Australiens Schüler müssen im Geschichtsunterricht schon wieder umdenken. Funde im Norden zeigen, dass Aborigines den Kontinent deutlich früher besiedelt haben als bisher gedacht. Australiens Geschichte wurde schon häufiger korrigiert.

Bisher dachte man, dass die Aborigines – die australischen Ureinwohner – vor etwa 47.000 bis 50.000 Jahren nach Australien kamen. Archäologen entdeckten jetzt jedoch Beweise für eine viel frühere Besiedelung des fünften Kontinents. Auf diese stießen sie unter einem Felsüberhang im Kakadu Nationalpark im Norden des Landes, wo sich mehr als 10.000 Artefakte verbergen, die bereits seit den 1970ern ausgegraben und untersucht werden.

„Unter den Ausgrabungen sind die älteste Steinaxt-Technologie der Welt mit einem geschliffenen Rand, die ältesten bisher bekannten Samen-Mahlwerkzeuge Australiens und Beweise für detailliert hergestellte Steinspitzen, die als Speerspitzen gedient haben könnten“, sagte Chris Clarkson von der Universität von Queensland, der die Ausgrabung leitet.

Schon 15.000 Jahre früher

Analysen datieren einige der Funde nun auf bis zu 65.000 Jahre. Dies bedeutet, dass die Aborigines 15.000 Jahre früher nach Australien kamen, als die meisten Wissenschaftler bisher vermuteten. Ebenfalls erstaunlich waren die Mengen an Ocker, die entdeckt wurden, ein Beweis dafür, dass die Ureinwohner schon früh künstlerisch tätig waren.

Die Ergebnisse des internationalen Teams, das eng mit den ortsansässigen Aborigines zusammenarbeitete, wurden im Fachmagazin Nature veröffentlicht und haben in Australien für Furore gesorgt. Mehrere lokale Medien sprachen darüber, dass die australische Geschichte nun neu geschrieben werden müsste.

Zur gleichen Zeit wie Riesentiere 

Nach den neuen Erkenntnissen lebten die Aborigines damit auch zur gleichen Zeit in Australien wie heute ausgestorbene Spezies von Riesentieren, darunter das Goliath-Känguru, das 200 Kilo schwer werden und im Stehen Blätter bis in drei Meter Höhe pflücken konnte. Die Tier-Giganten starben vor etwa 45.000 Jahren aus. Die heutigen australischen Tiere sind alle deutlich kleiner, wobei Ähnlichkeiten zur einstigen Mega-Fauna erkennbar sind – nicht nur bei den Kängurus, sondern auch bei einer Echsenart, beim Tasmanischen Teufel oder dem Schnabeligel beispielsweise.

Ebenfalls zur gleichen Zeit zu der die Aborigines Australien bevölkerten, gab es auch in Indonesien bereits menschliches Leben. Dort hauste ein heute ebenfalls ausgestorbener Zwergmensch, der Homo floresiensis, auf der indonesischen Insel Flores.

Eine der ältesten Zivilisationen der Erde

Die Erkenntnisse könnten auch Auswirkungen auf Forschungen haben, die im September des vergangenen Jahres veröffentlicht wurden, und die ebenfalls schon die australische Geschichte neu gestalteten. Damals konnten Wissenschaftler erstmals die genetische Geschichte der australischen Ureinwohner entschlüsseln. Sie schlossen, dass Aborigines eine der ältesten Zivilisationen der Erde sind, deren Vorfahren vor rund 72.000 Jahren aus Afrika auswanderten.

Der Paläoanthropologe Michael Westaway von der Griffith Universität in Australien sagte dem Sender ABC, dass die Wissenschaft nach der aktuellen Studie nun jedoch einen erneuten Blick auf diese Datierung werfen müsse. „Das würde bedeuten, dass der Homo sapiens innerhalb einiger tausend Jahre in Australien war”, sagte Westaway. „Das ist eine sehr schnelle Expansion quer über den Globus.“

– Barbara Barkhausen  –

3 Kommentare

  1. Das finde ich so sympathisch an der Wissenschaft: Sie korrigiert ihre Fehler und kommt so zuegig weiter, ganz im Gegensatz zu den Religionen und unseren Politikern. Die beissen sich einfach fest in ihren Ueberzeugungen, genauso wie ein Bullterrier, der nicht mehr loslassen kann, wenn er bis einmal zugeschnappt hat.

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