Die Süddeutsche Zeitung widmete dem neuen Mastodon-Album „Hushed And Grim“ vor wenigen Tagen einen erstaunlich großen Artikel. Die vor 21 Jahren gegründete Band hat sich demnach in die Mainstream-Medien vorgearbeitet. In dem Artikel wurde gefragt, was das nun sei, das die vier Herren aus Atlanta da machen: „Progressive, Metal, gar Jazz?“ Auch das US-Magazin Rolling Stone weiß das Album nicht so recht in eine Schublade zu stecken. „Metal? Rock? Prog?“, hieß es dort. Progressive Metal trifft es wohl am besten.
In der Süddeutschen Zeitung war zudem von einem „Statement von epochaler Schönheit“ die Rede. Dem möchte man unumwunden zustimmen. Das Zitat umschreibt den Song „Skeleton Of Splendor“, eine wunderschöne, psychedelisch angehauchte Ballade von Brann Dailor, Brent Hinds, Bill Kelliher und Troy Sanders, sehr treffend. Die vier haben wirklich ein sehr gutes Händchen dafür, in ihren Songs Härte, Eingängigkeit, Verspieltheit und Experimentierfreude zu kombinieren. Sie stehen mit je einem Bein im Metal, aus dem sie ursprünglich kommen (ihr 2002er-Debüt „Remission“ war ein wild-wütendes Thrash/Sludge/Prog Metal-Monster), und mit dem anderen im Prog-Rock. In all den Jahren ist ihr Anspruch an ihr eigenes Schaffen ein hoher geblieben. Es ist zugleich schwer vorstellbar, dass sie sich die neuen Lieder „The Crux“, „Sickle And Peace“, „Teardrinker“ und „Gigantium“ spontan aus dem Ärmel geschüttelt haben.

Mastodons Wurzeln sind auf „Hushed And Grim“ übrigens nur noch ansatzweise zu erahnen: beispielsweise in „Pushing The Tides“ oder „Savage Lands“. Ob das den Fans der ersten Stunde noch genug Radau ist oder ob sie wie die vier Musiker mit der Zeit ihren Geschmack erweitert respektive verändert haben, das wird sich noch zeigen. Für die Band war es ein wichtiger Prozess, dieses Album, ihr mit einer Spielzeit von fast 87 Minuten bis dato längstes, zu machen. Denn sie haben es ihrem langjährigen Wegbegleiter, Freund und Manager Nick John gewidmet, der 2018 infolge einer Krebserkrankung verstarb. (Kai Florian Becker)
Anspieltipps: „Skeleton Of Splendor“, „Teardrinker“, „Pushing The Tides“
Punkte: 7 von 10 Punkten
De Maart
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