26. Januar 2017 15:09;Akt: 26.01.2017 15:23

"Trumphorie" an den Börsen

USA

Spekulationen auf einen durch Donald Trump ausgelösten Wirtschaftsboom haben Anleger am Donnerstag in Wallung gebracht.

 (Bild: Richard Drew)

Vielversprechende Quartalszahlen von Firmen in Europa und den USA sowie eine Mega-Übernahme in der Pharmabranche heizten die Lust auf Aktien zusätzlich an. Der Dax kletterte um bis zu 0,7 Prozent auf ein 20-Monats-Hoch von 11.893,08 Punkten, der EuroStoxx50 notierte mit 3.342,47 Zählern so hoch wie zuletzt vor gut einem Jahr. Auch an der Wall Street ging die Rally weiter: Börsianer erwarteten für den Dow-Jones-Index der Standardwerte, der am Mittwoch erstmals in der Geschichte die 20.000-Punkte-Marke geknackt hat, erneut steigende Kurse . Der MSCI World Index, der Aktien aus 46 Ländern abdeckt, war nur noch wenige Punkte von seinem Rekordhoch von entfernt.

Experten warnen vor Risiken durch US-Protektionismus

"Alle Faktoren sprechen aktuell für ein Anhalten des Bullenmarkts 2017", sagte Fondsmanager Till Budelmann von der Berenberg Bank. Er rechnet damit, dass die Regierung unter dem neuen US-Präsident Trump bis zum Spommer detaillierte Pläne zu den angekündigten Steuersenkungen, Deregulierung und Infrastrukturprogrammen geben wird. Ein dadurch ausgelöstes stärkeres Wirtschaftswachstum werde sich positiv auf die Gewinne von Unternehmen und damit auf den Aktienmarkt auswirken.

Andere Experten warnten jedoch davor, mögliche Risiken durch die Trump-Regierung auszublenden. Einzelheiten zu seinen wirtschaftspolitischen Plänen lägen noch weitgehend im Dunkeln, es könne daher leicht zu Enttäuschungen kommen, schrieben die Analysten des Vermögensverwalters MFS. "Die positiven Aspekte von Trumps Politik sind in den Kursen vielleicht schon enthalten, die negativen, wachstumsdämpfenden hingegen nicht." Unter anderem der starke Dollar belaste amerikanische Firmen. Der Dollar legte im Vergleich zu anderen Währungen zu, wodurch sich der Euro verbilligte. Dies half den Börsen in Europa zusätzlich auf die Sprünge, weil durch eine schwächere Gemeinschaftswährung Waren von Firmen aus der Eurozone im Welthandel günstiger werden.

30-Milliarden-Dollar-Übernahme in der Biotech-Branche

Von dem Konjunkturoptimismus profitierte unter anderem die Investitionsgüter-Branche. Der europäische Sektor-Index, in dem auch Siemens notiert ist, stieg zeitweise auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch. Gefragt waren auch die Finanzwerte, deren Index in der Spitze ein Zwölf-Monats-Hoch markierte. Zu den Favoriten gehörte hier die Deutsche Bank. Ihre Aktien legten um bis zu 2,9 Prozent zu und waren mit 19,97 Euro ebenfalls so teuer wie zuletzt vor einem Jahr.

Zu den größten Gewinnern am Aktienmarkt gehörten auch Aktien von Pharmakonzernen, die von der 30 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Schweizer Biotech-Konzerns Actelion durch Johnson & Johnson beflügelt wurden. Im Dax verteuerten sich Bayer und Merck um jeweils 2,4 Prozent, Stada waren mit einem Plus von 2,2 Prozent einer der Top-Werte im MDax. Auch Biotech-Aktien wie Medigene und Morphosys waren gefragt, an der Börse in London legten sich Anleger Shire und Astrazeneca ins Depot.

Anleger griffen nach einem Gewinnsprung beim französisch-italienischen Chip-Bauer STM Microelectronics zu und schickten die Titel um bis zu neun Prozent auf den höchsten Stand seit neuneinhalb Jahren nach oben. Die in Amsterdam und London gelisteten Unilever-Aktien sackten dagegen um mehr als vier Prozent ab, nachdem schwache Geschäfte in Brasilien und Indien das Wachstum des Magnum-Eis-Herstellers gebremst hatten.

Tageblatt.lu/Reuters