Der am Dienstag in Bissen vor mehr als 200 eingeladenen Vertretern des Sektors offiziell eingeweihte Firmeninkubator ist ein Teil eines gesamten Konzepts, erläutert Wirtschaftsminister Lex Delles vor Journalisten. Das Gebäude, das in Zukunft kleine innovative Start-ups beherbergen soll, befindet sich nämlich in einer Industriezone mit Fokus auf Unternehmen aus dem Bereich der Mobilität.
Die Idee hinter diesem „Campus für den Automobilsektor“ sei es, „in die Zukunft zu schauen und ein Ort für die Mobilität von morgen“ zu schaffen, so Delles. „Die Firmen können sich hier untereinander austauschen, neue Ideen, Synergien und Innovationen können entstehen. Aktivitäten können getestet werden.“ Ähnliche „Campus“ gibt es hierzulande bereits für die Bereiche Weltraum und Gesundheitstechnologien.
Unternehmen gibt es im neu eingeweihten Firmeninkubator mit seinen mit 5.300 Quadratmetern Fläche noch keine, erläutert Diego De Biasio, Geschäftsführer von Technoport. Die Gesellschaft, die seit vielen Jahren ähnliche, auf kleine innovative Technologieunternehmen spezialisierte Inkubatoren in Belval und Foetz betreibt, wird künftig auch für die Struktur in Bissen zuständig sein. Nach rund 70 Gesprächen stehe man nun aber mit einem Dutzend potenziell interessanten und interessierten Betrieben in Kontakt. Mit drei Unternehmen habe man bereits Vorverträge unterzeichnet. Zu diesen zählen das auf autonomes Fahren spezialisierte Pony.ai und das auf intelligente Materialien für etwa Batterien spezialisierte Voltcore. Die ersten Mieter sollen in der ersten Hälfte des Jahres 2025 einziehen. Wenn die Unternehmen dann eine gewisse Größe erreicht haben, sollen sie ausziehen und Platz für neue machen.
Selbstfahrende Autos im Visier
Platz finden sollen im neuen Inkubator dabei nicht nur junge innovative Start-ups, sondern auch Spin-offs aus der Forschung oder kleine Tochtergesellschaften größerer Unternehmen, die ein Eintrittstor nach Europa suchen. Beispielsweise bei seiner rezenten Wirtschaftsmission in China habe er viele Betriebe aus der Automobilbranche getroffen, so Delles. Als Regierung wolle man vor allem den Bereich des „autonomen Fahrens“ stärker fördern. „In China und in den USA fahren die Taxis bereits ohne Fahrer“, unterstreicht er. Da soll auch Luxemburg „so schnell wie möglich“ mit dabei sein.
Insgesamt steht der Automobilbranche auf dem Campus in Bissen eine Fläche von 14 Hektar mit Platz für 4.000 Mitarbeiter zur Verfügung. Unter anderem das auf Sensoren spezialisierte Unternehmen IEE und Goodyear sind bereits hier vertreten. Der Reifenhersteller plant zudem, innerhalb der nächsten beiden Jahre hier in einem neuen Gebäude mit bis zu 350 Mitarbeitern aus den Bereichen Forschung und Entwicklung zusammenzuziehen. Man freue sich bereits auf die Zusammenarbeit mit den Spart-ups, so Xavier Fraipont. Der Kontakt werde dem Unternehmen helfen, dynamisch und flexibel zu bleiben. „Hier wollen wir neue Geschäftsmodelle entwickeln.“
Der Ort Bissen hat derweil mehr als nur ein bisschen Erfahrung mit Wirtschaftsunternehmen, hob Bürgermeister David Viaggi am Dienstag hervor. Mit der Drahtfabrik von ArcelorMittal „haben wir Schwerindustrie im Dorf. Goodyear hat 1972 hier ein Werk errichtet. 2016 wurde der Automobility Campus eingeweiht“, zählt er auf. Zudem habe man 24 Hektar für Handwerksbetriebe. Auch ist Bissen der Standort von Luxemburgs Supercomputer, für den geplanten Quantencomputer und das noch nicht vergessene Google-Datencenter. Der Bürgermeister erwartet, dass in den nächsten Jahren mehr als 2.000 Jobs zu den 3.000 bestehenden hinzukommen.
Insgesamt 40 Millionen Euro hat das Wirtschaftsministerium in den Standort des „Automobility Campus“ in Bissen investiert. Etwas mehr als die Hälfte der Summe (21 Millionen) ist in den nun eingeweihten Firmeninkubator geflossen, acht Millionen in die Infrastruktur der Industriezone und rund zehn Millionen in ein nach Kriterien der Kreislaufwirtschaft errichtetes Parkhaus, das wieder abgebaut und neu errichtet werden kann.

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