Samstag29. November 2025

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Charakterköpfe mit Hörnern„De Fernand ass mam Policeauto komm“: Die Ziegen sind die Veteranen im Escher Déierepark

Charakterköpfe mit Hörnern / „De Fernand ass mam Policeauto komm“: Die Ziegen sind die Veteranen im Escher Déierepark
„Na, hast du was zum Essen?“ Beim Futter ist Vorsicht geboten: Ziegen gelten zwar als Allesfresser, doch nicht alles tut ihnen gut. Foto: Editpress/Carole Theisen

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Sie meckern, sie klettern, sie rempeln – und sind dabei oft schlauer, als man denkt: Ziegen gehören zu den ältesten Haustieren der Menschheit und spielen auch im „Escher Déierepark“ eine besondere Rolle. Hier leben aktuell 14 Tiere mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten.

„Die Ziegen waren eigentlich schon immer hier“, sagt Parkleiterin Anne Meyers. Früher war der Park sogar inoffiziell als „Ziegenpark“ bekannt. „Als ich klein war, erinnere ich mich noch gut: Wenn man den Hügel hinaufkam, hat man als Erstes die Ziegen gerochen“, erzählt Meyers.

Damit gehören die Tiere zu den Urgesteinen des Parks – und mittlerweile sind sie auch Teil des pädagogischen Programms. Tierpflegerin Lena Righetto arbeitet regelmäßig mit ihnen. „Wir machen Klickertraining mit ihnen – wie mit unseren anderen Tieren auch“, erklärt sie. Ziel ist es nicht nur, die Ziegen zu beschäftigen, sondern sie auch an Berührungen zu gewöhnen. Das erleichtert die medizinische Pflege enorm. „Das Kontrollieren der Hufe oder der Gehegewechsel ist viel einfacher, wenn sie trainiert sind.“

Clever, neugierig, eigenwillig

Auf keinen Fall sollte man eine Ziege alleine halten
Auf keinen Fall sollte man eine Ziege alleine halten Foto: Editpress/Carole Theisen

Ziegen gelten als sehr lernfähig – und als Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten. Viele von ihnen erkennen sogar ihren Namen. „Darum haben wir ihre Namen auch nicht am Gehege ausgeschrieben, sonst würden die Kinder sie ständig rufen“, erklärt Meyers. Einige Ziegen gehen sogar an der Leine spazieren – eine willkommene Abwechslung im Alltag und eine gute Gelegenheit, neue Weideflächen zu erkunden.

Die Herde im Tierpark ist bunt gemischt. „Wir haben drei Hauptrassen“, sagt Meyers: kleinere Hausziegen mit rundem Bauch, hochbeinige Milchziegen – und die auffälligen Kupferhalsziegen aus dem Wallis, erkennbar an ihrem langen Fell. Sie sind Herdentiere, ursprünglich aus Kleinasien und Vorderasien stammend, und fühlen sich in hügeligem Gelände oder offenen Weiden am wohlsten. Ihr typischer Lebensraum: Gebirge, Weiden, Lichtungen – aber auch die gepflegten Hänge im „Déierepark“ tun es.

Ziegen erreichen eine Schulterhöhe von etwa 60 bis 65 Zentimetern, je nach Rasse und Typ, und ihr Gewicht variiert stark – von 30 bis zu 140 Kilogramm. In menschlicher Obhut können sie über 15 Jahre alt werden. Auch wenn sie oft weiß oder braun sind, gibt es sie in allen möglichen Farbkombinationen. Und jede von ihnen bringt ihre Eigenheiten mit – und manche auch eine eigene Geschichte.

Ziegenbock Fernand wurde einst herrenlos in Petingen gefunden. Die Polizei brachte ihn kurzerhand persönlich in den Park. Seitdem ist er fester Teil der Herde – und ein kleiner lokaler Star.

Die Beziehungen unter den Ziegen – und auch zu ihren Pflegerinnen – sind vielschichtig. Manche sind zutraulich, andere eher vorsichtig. Misch zum Beispiel wurde mit der Flasche aufgezogen und ist heute besonders menschenbezogen. „Er ist wie ein Hund – der springt auch ins Auto, wenn es nötig ist“, erzählt Meyers.

Früher war der Park inoffiziell als „Ziegenpark“ bekannt
Früher war der Park inoffiziell als „Ziegenpark“ bekannt Foto: Editpress/Carole Theisen

Doch auch Ziegen werden älter, und mit dem Alter kommen oft die gleichen Beschwerden wie bei Menschen. Manche leiden unter Arthrose oder bekommen Probleme mit den Gelenken. „Bei uns bleiben die Tiere, bis sie sterben“, betont Meyers. „Man sieht deshalb manchmal eine Ziege, die auf den Knien sitzt – nicht, weil es ihr schlecht geht, sondern einfach, weil sie alt ist.“ Das heißt aber nicht, dass sie sich selbst überlassen werden. „Natürlich behandeln wir sie, wenn sie Schmerzen haben oder Hilfe brauchen.“

Ziegen im eigenen Garten?

Wer selbst Ziegen halten möchte, sollte das gut überlegen. „Man soll keine Ziege allein halten – sie sind Herdentiere“, sagt Righetto. Eine einzelne Ziege wird unglücklich – und sucht sich notfalls selbst Gesellschaft. So wie Simba, der zusammen mit einem Hund aufwuchs. „Aber das ist nicht ihr natürliches Verhalten. Sie sind am liebsten unter ihresgleichen.“

Kleinere Hausziegen, hochbeinige Milchziegen und die Kupferhalsziegen aus dem Wallis – eine bunte Mischung eben
Kleinere Hausziegen, hochbeinige Milchziegen und die Kupferhalsziegen aus dem Wallis – eine bunte Mischung eben Foto: Editpress/Carole Theisen

Auch beim Futter ist Vorsicht geboten. Ziegen gelten zwar als Allesfresser, doch nicht alles, was sie fressen, tut ihnen gut. „Sie fressen sogar Plastik, wenn es herumliegt und gut riecht“, warnt Meyers. Futtertüten, Brot, Kohl – vieles davon ist auf Dauer ungesund. „Es gibt Leute, die denken, Kohl sei gut, aber zu viel davon wirkt bei ihnen wie bei uns: Bauchweh.“ Generell ist ihre Ernährung rein pflanzlich: Gras, Laub, Zweige.

Auch gepflegte Gärten sind kaum mit Ziegen vereinbar. „Sie zeigen dir, wo die Löcher im Zaun sind – und hauen gerne mal ab. Und auch die Hecken und andere Pflanzen im Garten fallen den hungrigen Ziegen zum Opfer“, sagt Righetto.

Ziegen sind keine Tiere, die man einfach so nebenbei hält. Sie brauchen Platz, Gesellschaft, Pflege – und vor allem: Respekt für ihren Charakter. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer der klügsten, neugierigsten und unterhaltsamsten Tierarten belohnt.

Wussten Sie schon?

Auch weibliche Ziegen können Hörner haben. Anders als bei vielen anderen Tierarten sind Hörner bei Ziegen kein eindeutiges Zeichen für das Geschlecht. Ob mit oder ohne – das hängt vielmehr von der Rasse und den genetischen Anlagen ab.

 Foto: Editpress/Carole Theisen