Luxemburg: Olympia-Bilanz

03. August 2012 02:37; Akt: 03.08.2012 02:57 Print

Hervorragend. Trotzdem war noch mehr drin!Hervorragend. Trotzdem war noch mehr drin!

Neun Luxemburger waren bei den 30. Olympischen Spielen 2012 in London dabei. Es hätten mehr sein können, aber für dieses „hätte, wenn und aber“ ist es eh zu spät.

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Christine Majerus: Erwartungen umgesetzt als 21. (Bild: Le Quotidien / Julien Garroy)

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Die, die dabei waren, schlugen sich jedenfalls insgesamt hervorragend. Nicht immer ganz zufriedenstellend, aber zum Teil sogar herausragend. Und das Gute daran: Es war bei allen noch mehr drin! Rechnet man Abwesende hinzu, plus hoffnungsvollen Nachwuchs, kann man getrost behaupten: Rio 2016 kann kommen.

Marie Muller

Natürlich das Highlight der Spiele aus Luxemburger Sicht. Die Judoka kämpfte um eine Medaille, die bronzene. Es wäre die erste seit 60 Jahren, seit Josy Barthel, gewesen. Knapper – auf Schiedsrichterentscheid – konnte sie nicht verpasst werden. Im Viertelfinale verpasste Muller nur aufgrund einer mehr erhaltenen Verwarnung die Möglichkeit, sogar Richtung Gold schielen zu können. Nach einem alles andere als optimal verlaufenen Jahr und mit einer „kaputten“ Schulter rief Muller beim Saisonhöhepunkt am Tag ihres 27. Geburtstags eine Top-Leistung ab. Platz fünf.

Laurent Carnol

Das Halbfinale über 200 m Brust war das Ziel. Das erreichte Carnol, als erster Luxemburger überhaupt, mit der zwölftbesten Zeit. Das Finale schwirrte in den Hinterköpfen herum, war diesmal (noch) zu viel. Sein Landesrekord bleibt bei den 2.09.78 vom Euro-Meet im Januar stehen. Liebend gern hätte er ihn verbessert, oder wäre zumindest näher herangekommen. Platz 15. Über 100 m Brust Landesrekord nur knapp verpasst (Platz 26).

Raphaël Stacchiotti

Ein Landesrekord – auf der „falschen“ Distanz. Mit Landesrekord auf den 200 m Lagen hätte auch er eine Halbfinal-Teilnahme geschafft. So wurde es Platz 17 – eine Zehntel und ein Platz fehlten. Die Zeit entsprach nicht den Erwartungen. Stacchiottis Landesrekord auf den 400 m Lagen brachte ihm dort Platz 18 ein; auch da nur zwei Plätze hinter einem theoretischen Halbfinale (in dieser Disziplin gibt es nur ein Direkt-Finale).

Gilles Muller
Ein Spaziergang in Runde eins und ein hart umkämpftes Spiel auf hohem Niveau in Runde zwei, wo eigentlich nur ein Quäntchen Glück fehlte. Aber: Er hatte dort nach gewonnenem ersten Satz im zweiten zwei Matchbälle – und hätte damit den Sack zumachen müssen.

Christine Majerus

Setzte Erwartungen in die Tat um. Kam im Hauptfeld an, das nicht mehr viele Fahrerinnen umfasste, und wurde am Ende 21. Als Kontaktlinsen-Trägerin hatte sie am Ende bei fürchterlichem Wetter Probleme. Sonst wäre auch bei ihr mehr drin gewesen.

Laurent Didier

Tat das, was er sich als Einzelkämpfer vorgenommen hatte: in der Schlussphase des Rennens versuchen, den richtigen Zug zu erwischen. Dies trotz Sturz, durch den er wertvolle Kräfte für eine Aufholjagd verlor. Leider war es der falsche Zug. Kam im Hauptfeld an (64.).

Ni Xia Lian

Ihr „Fall“ dient als gutes Beispiel dafür, dass bei Olympia oft nur noch die Besten dabei sind, in zum Teil recht kleinen Teilnehmerfeldern. Unter diesen Tischtennis-Besten war Ni so gut, dass sie keine Vorqualifikation und auch keine erste Runde spielen musste. Dann aber gleich das Aus in Runde zwei. Weil sie ihre Gegnerin unterschätzt hatte. Das hätte eigentlich nicht passieren dürfen.

Jeff Henckels

Sein Total in der Qualifikation entsprach den Erwartungen (49.). Wegen der Art und Weise wäre sogar noch mehr möglich gewesen. Aus in der ersten K.o.-Runde, wegen u.a. einer 6 und einer 7 (10 ist Maximum), für die er keine Erklärung hatte.

Carole Calmes

Auch ihr Total entsprach den Erwartungen. Sie war eigentlich besser unterwegs, brach zum Schluss etwas ein. Platz 48.

Fazit

Die besten Ergebnisse, die vier ersten hier gelisteten, waren irgendwo auch die vier größten Enttäuschungen. Gleich nach dem Wettkampf überwog bei den vier Sportlern der Frust bei Weitem die Freude über das Erreichte. Das zeugt von der richtigen Einstellung. Mit etwas „recul“ wird auch die Freude kommen. Und gleichzeitig die Motivation, es nächstes Mal noch besser zu machen. Bei einer EM, WM oder Grand Slam. Und auch in vier Jahren, bei den nächsten Sommerspielen in Rio de Janeiro.

(clc/Tageblatt.lu)