Eine Umfrage der wallonischen Tageszeitung Le Soir hat Wünsche der belgischen Bevölkerung zu ihrer Rente und zu ihrer Lebensarbeitszeit erkennen lassen.

In den drei Teilstaaten des belgischen Königreiches gibt es dabei unterschiedliche Vorstellungen. Der Umfrage zufolge gibt es die stärksten Lebensängste in Wallonien. Hier glauben 82 Prozent, dass sie keine Rente erhalten werden, die ihnen ein “ordentliches” Leben erlauben wird. In Flandern sind es 71 Prozent der Befragten. Frauen sehen mit 83 Prozent ihre Zukunft pessimistischer als Männer – die zu 66 Prozent glauben, dass ihre Rente nicht ausreichen wird.

Die von der Tageszeitung Befragten sehen ein Mindestrenten-Niveau von 1.615 Euro als notwendig an, um möglicherweise eines Tages ein Altenheim bezahlen zu können. Das liegt deutlich über der Vorstellung des Gewerkschaftsbundes FGTB, der von 1.500 Euro Minimalrente ausgeht. In Flandern wünschen die Befragten 1.624 Euro Rente, in Brüssel 1.566, in Wallonien 1.608 Euro. Männer und solche über 55 Jahre haben die höchsten Rentenwünsche mit 1.701 Euro.

Unlösbare Widersprüche

In Belgien zeigt sich beim Rentenalter ein Widerspruch, der sich auch in Frankreich zeigt:  In der Umfrage wird deutlich, dass die Befragten überzeugt sind, dass der Staat mit dem derzeitigen Rentensystem und dem derzeitigen Rentenalter von 62 Jahren ihnen keine Rente zusichern kann, die ihnen ein normales Leben erlaubt. Eine geplante Anhebung des Rentenalters auf 67 Lebensjahre im Jahre 2030 lehnen gleichwohl im belgischen Durchschnitt 66 Prozent der Befragten ab. Diese Ablehnungsquote findet sich auch in Brüssel. In Flandern liegt sie bei 62 Prozent, in Wallonien bei 76 Prozent.

Die Antworten gründen sich auf der Einschätzung der eigenen Arbeitsfähigkeit. In Regionen mit starker Industrialisierung geht die Einschätzung von 61,6 Lebensjahren aus. Dort, wo Selbstständige gefragt werden und mehr Serviceleistungen, verbunden mit intellektueller Arbeit, vorhanden sind, steigt die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf 63,9 bis 64,5 Lebensjahre an.

Wie in Frankreich auch, wo eine geplante Rentenreform das Alter von 62 Jahren als frühesten Einstieg in die Rente vorsieht, steht Belgien vor einer Gleichung, die fast nicht lösbar ist. Der Einstieg in das Berufsleben erfolgt insbesondere bei Akademikern später, die Lebensarbeitszeit ist kürzer, die Rentenlebenszeit dauert länger, verbunden mit dem Wunsch nach einer höheren Rente. Die vorhandenen Modelle lösen diese Gleichung mit einer Kürzung der Rente.

2 Kommentare

  1. “In der Umfrage wird deutlich, dass die Befragten überzeugt sind, dass der Staat mit dem derzeitigen Rentensystem und dem derzeitigen Rentenalter von 62 Jahren ihnen keine Rente zusichern kann, die ihnen ein normales [???] Leben erlaubt.”

    Wie sähe denn das zu erwartende unerlaubte und unnormale Rentnerleben in Belgien aus?

    Kenne in Arlon Menschen, deren Rentnerleben mir schon heute unerlaubt erscheint.

  2. Im Oktober CSV waehlen! Dann gehts auch unseren Rentnern an den Kragen. Aber das ist nicht schlimm. Jeder, dessen Rente gekuerzt wird, kommt sofort in den Himmel, wenn er verhungert ist.

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