in Wachstumsmärkten

In den letzten Jahren hat sich die Stahlindustrie in Europa nicht gut entwickelt: Von den fast zwei Milliarden Tonnen Stahl, die 2022 in der Welt hergestellt wurden, stand Europa nur noch für einen kleinen Anteil von sieben Prozent. Rund 20 Jahre zuvor hatte Europa noch einen Weltmarktanteil von 17 Prozent. Der Anteil Asiens ist in dem Zeitraum hingegen von 41 auf 70 Prozent gewachsen. In den letzten zehn Jahren ist Europa zudem von einem Stahlexporteur zu einer stahlimportierenden Region geworden. Wegen weltweiter Überkapazitäten und hoher Herstellungskosten in Europa sei der Markt attraktiv für Importe.

Was nun speziell die Luxemburger Werke angeht, so gab es am Donnerstag keine neuen Informationen. Zu Jahresbeginn hatte der Konzern erklärt, dass die Luxemburger Werke, im Gegensatz zur allgemeinen Situation in Europa, „ziemlich gut laufen“. Die Luxemburger Werke der Gruppe sind vor zwei Jahren umorganisiert worden. Die Vielfalt an angebotenen Nischen- und Massenprodukten soll den Standort dabei vor Konjunkturschwankungen schützen. 

Für die Zukunft des global handelnden Unternehmens gibt sich der Geschäftsführer weiterhin positiv gestimmt: „Trotz der vielen Herausforderungen, denen die globale Wirtschaft heute gegenübersteht, bin ich zuversichtlich, dass ArcelorMittal über ein Profil verfügt, das uns weiteres Wachstum und Erfolg ermöglicht. Dank unserer soliden Bilanz und unseres diversifizierten Geschäftsmodells können wir in Wachstum investieren und gleichzeitig (…) konstante Renditen für unsere Aktionäre erzielen.“

Hervorheben tat der Konzern in dem Halbjahresbericht auch seine Präsenz in Wachstumsmärkten wie Indien und Brasilien wie auch die erreichten Rekordwerte bei der Eisenerzproduktion aus den Bergwerken in Liberia. Mit den Investitionen und Übernahmen ist dabei auch die Verschuldung des Konzerns merklich gestiegen. Sie liegt nun bei 8,3 Milliarden Dollar. Ende 2024 lag sie erst bei 5,1 Milliarden Dollar.


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Reinertz Barriera Manfred
10. August 2025 - 16.59

Warten wir mal ab wie sich Trump's Zollschranken auswirken werden für unsere Wirtschaft nach der bedingungslosen Kapitulation von UvdL vor dem Trumpeltier...

Grober J-P.
31. Juli 2025 - 21.08

Pardon, habe angeblich nicht mitbekommen, alle Yachten verkauft!?

Grober J-P.
31. Juli 2025 - 21.05

"Europa an seiner Verpflichtung festhält, seine heimische Stahlindustrie zu verteidigen und ihr Vorrang einzuräumen.“
Verpflichtung, versteh ich nicht ganz, kann man mir das mal erklären!
Papa Mittal mal rüberschicken zu Donald und einen richtigen DEAL machen, mit den eigenen Yachten, nach Key Largo. Das beeindruckt.