Platz 2 in Cholet und Platz 3 in St-Amand-Montrond: Es sind diese beiden Zahlen, die das olympische Einzelzeitfahren am heutigen Mittwoch aus Luxemburger Sicht so interessant machen. Denn in der Tour de France hat Kim Kirchen gezeigt, dass er inzwischen zu den starken Männern im Kampf gegen die Uhr zu zählen ist.

Aus Peking berichten Philip Michel (Texte) und Roland Miny (Fotos)

Ob er allerdings so stark ist, um zu den Medaillen-Kandidaten zu zählen, wird sich erst herausstellen müssen. Und zwar ab 15.37 Uhr und 30 Sekunden (9.37 MESZ), wenn Kirchen als 30. der 39 Konkurrenten eineinhalb Minuten hinter Wladimir Karpets (RUS) und eineinhalb Minuten vor Gustav Larsson an den Start geht.
Zu absolvieren haben die Fahrer zwei Runden auf dem Schlussparcours des Straßenrennens vom Samstag, also insgesamt 47,6 sehr selektive Kilometer. Die Eindrücke von vor vier Tagen ließen beim 30-jährigen Luxemburger nicht unbedingt den Optimismus steigen. Die brutalen klimatischen Bedingungen hatten Kirchen zugesetzt, aber auch die offensichtlich starke Form der Konkurrenten gab dem Columbia-Profi zu denken: „Leute, die im Zeitfahren gut sind, sind hier vor mir angekommen, so dass meine Chancen eher gering sind“, so Kim Kirchen am Samstag.
Für den Rammeldinger hatte es lediglich zum 46. Platz mit einem Rückstand von 2:51 Minuten auf Sieger Samuel Sanchez gereicht. In der letzten Runde hatte die Kraft nicht mehr gereicht, um im Spitzenfeld zu bleiben. Auf der anderen Seite war Kirchen in der Ausreißergruppe und forcierte gegen Ende des Rennens nicht mehr, wusste er doch, dass Andy Schleck ganz vorne um den Sieg mitfuhr. Die Gretchenfrage aber bleibt: Hat Kim Kirchen nach seiner ebenso langen wie erfolgreichen Saison auf dem schweren Kurs und bei schwierigen Witterungsbedingungen noch genügend Substanz, um eine Top-Platzierung herauszufahren?
Zumindest werden die Hitze und die Luftfeuchtigkeit eine geringere Rolle als noch am Samstag spielen. In Peking ist es seit dem Regen vom Sonntag merklich abgekühlt. So sind für heute 13.00 Uhr 28° Celsius gemeldet und vor allem eine für hiesige Verhältnisse fast schon lächerliche Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent.
Dass die Strecke selektiv ist, kommt Kirchen eher entgegen als den reinen Zeitfahrspezialisten, denn heute ist ein guter Tempobolzer mit Kletterqualitäten gefragt. Also ein Alberto Contador, Levi Leipheimer, Cadel Evans, Denis Mentschow oder ein Santiago Botero. Die Spezialisten Fabian Cancellara und Michael Rogers haben unterdessen bereits am Samstag gezeigt, wie stark sie auf dieser Strecke unterwegs sein können. Dazu kommen noch eine Menge Fahrer, die wie Contador am Samstag Kräfte schonten und im Laufe der rund 250 Kilometer aufgaben: Allen voran der Deutsche Stefan Schumacher, Gewinner beider Zeitfahren bei der Tour. Aber auch zum Beispiel der US-Amerikaner David Zabriskie oder Laszlo Bodrogi aus Ungarn.
Über fehlende Konkurrenz kann sich Kim Kirchen also wahrlich nicht beschweren.