Es hätte wirklich nicht besser laufen können, zumindest für die Dramaturgie: Während Premierminister Luc Frieden am Donnerstag stolz verkündet, Luxemburg solle Leader in der Hochtechnologie werden – Stichworte: autonome Fahrzeuge, Weltraumtechnik, Künstliche Intelligenz –, liegt das Land noch im digitalen Koma. Keine 24 Stunden zuvor hat ein banaler Softwarefehler beim größten staatlichen Telekom-Anbieter gereicht, um die Kommunikationsinfrastruktur eines ganzen Landes auszuknipsen: Internet weg, Notruf tot, Regierung stumm.
Man stelle sich kurz vor, Luxemburgs Straßen wären zu diesem Zeitpunkt tatsächlich von selbstfahrenden Autos bevölkert gewesen. Mit Lidar, Radar, Cloud-KI – all dem technoiden Brimborium, das angeblich sicherer fährt als jeder Mensch. Nur leider funkt da nix mehr. Notruf? Fehlanzeige. Unfälle sind vorprogrammiert – autonom in den Abgrund.
Der Softwarefehler bei der Post ist ein struktureller Offenbarungseid. Luxemburg ist stumm, taub und blind, sobald irgendetwas Unvorhergesehenes passiert. Und es braucht nicht einmal einen Hackerangriff oder eine Naturkatastrophe. Ein Softwarefehler reicht. Die viel gepriesenen „Redundanzen“ in der Infrastruktur? Ein PR-Gespenst. Die Krisenpläne? Eine Loseblattsammlung schlecht formulierter Notfalllyrik. Und die Kommunikation? Hilflose Floskeln, die zu spät, zu unklar oder gar nicht ankommen.
Die Regierung kommuniziert hauptsächlich mit sich selbst. Dass die zuständigen Minister einen Tag nach dem Vorfall nicht sagen konnten, ob Menschen durch den Notruf-Ausfall zu Schaden gekommen sind, ist kein Randdetail. Es ist der Kern des Problems. Aber mit geretteten Menschenleben füllt man halt keine Hochglanzbroschüren für zukünftige Investoren. Da reichen markige Buzzwords.
Natürlich: Es ist wichtig, über KI und Raumfahrt zu reden. Die Zukunft rast auf uns zu und es wäre töricht, sie zu ignorieren. Aber was Luxemburg vor allem braucht, ist eine Gegenwart, die funktioniert. Eine digitale Grundversorgung, die nicht mit jedem Software-Pups kollabiert. Ein Warnsystem, das die Menschen informiert, statt sie zu verwirren. Und eine Infrastruktur, die im Zweifel auch dann noch trägt, wenn irgendwo ein Router Mucken macht. Wenn wir schon Satelliten ins All schießen, könnten wir vielleicht mal einen davon für funktionierende Notfallkommunikation reservieren. Oder für eine stabile Datenverbindung, wenn die Erde mal wieder schwitzt, brennt oder geflutet wird.
Stattdessen scheint Luxemburg fest entschlossen, sich weiter von den digitalen Dystopien kalifornischer Tech-Bros inspirieren zu lassen. Nach den Sternen greifen und dabei den Boden unter den Füßen verlieren. Ach ja, und die Krisentelefonate zwischen Premier Frieden und Wirtschaftsminister Delles? Die liefen – kein Scherz – über WhatsApp. Mehr gibt es zum Zustand der heimischen Digitalinfrastruktur eigentlich nicht zu sagen.
De Maart

Tja Puttes, warum sagen Sie das jetzt erst und nicht sofort, als es publik wurde?!
....Zukunft im Weltall. Wenn alle aktuellen Nullenkacker mit ins Weltall geschickt würden wäre es doch von Vorteil.
Bal perfekt beschriwen Tom, bal Alles gesoot! Tjo, domm gangen, et wuar awer eng Cyberattack !
Perfekt beschriwen Tom, alles ass gesoot!
Die EU Directive NIS2 ist wohl noch immer nicht umgesetzt in Luxemburg, aber CEO Frieden schwebt schon irgendwo im Weltall, Zeit dass er zurück auf den Boden kommt und sich mal um die NIS2 Umsetzung kümmert...
LSAP Ex-Minister Schneider, "der sein Leben (hoffentlich) zurück hat" hat schon damals mit dem ganzen Sputnikkram angefangen.
Gegen die geladenen Teilchen eines heftigen Sonnensturm sind wir machtlos! Oder hat der CERN Antimaterie erzeugt die alles still legt?🧐🤔😱🕳️