Samstag29. November 2025

Demaart De Maart

Russland streitet um Wodka-Konsum

Russland streitet um Wodka-Konsum

Jetzt weiterlesen!

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben:

Oder schließen Sie ein Abo ab:

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Von unserem Korrespondenten Axel Eichholz

Die Russen trinken weniger Alkohol, sagt die russische Regierung. Und erhält dafür Widerspruch, da die Menge an illegalen hochprozentigen Getränken nicht in die Zahlen einfließt. Nun will der Staat durch eine neue Norm die Wodka-Produktion wieder in den Griff bekommen.

Jedermann weiß: Deutsche sind pünktlich, Franzosen leichtsinnig und Russen, die sind versoffen. Klischees stimmen selten, sagt der Chefredakteur der Internetagentur Alkohol.ru, Michail Smirnow. Jedenfalls sei das von der nationalen Trunksucht seiner Landsleute ein Mythos. Er ist überzeugt: „Die Russen trinken weniger als die Briten und die Deutschen.“

Das Problem bestehe vielmehr darin, dass sie nicht wie andere Völker mit dem Alkohol umgehen können. Man sollte 25 bis 50 Gramm Wodka auf einmal kippen und eine längere Pause bis zum nächsten Gläschen einlegen, damit der Körper den Alkohol verarbeiten kann. In Russland werde dagegen ein Wasserglas voll Wodka in einem Zug leer getrunken, dann ein zweites und ein drittes, und man lande mit der Nase in der Salatschüssel.

Unglaubhafte Zahlen des Gesundheitsministeriums

Eigentlich bat die Komsomolskaja Prawda Smirnow um eine Stellungnahme. Die Gesundheitsministerin Veronika Skworzowa hatte erklärt, dass der Alkoholkonsum in Russland in den zurückliegenden sieben Jahren um 80 Prozent zurückgegangen sei. Das könne einfach nicht wahr sein, antwortete der Chefredakteur der Fachagentur. Es handle sich dabei um ein Rechenkunststück. Die Zahlen stimmten nicht.

Er habe sich einmal mit dem Leiter der Statistikabteilung des Gesundheitsministeriums unterhalten, und dieser habe versucht, ihn zu überzeugen, dass es gar keinen schwarzen Alkoholmarkt in Russland gebe. Schließlich stellte es sich heraus, dass der Mann einfach keine zuverlässigen Zahlen besaß.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol hat sich sowohl in Russland als auch in anderen Ländern nach Expertenmeinung vor 100 bis 120 Jahren auf einem bestimmten Stand eingepegelt und sich seitdem nicht nennenswert geändert. Die Zahl der Fest- und Feiertage sowie die der lebenswichtigen Ereignisse bleibe ja gleich. In Russland seien es acht bis zehn Liter reinen Alkohols pro Kopf der Bevölkerung jährlich. Schwankungen hingen nur mit der Wirtschaftssituation zusammen. Bei Krisen steige der Verbrauch, bei Wirtschaftswachstum sinke er.

Schattenmarkt verdrängt legale Produzenten

Unterdessen geben offizielle Statistiken weitere Rätsel auf. Der Verkauf von Wodka sei in Russland 2017 um 16 Prozent zurückgegangen, meldet die Nachrichtenagentur Interfax. Der Konsum von Spirituosen unter 25 Prozent soll noch stärker gesunken sein, nämlich um 43 Prozent. Laut Smirnow weist das lediglich darauf hin, dass die Produktion und der Konsum illegalen Alkohols entsprechend gestiegen seien. Alkohol.ru schätzt die gesamte Alkoholjahresproduktion in Russland auf eine Milliarde Liter. Die Hälfte davon entfalle auf den Schattenmarkt. Restriktive Maßnahmen des Staates trieben den Konsumenten illegalen Produzenten in die Hände, heißt es.

Nun versucht der russische Staat, die entgleitende Kontrolle der Alkoholproduktion wieder in die Hand zu bekommen. Derzeit wird an einer neuen GOST-Norm für den Wodka gearbeitet. GOST ist das russische Gegenstück der deutschen DIN-Normen. Der gute „Rossijskaja Wodka“ soll immer 40 Prozent Spiritus enthalten, wie es der große Chemiker Dmitri Mendelejew begründet hat. Nur reines Brunnenwasser darf dafür verwendet werden. Getreide, das dafür vergoren wird, soll ohne Pflanzenschutzmittel gezüchtet sein.

Der klare Schnaps, bei dem auf dem Etikett nur „Wodka“ steht, darf hingegen 37,5 bis 56 Prozent Alkohol haben. Verdünnt wird er damit, was gerade aus der Wasserleitung fließt. Was den Getreiderohstoff angeht, so macht die neue Norm für den Volksschnaps keine Vorschriften. Da können sich gelegentlich wohl auch Sägespäne einschleichen. Mit der neuen GOST-Norm wird 2019 gerechnet.

Realist
2. Februar 2018 - 8.25

Ech wor virun enger Rei Joeren mol a Russland ënnerwee. An all Duerf, egal wéi kleng, gouf et e Wodkabuttik wou eng Photo hung mam jeweilege Propriétaire Aarm an Aarm mam Boris Jelzin. Och an all Duerf gouf et dann awer och e Foyer fir Alkoholkranker. Mäin Androck deemols: Spéitestens ab 2 Auer nomëttes ass den duerchschnëttleche Russ - vum Stroossekierer bis zum Regierungsbeamten - voll wi de Männchen am Liicht an dat ganzt Rieseland gëtt dann vu kapablen a resoluten Dammen ëm di 40 oder 50 geleet, déi trotz der Tatsaach, datt Russland ouni si net funktionéiere géif, an der russescher Machogesellschaft net héich ugesi ginn.