Schwimmen

18. Juni 2012 02:16; Akt: 18.06.2012 08:09 Print

Meynen krönte SL -Leistung mit LandesrekordMeynen krönte SL -Leistung mit Landesrekord

Die achte Auflage der offenen luxemburgischen Meisterschaften am Wochenende in der Coque auf Kirchberg wird nicht als Meilenstein in die Geschichte eingehen.

storybild

Julie Meynen ließ mit fünf Titeln aufhorchen. (Bild: Marcel Nickels)

  • Artikel per Mail weiterempfehlen

Der internationale Charakter fiel äußerst bescheiden aus, und aus Luxemburger Sicht zählten am Ende nur die Titel.

Vereinzelte Schwimmer aus Nordafrika und Osteuropa hatten das „8th Open Luxembourg Nationals“ als Qualifikationswettbewerb für die Olympischen Spiele oder die Junioren-EM gewählt, Luxemburg war die letzte Möglichkeit (siehe „T“ vom Samstag). Mehr als die eine oder andere B-Norm war aber nicht drin. B-Norm und Qualifikation zählten auch zu den anvisierten Zielen der FLNS-Schwimmer.

Ernüchterndes Ergebnis

Aber auch hier sollte es leider ein ernüchterndes Ergebnis geben. Die Hoffnungen verflogen quasi bereits in der ersten Partie des OLN am Samstagmorgen. Weder Sarah Rolko noch Fränz Schneiders schafften die B-Norm über 100 m bzw. 200 m Rücken. Der Wiltzer hatte sein Hoch bei der EM in Ungarn, wo er in einem langsamen Becken die Norm knapp verfehlt hatte. Für die SL-Schwimmerin war der Druck nach dem langen Tief, resultierend aus einer Verletzung, noch zu groß. Zumal ihr bewusst war, dass die OLN der letzte Pfeil im Köcher war.

Am Sonntag schrammte Sarah Rolko mit Meet-Rekord um 1''39 an der B-Norm über 200 m Rücken vorbei. Und damit war auch der letzte London-Traum ausgeträumt. Für die 17-Jährige geht es nach der Talsohle aber klar aufwärts, sie war ohne Hightech-Anzug noch nie so schnell. Das gleiche Missgeschick traf Jennifer Diederich (CNW), die über 50 m, 100 m und 200 m Rücken alles gab und die JEM-Pflichtzeit doch knapp verpasste.

Das Hauptaugenmerk richtete sich demnach auf die Landesmeisterschaften und die Titel. In dieser Hinsicht gebührt den FLNS-Schwimmern ein dickes Lob, denn sämtliche Kaderschwimmer nahmen am Championat teil und zeigten sich ihrem luxemburgischen Publikum. Das aber leider wieder einmal kaum Notiz davon nahm. Einige der Eliteakteure schwammen die OLN aus dem Training heraus, da sie sich im Aufbau für die kommenden internationalen Aufgaben befinden. Die Zeiten waren dementsprechend zweitrangig. Andere waren davor verletzt oder krank gewesen. Es gab aber auch viele Schwimmer, für die das Championat der letzte Höhepunkt und sogar Einsatz vor der Sommerpause war.

Carnol schnell ...

Nationaltrainer Ingolf Bender zeigte sich nach der Meisterschaft sehr zufrieden, besonders über die Leistung seiner Olympia- und JEM-Schützlinge. Den Umständen entsprechend war Raphaël Stacchiotti schon sehr schnell und holte sich inklusive zweimal Staffel fünf Titel.

Das gleiche Ergebnis erzielte sein SCDE-Klubkamerad Laurent Carnol, der schneller war als vor Jahresfrist bei der WM-Vorbereitung. Carnol ließ es sich denn auch nicht nehmen, „sein“ Rennen (200 m Brust) zu gewinnen. Auch die beiden JEM-Teilnehmer konnten die Erwartungen größtenteils bestätigen. Wobei Julien Henx (CNDü) seine Leistung nicht ganz abrufen konnte, weil er nach einer Krankheit antrat. Deshalb reichte es auch „nur“ zu zwei Sprinttiteln, weil die Kraft über mehr als 50 m fehlte.

