Jahreshauptversammlung, same procedure as every year (James)? – Allzu nüchtern betrachtet: ja – doch diese Sichtweise würde der Philosophie des “Sport a Fräizäit Zéisseng” in keiner Weise gerecht. Der SaF ist nämlich anders. Der Cessinger Radsportclub strebt weiter nach vorn, geht seinen Weg mit einem optimistischen Engagement, das so gar nicht in das Bild einer heute oft kriselnden Vereinswelt passt.

Von Guido Romaschewsky

Seinen Anteil daran hat Claude Losch, seit nun schon zwölf Jahren der Mann an der Spitze des Clubs: Der stets souverän und aufgeschlossen wirkende Präsident ist Visionär und Motor einer erfahrenen Vorstands-Equipe, die seine Ideen teilt und umsetzt. So konnte der SaF, der bereits vor der Ära Losch gut aufgestellt war und Erfolge feierte – als Beispiel sei nur Ex-Profi Christian Poos genannt –, in noch andere Dimensionen vorstoßen. Der Vorsitzende hat mit seinem Team alle Weichen gestellt, damit im Windschatten der aktuellen Top-Fahrerin Christine Majerus (deren Erfolge und Titel seit Jahren die Zeitungsspalten füllen) eine neue Generation vielversprechender Nachwuchs-Radsportlerinnen heranreifen kann.

So wurde 2018 das Women Cycling Project ins Leben gerufen. Vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung ist die Schaffung des Development-Teams Andy Schleck Cycles – Immo Losch, das gerade offiziell vorgestellt wurde und in dem drei luxemburgische Radsport-Hoffnungen Aufnahme fanden: Anne-Sophie Harsch (19), Espoirs-Meisterin 2018 im Straßenrennen und Zeitfahren, Elise Maes (27), Vizemeisterin 2018 der Elite, und die 20-jährige Claire Faber. Unter dem Impuls von Jimmy Wagner und Michel Zangerlé, Clubtrainer und Erfolgscoach von Christine Majerus, entstand die Initiative, den luxemburgischen Fahrerinnen im bis dato männerdominierten Radsport die Möglichkeit zu geben, sich über die Nationalkader hinaus zusammenzutun, gemeinsam zu trainieren und Rennen zu fahren. Weitere erfolgreiche Frauen in den Reihen der Cessinger waren im abgelaufenen Jahr Pia Wiltgen und Carmen Coljon – um nur diese zu nennen.

“Déclic” Elsy Jacobs

Ein wichtiges Element dieser ganzen Entwicklung war zweifelsohne die “Wiederentdeckung” der luxemburgischen Straßenrad-Weltmeisterin von 1958, Elsy Jacobs, nach der zunächst eine “Randonnée” für Freizeitfahrer (auch dieses Jahr wieder am 1. Mai in Garnich) und ein internationales Tagesrennen für Damen benannt wurden. Heute ist das Festival Elsy Jacobs eine der wichtigsten Radveranstaltungen in Luxemburg. Die diesjährige Ausgabe, bei der sich die besten einheimischen Fahrerinnen wieder mit einem Weltklasse-Feld messen werden, findet vom 10. bis 12. Mai in Cessingen, Steinfort und Garnich statt.

Losch ist ein gutes “Equiliber” im Verein wichtig und er verbindet damit u.a. den Wunsch, dass sich mehr Frauen ins Komitee des SaF melden sollten. Dort ist Marie-Rose Moro in der Tat bislang die einzige Dame. Vorerst bleibt es dabei, aber immerhin meldeten sich jetzt drei “Neue” (Pierre Johanns, Tom Losch und Roland Wolff), um den Vorstand auf 19 Mitglieder zu erweitern und auch etwas zu verjüngen – dies ebenfalls ein Anliegen des Präsidenten. Ganz in diesem Sinne hat er nun in Dan Mangers auch einen sehr jungen “Vize”.

Gezielte Förderung

Erfolge kommen nicht von ungefähr, sondern verlangen einen langfristigen Aufbau von Kindesbeinen an. Zunächst spielerisch, später zielgerichtet. Die Rahmenbedingungen hierfür sind beim SaF optimal: Die “Vëlosschoul” unter Leitung von Tom Losch vermittelt den Jüngsten (aktuell 16 Jungs und Mädchen ab 8 Jahren) die Grundelemente des Radfahrens – Mechanik-Kunde inklusive. Anschließend begleiten Maurice Hellers, Michel Zangerlé und ihr Trainerstaff den weiteren Werdegang der Nachwuchssportler durch alle Alterskategorien mit mehreren Trainings pro Woche, Lehrgängen sowie bei den Renneinsätzen. 47 Fahrerinnen und Fahrer des Clubs haben eine Rennlizenz.

