Die Unsicherheit über den Fortgang der Zollgespräche zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China verstimmt die Investoren zusehends. Das gilt auch für den deutschen Aktienmarkt: Am Donnerstag (21.11.) sank der Dax im frühen Handel um 0,60 Prozent auf 13.079,36 Punkte.

Vor zwei Tagen noch war er von wachsenden Hoffnungen auf eine baldige erste Einigung antrieben worden und in Richtung des Rekordhochs von knapp 13.600 Punkten aus dem Januar 2018 geklettert. Seither trübt sich die Stimmung angesichts immer neuer vager und widersprüchlicher Aussagen zum Handelsstreit wieder ein.

So gab es am Mittwochabend Berichte, dass das in Aussicht gestellte erste Teilabkommen im Zollkonflikt womöglich doch nicht mehr in diesem Jahr getroffen wird. Außerdem stellte sich der US-Kongress demonstrativ hinter die Demokratiebewegung in Chinas Sonderverwaltungszone Hongkong. Für den Fall, dass US-Präsident Donald Trump nun die entsprechenden Verordnungen unterzeichnet, damit sie in Kraft treten können, hat China “Gegenmaßnahmen” angedroht.

Vorsichtiger Optimismus

Ganz aktuell kursieren dagegen Meldungen über erneut vorsichtig optimistische Töne des chinesischen Vizeoremiers Liu He, der im Zollstreit mit den USA für China Verhandlungen führt. Angesichts dieser Unsicherheiten traf das am Vorabend veröffentlichte Notenbankprotokoll der US-Notenbank Fed trotz erneuter Signale über eine Zinspause in den USA kaum auf Interesse.

Unternehmensseitig fiel im Dax die Infineon-Aktie mit einem Minus von 2,4 Prozent auf. Negative Vorgaben aus den USA und insbesondere Asien belasteten, sagte ein Händler und verwies auf die Schwäche anderer Chipaktien. “Außerdem sind die Entwicklungen in den Handelsgesprächen für die Münchner stets ein besonderes Thema”, sagte er.

Höhere Verluste bei Thyssenkrupp erwartet

Ansonsten standen am deutschen Markt vor allem Werte aus der zweiten und dritten Börsenreihe im Blick. So brachen die Anteile von Thyssenkrupp im MDax um rund 10 Prozent ein. Das Management strich nach einem weiteren Verlustjahr die Dividende für 2018/19. Schlecht gelaufene Stahlgeschäfte, Verluste im Anlagenbau, Restrukturierungskosten sowie Rückstellungen für ein Kartellverfahren belasteten das Unternehmen.

Eine Abstufung und eine weitere negative Analystenstudie setzte den Aktien von Aurubis zu, die fast 5 Prozent einbüßten. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser strich ihre Kaufempfehlung für die Papiere der Kupferhütte. Die US-Investmentbank Goldman Sachs bekräftigte zudem ihr Verkaufsurteil.

Heideldruck und Innovative Chemical Products Group

Von Goldman zum Kauf empfohlen, gewannen die Papiere des Autozulieferers Hella dagegen knapp 1 Prozent. Dass der Forschungschef von Morphosys, Markus Enzelberger, Ende Februar 2020 zurücktreten und das Unternehmen verlassen wird, belastete die Aktie des Antikörper-Spezialisten, die rund 2 Prozent im Minus lag.

Als Favorit im SDax gewannen die Titel von Heideldruck 3,2 Prozent. Der Druckmaschinenhersteller verkaufte im Zuge seiner Rückbesinnung auf das Kerngeschäft den Bereich Hi-Tech Coatings für Lacke in der Verpackungs-, Etiketten- und Druckindustrie. Zudem wurde eine strategische Partnerschaft mit dem Käufer, der Innovative Chemical Products Group, bekannt gegeben.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here