Dort, wo früher die Schwerindustrie zu Hause war, wird heute an der Zukunft geforscht. In der Halle des poches à fonte in Esch/Belval sind am Donnerstag Entscheider aus der Industrie auf Forscher des LIST (“Luxembourg Institute of Science and Technology”) getroffen. „Es geht darum, zu erklären, warum die Forschung wichtig ist“, sagt Thomas Schoos vom LIST. Das Forschungsinstitut könne dazu beitragen, dass sich die Unternehmen einen kompetitiven Vorteil gegenüber der Konkurrenz erforschen können. Eine Partnerschaft mit dem LIST ermöglicht den Firmen Zugriff auf das Wissen von rund 500 Forschern.

Materialforschung

„Unsere Stärken liegen bei der Materialforschung sowie bei den grünen und digitalen Technologien“, erklärte Schoos. „Wir können z.B. die Unternehmen fit für die künstliche Intelligenz machen.“ Nicht jedes Unternehmen besitzt eine Forschungsabteilung, die mit dem LIST mithalten kann. Forschung und Innovation seien aber eine Voraussetzung, damit die Firmen dauerhaft auf dem Markt bestehen können.

„Stillstand bedeutet Rückschritt“, meinte Schoos. Das LIST kann dazu beitragen, dass der Forschritt nicht abebbt. Am Donnerstag hatten interessierte Unternehmen die Möglichkeit, aus der Erfahrung von bestehenden Partnerschaften zu lernen. „Es werden viele Fragen zum geistigen Eigentum gestellt“, erläuterte Schoos. Doch er könne die Unternehmen beruhigen: „Wir geben die Forschungsresultate nicht aus dem Haus.“

Dies konnte Paul Jung, Managing Director bei Ceratizit, dem luxemburgischen Unternehmen, das sich auf Hartmetalle spezialisiert hat, bestätigen. Die Forschungsresultate würden sich das Privatunternehmen und die staatliche Forschungsanstalt teilen. „Wir sind der alleinige Besitzer für unsere Industrie“, so Jung. In anderen Bereichen sollte das LIST die Ergebnisse mit anderen Firmen teilen dürfen. „Unsere Konkurrenz wird sie aber nicht bekommen.“

Green-Tech

Zusammen mit dem LIST forscht Ceratizit an einem neuen Beschichtungsverfahren, das die Formstabilität von Werkzeugen auch bei extrem hohen Temperaturen sicherstellt. „Unser Ziel ist eine Verbesserung von um die drei Prozent“, erklärte Jung. Das Forschungsprojekt sei auf eine Laufzeit von zwei Jahren ausgelegt. Auch der Reifenhersteller Goodyear greift auf die grauen Zellen des LIST zurück. „Wir forschen daran, den Rollwiderstand und das Nassbremsverhalten unserer Reifen zu verbessern“, erklärte Goodyear-Manager Georges Thielen. Zusammen forschen sie an neuen natürlichen Materialien, die die Reifen besser machen.

Die Zusammenarbeit bietet sich aber nicht nur in Bezug auf neue Produkte – auch die Art, wie die Erzeugnisse hergestellt werden, kann durch Innovation verbessert werden. „Dies gilt vor allem für unser neues Werk in Düdelingen“, so Thielen. Bis die neuen Reifen auf den Markt kommen, könnten aber noch ein paar Jahre vergehen. „Wir planen das Technikrelease für das Jahr 2021.“ Einen weiteren Punkt hob der Manager noch hervor: „Einige Forscher des LIST könnten bei Goodyear Karriere machen.“ Dies ist in Zeiten des Fachkräftemangels ein weiterer Vorteil einer Partnerschaft.

Innovation gibt es aber auch bei Produkten, die auf den ersten Blick weniger aufwendig erscheinen. „Wir beschäftigen uns mit der Hanfpflanze“, so LIST-Forscherin Gea Guerriero. Die Fasern können in der Textilindustrie eingesetzt werden. Dies geschieht schon seit Jahrhunderten. Die Pflanze kann aber auch beim Bau Anwendung finden. „Zusammen mit der Contern S.A. haben wir Hanf-Kalk-Ziegel entwickelt, die eine hervorragende Isolierfähigkeit besitzen“, meinte die Forscherin. Anders als die üblichen Styroporisolierungen sei das neue Produkt rein natürlich. Doch die Hanfpflanze könne mehr. „Der britische Sportwagenhersteller Lotus setzt die Fasern beim Karosseriebau ein“, sagte Guerriero. „Dort ersetzen sie die Glasfasern, ein Erdölprodukt.“

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here