Die nötige Trainingsinfrastruktur ist vorhanden, wobei der SaF bei der Schaffung des neuen Bike-Parks am Stade Boy Konen auf die Unterstützung der Stadt Luxemburg zählen konnte. Regelmäßig nutzt der Club zudem den Circuit Josy Mersch im “Zéissenger Bësch”, wo schon seit vielen Jahren jeweils Ende November die Cyclocross-Rennen des Vereins ausgetragen werden. Zu den festen Rendezvous gehört des Weiteren das Straßen-Rennfestival Ende August, das letztes Jahr erneut großen Zuspruch fand.

Der dritte Buchstabe im Vereinsnamen, das “Freizeit-F”, hat mehrere Facetten. Die sportlichste davon sind die Radtourenfahrer: So strampelten die 51 “Cyclotouristen” des SaF 2018 insgesamt 29.700 offizielle Kilometer und verbesserten sich in der FSCL-Verbandswertung auf Platz 9 unter 37 Vereinen. Das Gros bildeten die “Randonnées” und “Rallyes” auf der Straße, 873 Kilometer entfielen aufs Mountainbike, wo mit Rang drei der Sprung aufs Podium gelang. Bester Einzelfahrer war mit 6.381 km Lex Schroeder.

“Fräizäit am SaF”, das bedeutet aber auch Ausgleichssport wie u.a. Volleyball sowie wöchentliche gesellige Abende. Nicht zu vergessen natürlich die ganze Freizeit, die zahlreiche Mitglieder in die Arbeit für den Club stecken – ob als Vorstandsmitglieder oder ehrenamtliche Helfer im Rahmen der vielen Vereinsveranstaltungen. All ihnen, ohne die ein so vielseitig ambitionierter Verein nicht funktionieren kann, galt der abschließende herzliche Dank eines zufriedenen Präsidenten.

Drei Fragen an … Claude Losch, Präsident des SaF Zéisseng

Was ist das Besondere am SaF, was unterscheidet ihn von anderen Radclubs?
Der SaF ist nicht nur „Vëlosveräin“, er ist eine Philosophie. Und für die meisten von uns so etwas wie eine zweite Familie. Wir möchten über den Club und den Sport Werte fürs Leben vermitteln: Toleranz, Verantwortung und Solidarität. Erfolge sind schön, aber Podiumsplätze sind nicht das Wichtigste; wichtig ist, die Konkurrenten zu respektieren, die Arbeit eines jeden zu würdigen.

Sie sind seit 12 Jahren Präsident. Was hat sich in dieser Zeit verändert und was konnten Sie bewegen?
Der Verein war zu meiner Amtsübernahme intakt und hatte auch schon vorher große Erfolge gefeiert. Nur war der SaF bei anderen Clubs nicht immer beliebt und wurde etwas neidisch beäugt. Es gab manchmal auch Querelen mit der FSCL.

Das ist heute nicht mehr der Fall, wir arbeiten gut und im gegenseitigen Respekt mit den anderen Clubs und dem Verband zusammen. Wir haben ein gutes Verhältnis mit den zuständigen Ministerien, den Gemeinden, wo wir unsere Veranstaltungen austragen, eine gute „Entente“ mit der Stadt Luxemburg, treue Sponsoren. Mein Motto lautet: „Et ass besser, mat de Leit ze schaffe wéi géint se“. Vielleicht hat das was damit zu tun. Im Verein sehe ich mich in erster Linie als Motivator. Wir haben im SaF viele Leute mit guten Ideen – sie sollen sie umsetzen können. „Leit, déi gutt schaffen, déi léisst ee schaffen.“

Der Einsatz Ihres Clubs für den Frauenradsport trägt beachtliche Früchte. Gibt es jetzt Nachholbedarf im männlichen Bereich?
Wir wollen die Chancen der radbegeisterten Mädchen und Frauen verbessern, ihnen bessere Trainings- und Wettkampfbedingungen bieten, als das früher der Fall war – mit Erfolg, wie man sieht. Aber die Jungs werden darüber keineswegs vernachlässigt. Auch da werden wir eines Tages wieder Talente hervorbringen, die aufs Podium fahren. Und es wird eine schöne Bestätigung für unser ganzes Trainerstaff sein, wenn es einer unserer Fahrer ins „Team Lëtzebuerg“, zu Leopard oder ins Differdinger Team schafft.

 

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