
Geht es nach CSV und DP, dann kommt Luxemburg demnächst in der Moderne an. Will heißen: „Shop around the clock“ für die Einheimischen und „Work around the clock“ für die Nichtheimischen.
Vorbei also die Zeiten im Marienländchen, in denen der Sonntag heilig war und aus Kirche, Mittagessen, Fußball und dem Tatort bestand. Die neue Generation tickt halt anders, vermutet der Politflüsterer und stellt sich die Frage, ob der letzte Schritt zur Trennung von Kirche und Staat nun vollzogen ist. Natürlich sind es nicht nur Grenzgänger, die in den sauren Apfel beißen müssen. Laut altem Testament steht die sinnlich-verführerische Frucht übrigens stellvertretend für den menschlichen Sündenfall. Kann es Sünde sein, den Menschen ein X für ein U vorzumachen und zu behaupten, mit der Ausdehnung der Sonntagsarbeit würde man den Angestellten einen Gefallen tun? Immerhin bedeutet der 70-prozentige Lohnzuschlag an Sonntagen eine erhebliche Aufbesserung ihres Mindestlohns! Dafür verzichtet man doch gerne auf ein wenig Quality-Time mit der Familie.
Dass sie sich nicht nur „manchmal wie in einer Parallelwelt fühlt“, wie sie in der Sommerserie des Luxemburger Wort verriet, sondern tatsächlich in einer solchen lebt, unterstrich am Donnerstag Stéphanie Weydert am RTL-Mikro. Nicht jeder Chef sei gezwungen, sonntags aufzumachen, sagte die CSV-Abgeordnete, und die Angestellten hätten schließlich die Möglichkeit, zu sagen: „O.k., wann dat do d’Konditioune vun der Stee sinn, da wëll ech net bei dee Patron schaffe goen“. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen, denkt sich der Politflüsterer. Wohl dem, der aus gutem Haus stammt, ein Anwalt ist und die Realität der arbeitenden Bevölkerung nur vom Hörensagen kennt.
Der frühere Bürgermeister von Esch und jetzige Arbeitsminister Mischo hilft mit seinem Plan zur Liberalisierung der Sonntagsarbeit übrigens tatkräftig mit, der Alzettestraße den endgültigen Gnadenstoß zu versetzen. Profitieren werden nämlich in erster Linie die großen Einkaufszentren, während der krisengeschüttelte innerstädtische Einzelhandel mit wenig Personal funktioniert und sich deshalb gar nicht erlauben kann, länger und öfters zu öffnen. Das sollte aus familiären Gründen eigentlich auch sein für die Liberalisierung der Öffnungszeiten zuständiger Ministerkollege Delles wissen. Der Markt wird es schon regeln. Brave new world!
De Maart

Der Politikfluesterer scheint den heiligen Sonntag nur noch vom Hoerensagen zu kennen , von Leuten die ihn auch nur noch vom Hoerensagen her kennen . Der heilige Sonntag bestand aus Kirche ,Hei Elei , Bonanza und de Stamminet ( mam PIK ) .