15. Februar 2017 13:26;Akt: 15.02.2017 13:32

Zwischen Flutgefahr und Dürre

KALIFORNIEN

Wetterkapriolen in Kalifornien: Nach jahrelanger Dürre regnet es umso heftiger. Das kann gefährlich werden, wie es die Menschen am bis zum Rand gefüllten Oroville-Stausee erleben.

Anfangs - im November - haben sich viele in Kalifornien noch über den Regen gefreut, doch inzwischen macht er eher Angst. Vor wenigen Monaten sorgten sich Kalifornier noch, dass der amerikanische Westküstenstaat einen weiteren Dürrewinter erleben könnte: Wasser wurde rationiert, Rasen sollten nicht gesprengt werden. Nach jahrelanger Trockenheit mit extrem wenig Regen wird der "goldene Staat" nun aber vom anderen Wetterextrem heimgesucht: Starkregen - in Bergregionen wie der Sierra Nevada auch Schneemassen.

Notlage auch am Oroville-Staudamm, mit 235 Metern der höchste Damm in den USA: Nach tagelanger Sorge, dass ein Überlaufkanal an dem riesigen Wasserreservoir einbrechen könnte, gab es am Dienstag eine vorläufige Entwarnung. Doch etwa 190 000 Menschen hatten in den vergangenen Tagen ihre Häuser verlassen müssen. Hubschrauber waren währenddessen damit beschäftigt, Baumaterial zur Sicherung des beschädigten Kanals heranzufliegen.

Viele Menschen kamen in Notunterkünften unter. Ältere Damen mussten Nächte auf Feldbetten verbringen, Kinder für Hamburger an Essensausgaben warten. Inzwischen durften Zehntausende Anwohner in ihre Ortschaften zurückkehren. Sie hoffen, dass Behörden und Meteorologen Recht behalten mit ihrer Entwarnung.

Ältere Damen

Doch auch 60 Kilometer vom Stausee entfernt sind die Notkoffer beim Ehepaar Albrecht in Yuba City lieber noch gepackt. Im Ernstfall könnte das Paar rasch weg. "Falls der Damm bricht, schnappen wir unsere Katzen und Koffer und fahren los", erzählt Nancy am Dienstag. Die Deutschlehrerin und ihr Mann Steve leben seit 35 Jahren in der ländlichen Region, nördlich der Hauptstadt Sacramento. Ihr Haus liegt direkt am Fluss Feather River, in den das Wasser des Stausees fließt.

Der nächste Sturm, der Donnerstag erwartet wird, soll weniger Regen als seine Vorgänger in den letzten Wochen bringen, so die Prognose.

Seen und Wasserreservoire, die in den letzten Jahren fast austrockneten, sind nun zum Bersten voll. "Wir brauchen das Wasser", sagt Bill Croyle von der Wasserbehörde Water Resources am Dienstag in einer Pressekonferenz, auch wenn er kurz zuvor noch die Mühen der Helfer am Oroville-Stausee erklärt hat.

"Baum-Notstand"

Trotz des vielen Regens in jüngster Zeit sehen Wissenschaftler, Planer und Politiker immer noch ein Trockenheitsproblem. So schnell sind fünf Dürrejahre nicht überwunden. Erst vorige Woche verlängerte das staatliche Wasser-Gremium Sparmaßnahmen für den Wasserbrauch in Kalifornien. Sie seien "überglücklich" über die Niederschläge, doch einige Regionen litten weiter unter den Folgen der Dürre, sagte die Chefin des Wasser-Gremiums.

Sorgen machen ausgeschöpfte Grundwasserspeicher oder auch leere Brunnen, vor allem im Central Valley. Dazu kommen Langzeitschäden in den kalifornischen Wäldern. Nach einer Studie der Forstverwaltung fielen seit 2010 rund 40 Millionen Bäume der Trockenheit zum Opfer, auch durch dürrebedingte Brände und einen Borkenkäferbefall der geschwächten Bäume. 2015 hatte Gouverneur Jerry Brown einen "Baum-Notstand" ausgerufen.

Am Wochenende soll es wieder stürmen. Bei Nancy Albrecht weckt das Erinnerungen an sintflutartige Niederschläge Ende 1997, als der Oroville-Staudamm ebenfalls randvoll war. Auch damals stand die Damm-Konstruktion auf dem Prüfstand. Umweltgruppen drängen seitdem auf eine Renovierung der in den 1960er Jahren gebauten Anlage. In die Kritik geriet vor allem der unbefestigte Notabfluss, der am Wochenende durch überlaufendes Wasser erodierte. Die Zeitung "Mercury News" verwies auf Warnungen im Jahr 2005, dass dieser Ablauf mit Beton verstärkt werden müsse. Die US-Energieaufsichtsbehörde FERC habe damals die Aufrüstung als unnötig abgelehnt, hieß es.

"Die Infrastruktur in Kalifornien und überall in Amerika ist sehr schlecht", meint Nancy Albrecht. "Brücken, Staudämme und Straßen fallen auseinander, es wird nichts daran gemacht."

Tageblatt.lu/dpa