„Der Tourismus ist ein fester Bestandteil der Wirtschaft“, so Minister Eric Thill am Donnerstag vor Journalisten. Der Sektor stehe hierzulande für 0,8 Prozent des BIP und für 40.000 Arbeitsplätze. „Doch er ist noch mehr als das. Er spielt eine wichtige Rolle für die Gesellschaft und ist ein wichtiger Teil der persönlichen Entwicklung“, unterstreicht er weiter. Europaweit würden die Haushalte im Schnitt 12 Prozent ihres Budgets für Reisen ausgeben.
In Luxemburg geht es dem Tourismussektor „sehr gut“, so Thill weiter und zitiert Daten von Statec: „Die Zahlen von vor der Pandemie sind bereits 2022 überschritten worden. (…) 2024 war, mit 3,7 Millionen Übernachtungen (ein Plus von 5,7 Prozent) ein Rekordjahr. (…) Und in den Monaten Januar bis Juli 2025 ist noch einmal ein Plus von einem Prozent bei den Übernachtungen gemessen worden.“
Vor allem bei den Hotels könne man für das laufende Jahr bisher eine positive Bilanz ziehen – ein weiteres kleines Plus auf 1,16 Millionen Übernachtungen. Die verfügbare Kapazität an Zimmern war zu 74 Prozent ausgelastet. „Eine Verbesserung zum Vorjahr und ein exzellentes Resultat.“ Landesweit zähle man 211 Hotels mit fast 7.800 Zimmern. „Elf Prozent mehr als 2019.“
Auch die Situation der Campingplätze bleibt gut, unterstreicht Thill. Rund 800.000 Übernachtungen wurden zwischen Januar und Juli 2025 gezählt. Das sei zwar leicht weniger als im Vorjahr, aber stolze 26 Prozent mehr als 2019. Bei den aktuell neun Jugendherbergen des Landes sei derweil ein kleiner Rückgang gemessen worden – das liege aber daran, dass an dreien Renovierungsarbeiten stattfinden.
Der kostenlose öffentliche Transport
Insgesamt seien die Gäste mehr als zufrieden und würden auch gerne wiederkommen, zitiert er aus Umfragen. Luxemburg schneide meist sehr viel besser ab als der EU-Durchschnitt. Nur beim Preis-Leistungs-Verhältnis nicht. Der kostenlose öffentliche Transport sei derweil dabei, zu einem richtigen Faktor für den Standort zu werden.
Die meisten Besucher kamen aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland. „Doch auch die Luxemburger reisen deutlich mehr im Land als vor Corona“, sagt er. Die Mehrheit der Gäste (51 Prozent) reist mit dem Auto an, 19 Prozent mit dem Zug und 15 Prozent mit dem Flugzeug.
Die am meisten besuchten Attraktionen zwischen Januar und August 2025 waren der „Parc merveilleux“ in Bettemburg (232.598 Besucher), das Schloss Vianden (200.226), der Müllerthal-Trail (198.450) sowie die Kasematten (185.797).
Regionale Herausforderungen bleiben
Trotz der allgemein guten Verfassung hat die Branche auch Herausforderungen zu meistern, so der Minister. Dazu zählen neben einem Mangel an qualifiziertem Personal hohe und steigende Betriebskosten.
Auch regionale Diskrepanzen nennt er eine Herausforderung. Die Stadt Luxemburg spielt eine zentrale Rolle für den Sektor, so der Minister. Sie ist eine der Hauptattraktionen, zieht sowohl Touristen als auch Geschäftsreisende und Gäste der europäischen Institutionen an. Hier gebe es auch am meisten Übernachtungskapazität und den Flughafen. Allein in diesem Jahr seien bereits 325 neue Zimmer hinzugekommen.
Die Hauptstadt stand damit letztes Jahr für 34 Prozent aller Übernachtungen. Die Region, die derzeit am schlechtesten abschneidet, ist die Mosel, wo in den letzten Jahren viele Hotels geschlossen haben. Die eigentlich attraktive Gegend stand 2024 nur für vier Prozent der Übernachtungen.

Das ganze Land sei eigentlich gut aufgestellt, was Kulturerbe und Sehenswürdigkeiten angeht, unterstreicht der Minister. Man habe sich aber zum Ziel gesetzt, dies auszubauen und mehr auf Dezentralisierung zu setzen. Dazu zählt beispielsweise der Bau von zwei neuen Jugendherbergen (Ettelbrück und Vianden) wie auch das neue Hotel in Weiswampach. In der Überlegung ist auch das Errichten von Ferienhäusern in Martelange.
Luxemburg wird aber Zentrum bleiben, unterstreicht Thill. Das schon allein dadurch, dass die Distanzen im Land relativ klein sind und mit dem kostenlosen öffentlichen Transport alles relativ leicht zu erreichen ist.
In Geld ausgedrückt gehört der Tourismus-Bereich zu den kleineren Kostenpunkten beim Luxemburger Staat: Zur Finanzierung des laufenden Geschäfts, etwa der regionalen Touristenbüros, der Verwaltung und der Unterstützung von Museen, mit denen das Ministerium Konventionen unterzeichnet hat, sieht der Staatshaushalt ein jährliches Budget von rund 18 Millionen Euro vor. Hinzu kommt ein Fünfjahresplan (2023 bis 2027) mit einem Gesamtvolumen von 70 Millionen Euro, der es der Verwaltung ermöglicht, spezifische touristische Projekte zu unterstützen, z.B. das Renovieren der MS Marie Astrid oder das Anlegen von Spielplätzen.
Diese Investitionen zielen dabei nicht nur auf Touristen, hebt er hervor. „Sie haben einen direkten Einfluss auf die Lebensqualität der Menschen und auf die Attraktivität des Wirtschaftstandorts. Durch sie soll sowohl die Natur geschützt als auch die kulturelle Identität erhalten werden. „Die Investitionen sollen Gäste und Einwohner begeistern.“

De Maart

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