Olympia 2012

08. August 2012 02:37; Akt: 08.08.2012 02:42 Print

Die UnentbehrlichenDie Unentbehrlichen

Ohne Ehrenamt, ohne freiwillige (Mit-)Arbeit kann der Sport nicht funktionieren. Das gilt von ganz unten bis nach ganz oben, vom allerkleinsten Dorfverein bis zu Olympia.

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Stundenlang in eine Richtung zeigen, wohl eher kein Traumjob ... (Bild: Jeff Lahr)

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Denn was wären die dritten Londoner Spieler ohne ihre sage und schreibe 70.000 freiwilligen Helfer, die auf englisch so genannten Volunteers?

Nicht viel, und doch wird diesen Volunteers unserer Meinung nach nicht genug Achtung entgegengebracht. Und das an der Stätte, wo es 1948 erstmals Volunteers bei Spielen gegeben hatte. Sieht man sich aber die „Geldmaschine“ an, die IOC und Olympia seit 1948 geworden sind, kommt einem freiwillige Arbeit im Kontext der Spiele manchmal wie Hohn vor.

Zwei Beispiele: stundenlang an der gleichen Stelle stehen und mit einem riesigen Finger in eine Richtung zeigen, um die Massen der Fans zu leiten; beispielsweise im Velodrom aufpassen, dass im Akkreditierten-Bereich ja nicht die „Olympische Familie“- und andere Toiletten verwechselt werden. Dass überhaupt so ein Unterschied gemacht wird, ist an sich schon eine Diskussion wert; dass aber vor jeder Eingangstür zu den VIP-Toiletten ein Volunteer stehen muss und das Fußvolk freundlich, aber bestimmt darauf hinweist, dass es seine Geschäfte doch bitte woanders verrichten soll – das ist wahrscheinlich genau das, was sich jeder dieser Volunteers erträumt hat, als er sich freiwillig für Olympia meldete! Sicherlich gibt es auch für Volunteers nicht nur „Traumjobs“, nicht jeder kann eine Tätigkeit gleich an der Wettkampfstätte, nahe an den Sportlern, zugesprochen bekommen. Aber Toiletten „bewachen“ ...?

Überholt?

Angesichts des Geldes, das mit Olympia gemacht wird und des Umsatzes, der in der Westfield Shopping Mall direkt am Olympia-Gelände generiert wird, sollten eigentlich alle Leute, die mit den Spielen zu tun haben, bezahlt werden. Die Volunteers genauso wie die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma an den Checkpoints, die McDonalds- und andere Catering-Mitarbeiter usw. Schließlich bekommen auch die an den Checkpoints amtierenden Soldaten ihren Sold.

Putzpersonal sei an dieser Stelle ebenfalls gesondert erwähnt, denn hier gab es vor den Spielen viele Gerüchte, dass dieses von den Organisatoren auf ziemlich erbärmliche Art und Weise untergebracht sei.

Apropos Unterkunft: Volunteers, die ja aus aller Welt kommen, wenn auch in der Mehrheit aus Großbritannien, suchen sich diese selbst und bezahlen sie selbst. Aufwandsentschädigungen gibt es nur für Anreise, Essen und Trinken (während der „Arbeits“-Zeit). Dazu die Freizeit, die alle diese stets super-freundlichen und meistens auch noch gut gelaunten Volunteers opfern: Sie alle verdienen höchsten Respekt, bekommen diesen auch von Sportlern und Fans entgegengebracht.

Nur „von ganz oben“ irgendwie nicht. Aber vielleicht liegt es auch einfach daran, dass die „Institution“ Volunteers heutzutage überholt ist. So ähnlich wie Amateur-Schiedsrichter und -Punktrichter etc. im Profi-Sport, der heutzutage – nicht nur bei Olympia – Millionen und Milliarden umsetzt.

(clc/London/Tageblatt.lu)