LST 2.01.000 serologische Tests und ein Reisebus

LST 2.0 / 1.000 serologische Tests und ein Reisebus
Ein Xavier Bettel in Höchstform ist gerade gut genug für die Bewerbung des Large Scale Testing. © Editpress/Fabrizio Pizzolante

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Begleitet von einer umfangreichen Marketingkampagne geht das Large Scale Testing in die zweite Phase. Bis 31. März 2021 will die Regierung insgesamt 1,5 Millionen Coronatests durchführen lassen. Bevor Gesundheitsministerin Paulette Lenert am Donnerstag die Details vorstellte, besuchte sie mit Premierminister Xavier Bettel die Teststelle am Parkplatz Bouillon.

Die morgendliche Herbstsonne taucht die Corona-Teststelle am Parkplatz Bouillon in ein weiches Licht. In unmittelbarer Nähe rauscht der Berufsverkehr stadteinwärts vorbei. In medizinische Schutzkleidung, Mützenschirm und Maske gehüllt, warten die vorwiegend französischen Mitarbeiter des in Dubai ansässigen Militärdienstleisters Ecolog in ihren Zelten auf Besucher. Zwei Angestellte des Reinigungsunternehmens Dussmann tragen transparente Müllsäcke mit medizinischem Abfall davon. Nach und nach trudeln die eingeladenen Testkandidaten in ihren Autos ein. Nur wenige kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) wartet mit einigen Mitarbeitern an einem der beiden Eingänge zur Teststelle. Premierminister Xavier Bettel (DP) kommt etwas später. Bei seiner Ankunft wirft er der kleinen Gruppe ein gut gelauntes „Bonjour“ entgegen. Mit einem Ellbogencheck begrüßt er jeden Einzelnen. Die Leiterin der Teststation nimmt die Minister in Empfang und führt sie über das Gelände. Die zweite Phase der flächendeckenden Teststrategie „Large Scale Testing“ wurde laut Paulette Lenert pünktlich zum Schulbeginn eingeläutet. Hatte die erste Phase, die von Ende Mai bis Ende Juli unter der Verantwortung des Luxembourg Institute of Health durchgeführt und als Erfolgsmodell gefeiert wurde, noch experimentellen Charakter, ist LST 2.0 inzwischen institutionalisiert. Das Gesundheitsministerium hat den Lead übernommen. Zur Finanzierung von LST 2.0 hat das Parlament am 21. Juli ein Gesetz angenommen, das die Bereitstellung von 60 Millionen Euro vorsieht. Die öffentliche Ausschreibung ging an die „Laboratoires réunis“, die auch schon die 40 Millionen Euro teure erste Phase begleitet hatten. Andere Kandidaturen lagen laut Lenert nicht vor. Die Zusammenarbeit mit dem Dienstleister Ecolog wird ebenfalls fortgesetzt.

Mobile Einsatztruppe im Reisebus

Bis Ende März 2021 sollen in den nur noch acht Teststellen (im Mai waren es noch 17) insgesamt 1,5 Millionen Coronatests durchgeführt werden. Neu ist ein umfunktionierter Reisebus, der ab 1. Oktober vier Tester-Teams in Alten- und Pflegeheime oder andere große Unterkünfte fahren kann und ein schnelles Eingreifen bei der Detektion von lokalen Ausbrüchen in Schulen, Betrieben oder – unangemeldet – auf öffentlichen Plätzen ermöglichen soll, wie der Programmdirektor von Ecolog Luxemburg, André Hansen, am Donnerstag verkündete. Neu ist auch die Durchführung von wöchentlich 1.000 serologischen Tests, anhand derer Antikörper gegen SARS-CoV-2 im Blut nachgewiesen werden sollen, die vom Immunsystem nach einer Infektion gebildet wurden. Die Convince-Studie habe gezeigt, dass der Anteil von Genesenen, die Antikörper gebildet haben, noch gering sei, erklärte Paulette Lenert. Deshalb sollen nun vermehrt und gezielt Menschen für einen Bluttest ausgesucht werden, um zusätzliche Informationen über das Virus zu erhalten.

