Samstag29. November 2025

Demaart De Maart

Wettbewerb der FinanzzentrenAlle großen EU-Standorte rutschen ab – auch Luxemburg fällt zurück

Wettbewerb der Finanzzentren / Alle großen EU-Standorte rutschen ab – auch Luxemburg fällt zurück
Innerhalb der EU gilt Luxemburg als drittwichtigster Finanzplatz Foto: Editpress/Alain Rischard

Jetzt weiterlesen!

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben:

Oder schließen Sie ein Abo ab:

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Im Ranking der Finanzplätze ist Luxemburg zuletzt leicht nach hinten gerutscht. Laut der neuesten Ausgabe des Global Financial Centres Index steht es derzeit weltweit auf Platz 19. Kein Finanzplatz aus der EU schafft es in die Top 10. Die meisten goßen EU-Finanzplätze verlieren an Gewicht.

Der Global Financial Centres Index (GFCI) ist ein wichtiges Marketinginstrument für Finanzstandorte. Zweimal im Jahr wird das Ranking veröffentlicht. Untersucht werden Aspekte wie Geschäftsumfeld, Entwicklung des Finanzsektors, Infrastruktur, Fachwissen der Mitarbeiter, Ruf des Platzes und einige weitere Faktoren. Hinzu kommen die Ergebnisse einer Online-Umfrage. Untersucht wurden für diese 38. Ausgabe des Rankings 135 Finanzplätze weltweit.

Luxemburg steht aktuell laut dem Ranking von September 2025 auf Platz 19 der wichtigsten Finanzplätze der Welt. Hinter Frankfurt und Paris, aber vor Dublin und Amsterdam. Eine leichte Verschlechterung zur vorherigen Ausgabe des Rankings.

Luxemburg erreicht damit weiterhin ein spürbar besseres Ergebnis als im März 2022, als es gerade mal Platz 27 erreichte. Von den viel besseren Zahlen, die das Großherzogtum in der Vergangenheit mal erreicht hatte, bleibt das Land jedoch weiter deutlich entfernt. Im September 2020 beispielsweise lag der Standort weltweit auf Platz zwölf.

Auch innerhalb der Europäischen Union hinkt der Finanzplatz Luxemburg weiterhin seinem früheren Glanz hinterher. Zählte das Land Ende 2020 noch als wichtigster Finanzplatz in der Staatengemeinschaft, so zählt es derzeit nur noch als drittwichtigster. Als wichtigstes Finanzzentrum der EU gilt Frankfurt, Sitz der Europäischen Zentralbank.

Leicht beruhigend für das Großherzogtum dürfte sein, dass die irische Hauptstadt Dublin wieder leicht hinter Luxemburg, auf Platz vier innerhalb der EU, zurückgefallen ist. Der Standort hat in den letzten Jahren eine beeindruckende Aufholjagd im Ranking hingelegt. Im Jahr 2022 belegte er noch den 43. Platz weltweit – im September 2025 liegt er nun auf Rang 20. Die irische Hauptstadt und Luxemburg sind seit vielen Jahren Wettbewerber im Bereich der Investmentfonds. Vorbeigezogen an Luxemburg waren die Iren im September vergangenen Jahres. Vor allem bei ETFs (Exchange Traded Funds) haben die Iren Luxemburg in den letzten Jahren abgehängt.

 
  Screenshot: longfinance.net

Wieder zurückgefallen im GFCI 38 ist Luxemburg jedoch hinter den Standort Paris, der weltweit auf Rang 18 liegt. Innerhalb der EU wird derzeit intensiv über eine Kapitalmarktunion (in Spar- und Investitionsunion umbenannt) diskutiert. Dies mit dem Ziel, das Ersparte der Bürger für Zukunftsinvestitionen innerhalb Europas zu mobilisieren.

Ein wesentlicher Punkt bleibt jedoch noch ungeklärt. Was die Struktur der Aufsicht des Finanzbereichs angeht, herrscht keine Einigkeit bei den Mitgliedstaaten. So ist bekannt, dass Frankreich eine zentrale Aufsichtsbehörde für die EU in Paris will. Luxemburg jedoch nicht. „Wir wollen Annäherung ohne unnötigen bürokratischen Aufwand“, so Finanzminister Gilles Roth im Juni auf einer Pressekonferenz.

Die EU schneidet schlecht ab

Insgesamt gilt es zu bemerken, dass die EU-Finanzzentren in dem Ranking nicht besonders gut abschneiden. Das wichtigste Finanzzentrum des Kontinents liegt nicht einmal in der Staatenunion.

