Kommende Saison wird Esch mit drei Vereinen in der höchsten Spielklasse des Luxemburger Fußballs vertreten sein (sofern Rekordmeister Jeunesse nicht noch absteigt). Am Sonntag machte der kleinste der drei Klubs, die US Esch, den Aufstieg perfekt. Für Präsident Pedro Ferreira, seit 2009 an der Spitze des Vereins, geht ein Traum in Erfüllung.

Präsident Pedro Ferreira

Tageblatt: Was bedeutet der Aufstieg für Sie?

Pedro Ferreira: Es ist ein sehr emotionaler Moment. Denn der Aufstieg ist das Resultat der harten Arbeit der letzten Jahre. Und das Resultat von Zielen, die man sich setzt. Ohne geht es im Leben nicht.

Ein Durchmarsch in zwei Jahren, also direkt von der 1. Division über die Ehrenpromotion in die Nationaldivision, ist selten. Hätten Sie damit gerechnet?

Nein, nie im Leben. Wir wollten nicht in Abstiegsgefahr geraten, das war alles. Dass wir nun aufsteigen, ist enorm, unglaublich.

Für kleine Klubs ist ein solcher Durchmarsch oft kaum zu verdauen. Die Anforderungen steigen in kürzester Zeit, die Strukturen sind aber dieselben wie in der 1. Divison.

Stimmt schon, aber ich bin große Herausforderungen in meinem Leben gewohnt (Der Portugiese Ferreira lebte lange in den USA, ehe er nach Luxemburg kam. Ein Arbeitsunfall auf dem Bau zwang ihn, sein Leben neu zu orientieren. Er wurde Metzger und baute sich ein Netz von Filialen im Land auf, Anm. d. Red.). Als ich den Verein in der 2. Division übernahm, da haben sie in der Escher Gemeinde gelacht, als ich ihnen sagte, ich wolle aus der US einen großen Klub machen. Jetzt sind wir in der BGL Ligue!

Stichwort Gemeinde: Die Infrastruktur in Lallingen ist alles andere als erstligareif. Wie ist der Stand der Dinge?

Ich bin sicher, dass wir keine Tribüne bekommen. Es wird sich auf ein paar “Gradins” beschränken, denke ich. Immerhin haben wir die Zusage, dass sich in Sachen Trainingsmöglichkeiten etwas tut. Wir haben nur den einen Platz hier, das reicht weder für die erste Mannschaft noch für unsere inzwischen über 140 Jugendlichen.

Die US Esch ist ein portugiesisch geprägter Verein. Luxemburger verirren sich kaum bei den Spielen. Ändert sich das nun?

Das hat sich diese Saison schon etwas geändert. Es macht mir eine Riesenfreude, wenn ich sehe, dass Luxemburger mit US-Esch-Schal zu unseren Spielen kommen. Jeder ist bei uns willkommen.

Mit welchen Argumenten wollen Sie in der nächsten Saison noch mehr Zuschauer dazu bewegen, zu den US-Spielen zu kommen?

Das Argument ist, mit uns einen angenehmen Nachmittag in einer angenehmen Atmosphäre zu verbringen. Im gegenseitigen Respekt zueinander.

Was erwartet die Konkurrenz in der nächsten Saison auf sportlicher Ebene?

Ich will lieber keine Vorhersage machen – schauen Sie sich an, was diese Saison geschehen ist! Fest steht, nächste Saison wird es viel härter. Und das Ziel kann nur der Klassenerhalt sein. Aber wer weiß …

Wie wird sich der Klub mit seinen doch überschaubaren infrastrukturellen und personellen Möglichkeiten auf die nächste Saison vorbereiten?

Wir sind bereits dabei. Die Mannschaft wird verstärkt werden, aber nur mit vier, maximal fünf Spielern. Bei mehr wird die bestehende Gruppe destabilisiert.

Ist es für die US auch eine Herausforderung, in die Escher Fußball-Phalanx einzubrechen, d.h. die Fola und Jeunesse zu attackieren?

(lacht) Nein, ich glaube nicht, dass wir mit denen mithalten können. Jeunesse hat eine riesige Tradition, beide haben ganz andere Mittel als wir. Wir können uns nicht mit denen vergleichen. „On est le petit du village“ und wir werden das auch bleiben. Trotzdem nehmen wir die Herausforderung an. Es wird kommende Saison sechs Escher Derbys geben, das ist doch herrlich!

Die BGL Ligue ist auch finanziell eine Herausforderung. Stehen nach dem Aufstieg die Sponsoren bei Ihnen Schlange?

(lacht) Wohl kaum, es ist immer ein Kampf. Egal wie, der Verein ist finanziell gesund und wird das auch bleiben. Schon diese Saison gab es viele Klubs in der Ehrenpromotion, die ein wesentlich größeres Budget haben. Trotzdem steigen wir auf. Will heißen, es hängt nicht alles vom Geld ab.

Philip Michel