Den größten Anteil am LST 2.0 machen aber nach wie vor die PCR-Tests („Polymerase chain reaction“) aus, die sowohl bei der Stichprobenuntersuchung in der Bevölkerung als auch bei ärztlich verordneten Tests in Laboratorien zum Einsatz kommen. Wöchentlich 53.000 Abstriche, vorzugsweise im Rachen, hat die Regierung in den kommenden sechs Monaten geplant. Besonders angenehm ist diese Untersuchung nicht. Das wusste auch Xavier Bettel, als er am Donnerstagmorgen den Gästen der Teststelle Bouillon Mut zusprach. „All Guddes“ oder „Have a good test. And a good result“, rief er den Menschen zu, von denen die meisten doch etwas überrascht waren, dass sie vom Premierminister höchstpersönlich empfangen wurden. Doch ein Bettel in Höchstform ist für die Vermarktung des Large Scale Testing gerade gut genug. Während der ersten Phase lag die Beteiligungsrate bei eher mageren 37%. Die zweite Phase soll nun besser promotet werden. Das Gesundheitsministerium hat eine Werbekampagne mit eigenen Logos und Slogans entworfen. Das Design ist grafisch und farblich an das Nation Branding angelehnt. „Wir sind alle Teil der Lösung“ lautet das solidaritätsstiftende Motto von LST 2.0. In fünf Sprachen wurde es übersetzt und auf Plakate und Fahnen gedruckt. Sogar einen Werbefilm hat das Ministerium produzieren lassen.

Vorrangiges Ziel der Stichprobenuntersuchung im Rahmen des LST sei es nach wie vor, die Verbreitung von SARS-CoV-2 in Luxemburg zu überwachen und ein Früherkennungsprogramm zu etablieren, erklärte die Gesundheitsministerin am Donnerstag auf einer Pressekonferenz im Auditorium der Villa Louvigny. Die Absicht dahinter sei, die Infektionszahlen möglichst niedrig zu halten. Die erste Phase des LST habe es den Gesundheitsbehörden erlaubt, ein Bild über die Verteilung des Virus zu zeichnen und seine Ausbreitung zu antizipieren. Beim LST gehe es vor allem darum, asymptomatische Fälle bei Menschen ausfindig zu machen, die nicht davon ausgehen, dass sie sich angesteckt haben, erläuterte Lenert. Über die Kontaktverfolgung sollen dann mögliche Infektionsketten unterbrochen werden.

Die Teststation für Einreisende am Flughafen Luxemburg soll in der zweiten Phase beibehalten werden. Neben Reiserückkehrern sollen sich auch Geflüchtete dort kostenlos testen lassen können, sagte Paulette Lenert. Fortgeführt werde auch die Strategie des regelmäßigen Testens von Angehörigen bestimmter Berufsgruppen, die in häufigem Kontakt zu anderen Menschen oder zu verletzlichen Personengruppen stehen.

„All Guddes“ oder „Have a good test. And a good result“, rief Premierminister Xavier Bettel den Menschen in ihren Autos zu
„All Guddes“ oder „Have a good test. And a good result“, rief Premierminister Xavier Bettel den Menschen in ihren Autos zu Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Trierweiler
26. September 2020 - 18.21

@Klitz

"Das LST hat nichts gebracht "

Genau, nur ein paar tausend Infizierte gefunden, die nichts von ihren Glück ahnten und zehntausende andere angesteckt hätten und ein paar hundert Tote, Pippifax eben.

Klitz
25. September 2020 - 23.50

Ich habe den Eindruck dass die Regierung die Kontrolle verloren hat und der Bevölkerung das LST als Wunderlösung vorgaukelt um von ihrem Scheitern abzulenken. Das LST hat nichts gebracht und wird meines Erachtens nach auch weiter nicht viel bringen zumindest nicht die Vermeidung der Infektionswellen was ja doch am Anfang der Sinn und Zweck war. Die riesige Summe von 60 Mio hätte man viel sinnvoller einsetzen können.