Europaweit gilt, wie in allen vorherigen Ausgaben des Rankings, weiterhin London (Rang 2 weltweit) als bedeutendster Standort. Mit dem Brexit habe Europa rund die Hälfte seiner Finanzmärkte verloren, hatte Camille Seillès von der Bankenvereinigung ABBL zu Jahresbeginn in einem Gespräch mit dem Tageblatt hervorgehoben. Luxemburg setze sich dafür ein, dass die Staatenunion das dort verwaltete Kapital und Fachwissen auch weiter nutzen kann. Das sei unabdingbar für uns. „Dieses Geld muss auch weiterhin in Europa investiert werden können.“ Vielleicht könne sich eines Tages ein anderer Finanzplatz aus der Staatenunion im Ranking der Finanzplätze durchsetzen. Da sei man aber noch nicht. „Das geht nicht von heute auf morgen. (…) Das braucht Zeit.“

Die Nummer eins in der EU, Frankfurt steht dementsprechend europaweit nur auf dem zweiten Platz und weltweiten nur auf Platz 12. Kein Finanzplatz aus der EU schafft es in die Top 10. Frankfurt ist damit, wie auch die anderen führenden Finanzplätze der Staatenunion, Luxemburg, Dublin, Paris und Amsterdam, leicht nach hinten gerutscht. Zugelegt haben hingegen die Schweizer Städte Genf und Zürich.

Gilt noch zu erwähnen, dass Luxemburg im aktuellen GFCI 38 nun zwar drei Plätze gefallen, das Land aber gleichzeitig auch vier Bewertungspunkte (auf aktuell insgesamt 740 Punkte) hinzugewonnen hat. Die Punktezahl zeigt, dass das Rennen zwischen den EU-Standorten sehr eng ist: Frankfurt, 747 Punkte; Paris, 741 Punkte; Dublin, 739 Punkte; Amsterdam, 733 Punkte.

Luxemburg fällt bei Fintech zurück

London liegt mit seinen 765 Punkten derweil unangefochten an der Spitze in Europa. Weltweit erhält nur noch New York (766 Punkte) ein noch besseres Resultat. Hongkong belegt weiter den weltweit dritten Platz, vor Singapur und San Francisco.

Langfristig gesehen hat sich Luxemburg in der Positionierung verbessert: Im März 2007, als das Ranking erstmals erstellt wurde, belegte das Land Platz 26 weltweit. Europäische Finanzzentren wie Frankfurt und Paris lagen damals mit dem sechsten beziehungsweise elften Platz bereits klar vor Luxemburg. Ihre globalen Spitzenpositionen mussten sie jedoch nach und nach abgeben. Insgesamt fünf Städte unter den ersten zehn befinden sich in Asien, vier in den USA und nur eine in Europa.

Neben einer allgemeinen Bewertung der Finanzplätze wurde im Bericht noch ein Augenmerk auf die Fintech-Branche gelegt. Insgesamt wurde das betreffende Angebot von 116 Zentren unter die Lupe genommen. Hongkong und Shenzhen führen die Fintech-Rangliste an. New York und London haben an Gewicht verloren. Auch Luxemburg ist in dem Bereich deutlich von Platz 24 auf Platz 31 zurückgefallen.

 
   

Weiterführende Lektüre:

Fünf Jahre nach dem Brexit – So steht es heute um den Luxemburger Finanzsektor

Das Gewicht des Finanzplatzes: Die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre

Luxemburgs Finanzplatz glänzt im internationalen Vergleich – aber versagt vor der eigenen Haustür

2024: Ein Rekordjahr für die Luxemburger Banken – erstmals mehr als sieben Milliarden Euro Nettogewinn

Reinertz Barriera Manfred
12. Oktober 2025 - 7.29

Luxemburg als Finanzplatz gerät ins Hintertreffen aus meheren Gründen: einer davon ist auch seit Jahren schon bekannt, und auch oft angemahnt worden von den Leuten die in Luxemburg im Investmentfondsbereich arbeiten oder tätig gewesen sind: das steuerliche Umfeld ( keine „taxe d’abonnement“ für Anlagefonds in Dublin), sowie die in Luxemburg nicht genügend abgeschlossenen Doppelbesteuerung Abkommen ( Irland -USA z.B.)was diese Industrie jedoch benötigt,um effizient zu sein in Sache Steuerbelastunger Investmentfondsbereich.
Aber auch im Corporate Banking verlieren wir an Terrain: die leidige Affäre der Kontoeröffnung, die Luxdemburg nicht lösen kann, weil auch die Banker lieber im Investmentfondbereich ihr Geld verdienen: Wir verlieren an Attraktivität langfristig...

Luxmann
11. Oktober 2025 - 18.44

Unter den top 10 sind 5 in den USA und deren vassall
GB...die 5 anderen in Ostasien.
Die EU unter der regie der hochnaesigen ueberheblichen Vdl kommission bei den ferner liefen.
Sogar Genf weit vor Paris😉