Ein Moment, der in die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung in Luxemburg eingehen wird, da ist sich OGBL-Präsidentin Nora Back sicher. OGBL und LCGB haben am Freitag ihre Zusammenarbeit im Rahmen der Gewerkschaftsfront formalisiert und mit der „Union des syndicats OGBL et LCGB“ eine Asbl gegründet, innerhalb der sich die beiden national repräsentativen Gewerkschaften künftig koordinieren wollen. Eine Zusammenarbeit, die thematisch, zeitlich und vom politischen Kontext unabhängig andauern soll. „Das geht über den 28. Juni, die Regierung Frieden und das Rentendossier hinaus“, sagt Nora Back. „Wir werden all unsere Zeit und unsere Energie bündeln, um miteinander und nicht gegeneinander zu arbeiten.“

Es sind Worte, die in den vergangenen Wochen und Monaten des Öfteren gefallen sind. Die beiden Gewerkschaftspräsidenten betonen jedoch, dass dies keinesfalls selbstverständlich sei. „Wir haben 2024 erstmals nach den Sozialwahlen zusammengearbeitet und diese nach der Sitzung des CPTE im Oktober vergangenen Jahres intensiviert“, sagt Patrick Dury. Am 28. Januar 2025 wurde der „Front syndical“ ins Leben gerufen und die Nationale Demonstratation am 28. Juni angekündigt. „Und dann ist es für meinen Geschmack sehr schnell gegangen, weil die beiden Führungsgremien von OGBL und LCGB in der Folge die Gewerkschaftsunion auf den Weg gebracht haben.“
In ihren neuen Statuten hält die Gewerkschaftsvereinigung fest, dass die Verteidigung der Interessen, Rechte und Errungenschaften der Arbeitnehmer und Rentner die oberste Mission der Gewerkschaften ist. Die Vereinigung soll als „loyale und nachhaltige“ Plattform zur Zusammenarbeit und zum Austausch zwischen den zwei Organisationen dienen. Dazu geben sich OGBL und LCGB ein gemeinsames Sekretariat, um einheitliche Kommunikation nach innen und außen zu gewährleisten.

Keine Konkurrenz bei Sozialwahlen
So sollen Diskussionen über politische und gewerkschaftliche Aktualitätsthemen, ob mit sektorieller, nationaler oder internationaler Tragweite, künftig im Verwaltungsrat der „Union syndicale“ geführt werden, um eine gemeinsame Position auszuarbeiten. Politische Positionen, Forderungskataloge sowie Verhandlungen mit OGBL und LCGB wird es laut Vorstellung von Back und Dury künftig nur noch aus einem Guss geben. Dafür ist der Verwaltungsrat der Vereinigung auch zuständig, um mögliche Differenzen auszudiskutieren und beizulegen, wenn es zwischen den beiden Gewerkschaften zu unterschiedlichen Ansichten kommen sollte. Ein Punkt lässt jedoch besonders aufhorchen: Auf die künftigen Sozialwahlen will man sich gemeinsam vorbereiten, um Streitfälle zwischen OGBL und LCGB zu vermeiden. „Wir lassen uns nicht mehr entzweien, auch wenn das immer wieder versucht wird“, sagt Nora Back.

Während nach der Pressekonferenz die Statuten der Vereinigung offiziell unterschrieben wurden, gaben Back und Dury auch Einblicke in das Verhältnis zur CGFP, die am Mittwoch ihre eigene Protestaktion geplant hat. „Dieses Bündnis ist durch die Attacke auf die Kollektivverträge zustande gekommen“, sagt Nora Back. Ein Thema, das die CGFP weniger betreffe. Das bedeute jedoch nicht, dass man mit der CGFP nicht mehr zusammenarbeite oder es gar zu einem dauerhaften Bruch gekommen sei. „Dass sie nun angesichts des 28. Juni eine eigene Protestaktion geplant haben, ist bedauerlich“, sagt Nora Back. „Doch es ist gut, dass sie sich ebenfalls wehren.“
Wie weit die Zusammenarbeit noch führen wird – Stichwort Einheitsgewerkschaft – wollten die anwesenden Journalisten gegen Ende der Pressekonferenz noch wissen. „Wir starten heute einen für die Syndikate und Delegierten riesigen dynamischen Prozess“, antwortet Patrick Dury. „Ich will aber klipp und klar sagen, dass der LCGB alles unternimmt, um die Interessen der Leute auf die bestmögliche Art zu vertreten.“ Eine auf den ersten Blick schwammige Aussage des LCGB-Präsidenten, die eine erneute Nachfrage nach sich zog. „Es bedeutet genau das, was ich eben gesagt habe“, so Dury daraufhin. Beliebig – im Kontext des eben unterzeichneten Zusammenschlusses jedoch äußerst vielsagend. Es war kein Nein zu Einheitsgewerkschaft. OGBL-Präsidentin Nora Back ließ die Aussage als solche, unkommentiert, zum Abschluss der Pressekonferenz stehen.
Verwaltungsrat der „Union des syndicats OGBL et LCGB“
Für den OGBL:
Nora Back (Co-Präsidentin, Gründungsmitglied)
Pitt Bach (Gründungsmitglied)
Jean-Luc de Matteis (Gründungsmitglied)
Philippe da Silva
Sonja Delli Zotti
Véronique Eischen
Frédéric Krier
Olivier Landini
Patrick Ourth
Carlos Pereira
Serge Schimoff
David Angel
Für den LCGB:
Patrick Dury (Co-Präsident, Gründungsmitglied)
Christophe Knebeler (Gründungsmitglied)
Francis Lomel (Gründungsmitglied)
Maria do Rosario Cabral Farias
Céline Conter
Dani da Costa Gomes
Robert Fornieri
Paul Glouchitski
Maria Mendes
Benoît Migeaux
Katja Samson
Mary-Helena Macedo
Neben den beiden Co-Präsidenten werden der neuen Organisation zwei Vizepräsidenten vorstehen. Dem OGBL wird der Sekretärsposten zugesprochen (der LCGB erhält den beigeordneten Sekretärsposten), während der LCGB den Kassenwart stellen wird (der OGBL wird den beigeordneten Kassenwart stellen).
De Maart

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