Wer kommt denn bitte zum Geburtstag eines Literaturverbandes? Diese Frage dürfte die Organisatoren des Literaturfestes umgetrieben haben, denn wer schonmal eine Lesung in Luxemburg auf die Beine gestellt hat, der weiß zwei Dinge: Erstens, es gibt immer leere Stühle. Und zweitens, man sollte junge Autor*innen einladen, denn die schleppen immerhin Freunde und Familie mit. „Die Literatur ist ein bisschen das Stiefkind der Kultur“, sagt auch Nora Wagener, die das Festival mitorganisierte. „Zu Lesungen kommen meist nicht viele Leute, deswegen bin ich zufriedener, als ich es selbst erwartet hätte.“ Denn die Feier des Literaturverbandes am 3. Juli in den Rotondes war gut besucht. Obwohl dort gelesen wurde und obwohl es keine Bratwürste gab.
Die Existenz der A-LL (Assoziation Luxemburger Literatur) ist ein kleines Wunder für sich. 2016 war der Luxemburger Schriftstellerverband (LSV) an den homophoben Äußerungen ihrer Sekretärin – und deren anschließend verweigertem Rücktritt – zerbrochen. Die eigenbrötlerische Schreiberzunft tat sich im Anschluss schwer, sich neu zu organisieren. „Es gab ein generelles Bedürfnis, Literatur besser zu vertreten“, so Wagener. „Der Verband vereinfacht jetzt auch die Kooperation, das Kulturministerium musste zuvor mit einzelnen Autoren arbeiten. Wir sind mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden und erhalten viel Unterstützung.“
Förderung trägt Früchte
Letztlich brachte der Kulturentwicklungsplan Bewegung in die Sache: Das Kulturministerium brauchte den Verband als Ansprechpartner, um die Förderung der Literatur voranzutreiben. Konkret: Es ging um Geld. Wohl deswegen witzelte Vizepräsident Francis Kirps am vergangenen Donnerstag auf der Bühne auch über das „große Budget“, das dem Verband zur Verfügung stehe. Fast so, als erschiene es dem Autor und Slam-Poeten geradezu unglaubwürdig, dass man Literatur hierzulande mit Steuergeldern fördert.
Dass die Förderung Früchte trägt, konnte man aber am 3. Juli in den Rotondes nun überdeutlich sehen. Zwar tummelten sich mit Nora Wagener, Tullio Forgiarini, Jeff Schinker und Nico Helminger die üblichen Verdächtigten im Line-up von Luxemburgs erstem Literaturfestival – aber eben nicht nur. Chris Lauer, Antoine Pohu und Nicolas Calmes repräsentierten den Nachwuchs, jene Literaten, deren erste Werke erst nach 2020 erschienen sind. In dem Sinne lieferte das Festival einen bemerkenswerten Querschnitt der lokalen Literaturszene, der weder seine Wurzeln verleugnete, noch seine Knospen bedeckte.
Und Formate wie Tom Nisse’ Lesung mit dem Drummer Benoit Martiny und andere Crossover-Auftritte mit Dragkünstlern, Tänzern und Bands zeigten, dass Literatur sich vielfältig kombinieren lässt. „Literatur muss stärker vom Event leben“, sagt auch Nora Wagener. „Die Bücher müssen zu den Menschen kommen. Es ist zwar eine seltsame Bewegung, dass alles inzwischen Entertainment sein muss, aber man muss den Leuten halt entgegenkommen.“
De Maart











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