Wenn Luxemburg seinen neuen Großherzog Guillaume auf den Thron hievt, geschieht das nicht einfach mit ein paar Reden. Es geschieht mit Stil. Mit Deko. Mit passendem Soundtrack. Kurz: mit allem, was ein Land braucht, das auf höfische Symbolik setzt und dabei jedes „Learning“ der großen Nation-Branding-Kampagne der letzten zehn Jahre umsetzt.
Beginnen wir mit dem Herzstück: der kollektiven Gefühlsbewältigung. Wer sein inneres Untertanentum ausdrücken will, kann das bequem auf monarchie.lu erledigen – im Online-Gratulationsbuch. Ältere erinnern sich sicher an die Gästebuchfunktion auf den ersten Homepages Anfang der 2000er. Wahre Nostalgiker dürfen sich vom 4. bis 10. Oktober, zwischen 9 und 17 Uhr, ins echte Buch der Glückwünsche eintragen. Zugang? Natürlich stilecht über die Hintertür des Palastes.
Blumen sind passé. Ganz wie ein Teenager, den man fragt, was er denn gerne zum Geburtstag hätte, lautet die Ansage aus dem Palast: lieber Geld. Die neu gegründete Fondation du Grand-Duc Guillaume et de la Grande-Duchesse Stéphanie freut sich über großzügige Gesten, versehen mit dem magischen Verwendungszweck „Trounwiessel“. Ob die Spende steuerlich absetzbar ist, hat das Tageblatt nachgefragt. Wir sagen Ihnen schnellstmöglich Bescheid, versprochen.
Goldglänzende Briefmarken
Die Post wäre nicht die Post, würde sie diesen Anlass nicht in Gold und Gummirand fassen: Ein Sonderblock der Designerin Jill Els erzählt den „symbolischen Werdegang“ des künftigen Großherzogs – Familie, Natur, Wirtschaftsmissionen, Pfadfinder. Ein zweites Motiv von Lea Schroeder bringt mit der Gëlle Fra, dem Palast und den rotweißblauen Farbbändern die „dynastische Kontinuität“ auf Briefmarkenformat.
Das Set für Sammler heißt „Set philatélique – Avènement au trône“, liegt in einer schicken Mappe und ist ab dem 3. Oktober erhältlich – online, im „Guichet philatélique“ und natürlich in den Postshops am Hauptbahnhof und im Stadtzentrum.
Aber was wäre ein Thronwechsel ohne neue Münzen? Ab Anfang 2026 sollen neue Euro-Münzen mit dem Porträt des neuen Großherzogs in Umlauf kommen. Und da sagt die Tradition: Der Blick des neuen Souveräns muss in die entgegengesetzte Richtung seines Vorgängers schauen. Henri blickte nach rechts – Guillaume schaut nun links. Vielleicht nicht politisch gemeint. Aber wer weiß das in diesen Zeiten schon?
Noch alle königlichen Tassen im Schrank?

Damit der Thronwechsel auch im Küchenschrank bleibt, hat Luxemburg eine offizielle „Trounwiessel“-Kollektion aufgelegt: Tassen, ein Puzzle mit der gesamten Großherzogsfamilie, ein Malbuch, das Kinder behutsam ans höfische Leben heranführt, sowie Postkarten, die Luxemburgs neue First Family ins rechte Licht rücken. Gefertigt werden viele dieser Produkte von der „Fondation Kräizbierg“, was nicht nur gut fürs Image ist, sondern auch sozialen Mehrwert verspricht. Zu kaufen gibt’s das Ganze im Luxembourg House und auf letzshop.lu.
Und weil Luxemburgs größter Nationalschatz inzwischen der kostenlose Nahverkehr ist, hat man kurzerhand die Tramstation „Théâtre“ umbenannt. Bis zum 6. Oktober heißt sie „Trounwiessel“, dekoriert mit Krönungsmotiven. Die Durchsage spricht der Großherzog in spe selbst, auf Lëtzebuergesch und Französisch, begleitet vom Wilhelmus. Wer da noch unbeeindruckt aussteigt, hat vielleicht einfach den falschen Podcast auf den Ohren.
Wer möchte, kann das alles für lächerlich halten. Oder aber für kluges Symbolmanagement. In jedem Fall gilt aber: Dieses Event wird sehr luxemburgisch.
De Maart

Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können