Samstag29. November 2025

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ThronwechselEin Rückblick auf mehr als 60 „Missions économiques“ mit Erbgroßherzog Guillaume

Thronwechsel / Ein Rückblick auf mehr als 60 „Missions économiques“ mit Erbgroßherzog Guillaume
2020 mit Wirtschaftsminister Étienne Schneider in Dubai Foto: SIP/Jean-Christophe Verhaegen

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Seit Jahren begleitet Luxemburgs Thronfolger Wirtschaftsmissionen ins Ausland. Seine Präsenz öffnet Türen, die luxemburgischen Ministern und Unternehmen sonst verschlossen bleiben würden. Zehnmal hat er dabei bereits die Erde umflogen.

Bereits seit vielen Jahren setzt sich Erbgroßherzog Guillaume für die Luxemburger Wirtschaft ein. Er hält Reden bei Konferenzen, Diplomüberreichungen und Firmengeburtstagen. Er verleiht Preise, leitet Veranstaltungen ein und besichtigt Unternehmen. Seit mehr als 20 Jahren ist er Ehrenvorsitzender des „Trade and Investment Board“, einer beratenden Organisation, die zur Aufgabe hat, die Strategie auszuarbeiten, um heimischen Unternehmen den Zugang zu internationalen Märkten zu erleichtern und gezielt ausländische Direktinvestitionen anzuziehen.

In jüngerer Zeit begleitete der Erbgroßherzog Wirtschaftsmissionen nach Südkorea und Kanada (beide 2022), nahm am Web Summit in Lissabon (2023), an der Nexus-Konferenz in Luxemburg und an der VivaTech in Paris (2025) teil und besuchte die Weltausstellung in Osaka.

Besonders beeindruckend zeigt sich das Gewicht des angehenden Großherzogs bei den mehr als 60 Wirtschaftsmissionen, die er mitgeführt hat. Für die Unternehmen, die Teil der Wirtschaftsmissionen sind, ist Guillaumes Präsenz von unschätzbarem Wert. Seine Teilnahme sorgt dafür, dass sich Türen öffnen und Firmen zu Treffen erscheinen, die ohne die royalen Verbindungen nicht zustande kämen.

„Die Anwesenheit des Großherzogs und des Erbprinzen stärkt das Ansehen und die Sichtbarkeit unserer Wirtschaftsmissionen erheblich“, erklärt die Handelskammer auf Anfrage des Tageblatt. Ihre Anwesenheit im Ausland zeuge von einem bewussten und substanziellen Engagement Luxemburgs für die Stärkung der Beziehungen zum besuchten Land. „Die Anwesenheit von Mitgliedern der großherzoglichen Familie im Ausland ist eine starke Geste, und in vielen Kulturen spielen Protokoll und Prestige eine wesentliche Rolle in den wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen.“

„Diese hochrangigen Besuche öffnen oft Türen und eröffnen Möglichkeiten, die einer klassischen Wirtschaftsdelegation verschlossen blieben“, hebt die Kammer weiter hervor. „In Asien beispielsweise wird ihre Anwesenheit nicht nur geschätzt, sondern ist oft entscheidend, um Termine mit führenden Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zu erhalten. Ihre Teilnahme verleiht Glaubwürdigkeit und kann den Zugang zu Präsidenten, Premierministern oder CEOs großer Unternehmen erleichtern.“

Ein Monarch unter Monarchen

Besonders in Ländern, die von einer Monarchie geführt werden, ist der Effekt eines Großherzogs in der Delegation deutlich zu spüren. In Japan wird Guillaume vom Kaiser empfangen, in den Vereinigten Arabischen Emiraten von den wichtigsten Scheichs. Den Gastgebern ist bewusst, dass bei der nächsten Visite in zehn Jahren wohl ein anderer Premierminister dabei sein wird, wohl aber der gleiche Vertreter der großherzoglichen Familie.

Die Szenen während einer Wirtschaftsmission 2019 in Marokko verdeutlichen diese besondere Stellung: Auf der rund 100 Kilometer langen Fahrt vom Hotel in Casablanca bis in die Hauptstadt Rabat stand an jeder Kreuzung und auf jeder Brücke ein Polizist oder Soldat, der vor der von Guillaume angeführten Autokolonne salutierte. Für einen „einfachen, gewählten“ Minister hätte man diese Anstrengung wohl nicht gemacht.

Während die Wirkung des Erbgroßherzogs bei Wirtschaftsmissionen politische und philosophische Fragen aufwirft, so steht für die teilnehmenden Unternehmen der praktische Nutzen außer Frage. Die Handelskammer betont, dass die großherzogliche Familie als Repräsentant des Großherzogtums Stabilität und nationale Identität verkörpert. „Die Monarchie flößt Respekt ein, zieht Aufmerksamkeit auf sich und trägt dazu bei, ein positives Bild von Luxemburg zu vermitteln.“

Für positive Reaktionen sorgt die Präsenz eines angehenden Großherzogs nicht nur in Monarchien. Auch bei Missionen in Ländern mit anderen Staatsformen ist er gerne gesehen. Die Einheimischen lassen sich gerne mit ihm fotografieren – etwas, das bei „gewöhnlichen“ luxemburgischen Ministern eher selten vorkommt.

Brückenbauer zwischen Kulturen

Bei seinen Besuchen betont Guillaume stets die guten Beziehungen zwischen Luxemburg und den Gastländern. In Marokko lobte er König Mohammed VI. für seine Bemühungen, das Land zu modernisieren, und zeigte sich überzeugt, dass die Wirtschaftsbeziehungen für den langfristigen Wohlstand beider Länder von Bedeutung sind.

2020 in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die er seit zehn Jahren regelmäßig besucht, zeigte er sich beeindruckt von der rasanten Entwicklung. Nach wie vor schießen in den Emiraten immer mehr neue glitzernde Hochhäuser aus dem Boden. „Die VAE sind ein ganz besonderer Partner“, unterstrich er und lobte die Anstrengungen des Landes, Tradition, neue Ideen und wirtschaftliche Entwicklung unter einen Hut zu bringen.

Die Unternehmer schätzen die Anwesenheit des Kronprinzen bei diesen Missionen besonders, da sie „als echter Katalysator für ihre Initiativen angesehen werden“, so die Handelskammer. Neben dem privilegierten Zugang zu Entscheidungsträgern, potenziellen Partnern und Investoren, verschaffte seine Teilnahme ihnen einen starken Vertrauensbeweis, eine erhöhte Sichtbarkeit und eine Wertschätzung für ihre Projekte. Das gelte auch für Vereinbarungen und Absichtserklärungen, die in Anwesenheit des Kronprinzen unterzeichnet werden.

Wie es nun in Zukunft mit der großherzoglichen Beteiligung bei Wirtschaftsmissionen aussehen wird, ist noch ungewiss. Eigentlich würde er gerne damit weitermachen, hat er im Sommer im Rahmen eines Besuchs bei der Weltausstellung in Osaka gesagt. Die Missionen würden ihm „sehr am Herzen liegen“. Doch sobald er am 3. Oktober offiziell zum Großherzog ernannt wird, würde die Tradition vorsehen, dass der nächste Erbgroßherzog, nämlich Prinz Charles, diese Rolle als Botschafter der Wirtschaft übernimmt. Schwierig jedoch im zarten Alter von fünf Jahren.

Hottua Robert
3. Oktober 2025 - 11.36

Brückenbauer zwischen zivilisatorischen Werten? MfG, Robert Hottua