Samstag29. November 2025

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Burkini-Debatte löst Unverständnis aus

Burkini-Debatte löst Unverständnis aus
(Reuters/Stringer)

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Kopfschüttelnd wird im englischsprachigen Teil der Welt derzeit das Burkini-Verbot an französischen Stränden wie Nizza und Cannes verfolgt.

In Ländern wie Großbritannien und Australien nennen Zeitungskommentatoren den französischen Streit um den Ganzkörperbadeanzug für muslimische Frauen „absurd“. „Ist ein Ganzkörperanzug wirklich anstößiger, als wenn man die Poritze einer Person mittleren Alters sieht?“, wird gefragt.

Andere Kritiker stellen Frankreichs Integrationsmodell in Frage. In britischen Städten und Vierteln mit hoher muslimischer Bevölkerung sind vollverschleierte Frauen nicht ungewöhnlich. Doch offenbar lösen sie keine so starken Reaktionen wie in Frankreich aus, das Religion und Staat besonders rigide trennt. Verteidiger dieser Politik sagen, ein Miteinander ohne religiöse Konnotationen vermeide konfessionelle Konflikte und befördere die Gleichheit.

Entsprechend löste der Burkini – so wie zuvor schon die Burka – eine heftige Debatte in Frankreich aus. Einige sehen ihn als Zeichen des radikalen Islam und der Unterdrückung der Frau. „Er ist die Übersetzung eines politischen Projekts, einer Gegen-Gesellschaft, die unter anderem auf der Unterjochung der Frau fußt“, sagte Frankreichs Ministerpräsident Manuel Valls.

Eine „französische Absurdität“

Derartigen Argumenten wird in Großbritannien heftig widersprochen. Die bekannteste Burkini-Trägerin des Landes ist keine Muslimin, sondern TV-Chefin Nigella Lawson, die 2011 Schlagzeilen machte, als sie sich an Australiens berühmtem Bondi Beach in einem schwarzen Burkini in die Wellen stürzte – um sich keinen Sonnenbrand zu holen.

In einer Umfrage des Rundfunksenders BBC erklärten Frauen, der Burkini helfe eher bei der Integration. „Der Burkini gibt mir die Freiheit, schwimmen und an den Strand zu gehen, und ich habe nicht das Gefühl, dass ich dabei meiner Religion schade“, sagt Aysha Ziauddin. „Es ist unerhört, dass man entweder seine Haut enthüllen oder gehen muss“, ärgert sich Maryam Ouiles.

Burkini als Zeichen der Integration

Der Kommentator der Zeitung „The Times“, David Aaronovitch, erklärte, nur „schräge Geister“ könnten ein Burkini-Verbot verhängen. Diese „französische Absurdität“ löse keine Probleme, sie schaffe vielmehr neue. Remona Aly, Kommunikationschefin der Exploring Islam Foundation, erstellte eine Liste der „fünf Gründe, einen Burkini zu tragen – und nicht nur, um die Franzosen zu ärgern“. „Nichts ist für mich abgedrehter als die Dämonisierung eines – lassen sie es mich sagen – Badeanzugs“, schrieb sie in der Zeitung „The Guardian“.

In den USA wird das Burkini-Verbot als unlogisch gesehen, weil es Regeln für Frauen vorschreibt, die eigentlich von Regeln befreit werden sollen. Das Verbot sei mehr als Religion oder Kleidung, erklärte Amanda Taub in der „New York Times“. Es gehe darum, „die nichtmuslimische französische Mehrheit davor zu schützen, sich mit der verändernden Welt auseinanderzusetzen“.

In Australien, wo das Strandleben Teil des nationalen Selbstverständnisses ist, wird der Burkini als Zeichen der Integration betrachtet. Hier wurde der Burkini – eine Wortschöpfung aus Burka und Bikini – schließlich auch vor mehr als zehn Jahren erfunden. Und zwar von der heute 48-jährigen Aheda Zanetti, einer Australierin mit libanesischen Wurzeln. Sie selbst habe als Heranwachsende im Land von Sonne, Strand und Surfen viele Aktivitäten nicht mitmachen können, weil sie sich an die Regeln des Anstands halten musste, erzählt sie. Als sie ihren ersten Burkini gezeichnet habe, sei es ihr vor allem darum gegangen, wie muslimische Mädchen Sport treiben und gleichzeitig ihren Glauben respektieren können.