Meynen und Rolko

Ganz im Gegensatz zu Julie Meynen, die mit ihrer Leistung beim Nationaltrainer Hoffnungen auf mindestens ein Halbfinale bei den JEM aufkommen ließ. Die Krönung neben ihren fünf Meisterschaften (ebenfalls zwei mit der Staffel) war, dass die SL-Schwimmerin über 50 m Kraul den Landesrekord unterbieten konnte, den Lara Heinz 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen geschwommen war. Und last but not least krönte Sarah Rolko ihre gute Leistung mit ebenfalls fünf Meisterkronen (zwei Staffeln).

Meynen und Rolko gehören einer SL-Damenmannschaft an, die bei diesen Meisterschaften alles in den Schatten stellte und (unabhängig von der Nationalität) 15 von 18 Titeln holte. Zehnmal stellten die Schwimmerinnen von Coach Christophe Audot dabei das komplette Podium mit Gold, Silber und Bronze. Zu dem erwähnten Duo muss man auch Monique Olivier erwähnen, die dreimal im Kraul Schnellste war, wegen ihrer südafrikanischen Nationalität konnte sie aber keinen Titel beanspruchen. Mit ihren 14 Jahren gehört sie aber zu den Nachwuchshoffnungen, genau wie die gleichaltrige Jil Einhorn, die über 100 m Brust leider disqualifiziert wurde, so dass es nur zum Sprint-Gold reichte. Jackie Banky hätte man ebenfalls eine JEM-Qualifikation zugetraut, die 16-Jährige konnte aber nicht ihr ganzes Potenzial abrufen, so dass es nur zur Titelverteidigung auf der Lage reichte. Dafür überraschte ihre Schwester Jeanne Banky mit dem Sieg über 100 m Delfin. Eine weitere Titelverteidigung gab es über 400 m Lagen, wo Manon van den Bossche nach nur sechs Wochen Training und zwei Knochenbrüchen in Folge die Leidenszeit vergessen machte. Mit zwei Meistertiteln feierte Aurélie Waltzing ein kleines Comeback, allerdings über die langen Strecken, dabei einmal im Delfin. Die kurzen Bruststrecken ließ die Differdingerin aus, wohlwissend, dass die Form nicht reicht. Über diesen Weg kam die Redingerin Lisa Picco, wie Einhorn, zu ihrem ersten Meistertitel.

... Schneiders auch

Bei den Männern gingen, wie erwähnt, dank Carnol/Stacchiotti acht Meistertitel nach Ettelbrück. Je drei Siege gingen nach Diekirch und Wiltz, wobei es für den Deutschen Stefan Fandel nur zum Verbandstitel reichte. Der CNDie-Schwimmer wird aber immer schneller und könnte ein Kandidat für die JPEE 2013 sein.

Trotz verpasster Olympia-Norm war Jean-François Schneiders schnell im Kirchberger 50-m-Becken unterwegs und ließ erst gar keine Zweifel an einer dreifachen Titelverteidigung auf dem Rücken aufkommen.

Schwach besetzt

Die letzten beiden Siege gingen auf das Konto von Thibaut Lionel Le Dallour; weil der 24-Jährige aber Franzose ist, reichte es auch hier nur zum „champion fédéral.“ Insgesamt gingen über diesen Weg also acht Meistertitel „verloren“. International waren die Open schwach besetzt. Die FLNS-Akteure konnten im Gegensatz zu den vergangenen Jahren viele Siege verbuchen und gaben nur wenige Podiumsplätze ab. Vor allem quantitativ fehlte es dem Meeting an Zündstoff. Das will aber nicht heißen, dass die Esten, Litauer, Rumänen Nordafrikaner usw. langsam waren. Alle verpassten sie zwar die angestrebte olympische A-Norm, allerdings fielen den Bemühungen wie im Vorjahr 22 Meet-Rekorde zum Opfer.

Erwähnt seien in diesem Sinn Oussama Sahnoune (ALG), Norbert Trandafir (ROM), Mindaugas Sadauskas (LTU), Ahmed Mathlouthi (TUN), Bogdan Knezevic (SRB) sowie Andres Olvik (EST) mit vier Rekorden, Titenis Giedrius (LTU) mit drei und Alona Riboka (2, LAT) als einzige Frau. Aber auch die Luxemburger mischten bei diesen Höchstleistungen gut mit, mit sechs Meet-Rekorden von Laurent Carnol (1), Julie Meynen (2) und Sarah Rolko (3).

Alle internationalen Ergebnisse sind auf www.flns.lu zu finden.

( Marc Biwer/Tageblatt.lu)