CHEV Diekirch ist dabei, den Handball auch wieder im Norden Luxemburgs auf die Landkarte zu setzen. Der Verein hat endlich wieder die Titelgruppe erreicht und will langfristig vom momentanen Aufwind profitieren.

Von unserem Korrespondenten Fernand Schott

Am letzten Spieltag der Qualifikationsrunde der Meisterschaft 2018-2019 machte nach langer Zeit wieder ein Verein Schlagzeilen, der über Jahre hinweg die Handballgeschichte hierzulande mitgeschrieben hat: CHEV Diekirch. Er feierte gegen den stärksten Konkurrenten im Kampf um Platz sechs, Schifflingen, einen klaren 31:24-Sieg und zog damit nach langen Jahren der Abstinenz wieder in die Titelgruppe ein.

Und das hochverdient. Nicht nur, dass sich die Diekircher in allen Partien gegen die Mitkonkurrenten um Platz sechs recht sicher durchsetzen konnten, auch einige Titelkandidaten wie der HBD, Berchem und besonders die Red Boys mussten heftig ackern, um sich gegen die wiedererstarkten “Nordisten” durchzusetzen. Ein schöner Erfolg der Mannschaft um den dynamischen Präsidenten und früheren Nationalspieler Frank Link, der Anfang dieser Saison die Geschicke des Vereins übernommen hat. Nachdem es lange ruhig geworden war um den Traditionsverein im Norden, ist dies ein schöner Erfolg, der Hoffnungen weckt und zur Motivation der Mannschaft, aber auch der jungen Führungsgarde um Frank Link beitragen wird.

Bitterer Gang in die Ehrenpromotion 

Dabei gehörten die Diekircher über Jahre zu den Spitzenmannschaften des Landes. Der 1964 gegründete Verein konnte in den Neunzigerjahren seine größten Erfolge feiern. 1990 holte Diekirch erstmals den Pokal in den Norden und drei Jahre später war auch der erste Landesmeistertitel unter Dach und Fach und man konnte sich in der Champions League auf den damaligen deutschen Meister Wallau-Massenheim freuen. Übrigens schaffte Diekirch zwischen 1988 und 2005 regelmäßig die Qualifikation für einen der Europapokalwettbewerbe.

Doch dann begann eine schwierige Zeit. Gegen die finanzstärkeren Vereine aus dem Süden hatten die “Nordisten” keine Chance und so mussten sie nach 30 Jahren Nationaldivisionszugehörigkeit im Jahr 2011 den bitteren Gang in die Ehrenpromotion antreten. Nach einigen Jahren als Fahrstuhlmannschaft scheint diese schwierige Phase überwunden und der Präsident ist zuversichtlich gestimmt: “Wir hatten diesmal eine glückliche Hand bei unseren Neuzugängen. Auch unser neuer Trainer Adam Szulc hat hervorragende Arbeit geleistet und die Mannschaft hat mitgezogen, was natürlich enorm wichtig war. Man braucht nur die Resultate zu analysieren um festzustellen, dass wir im Laufe der Saison immer besser wurden und immer näher an die Topmannschaften heranrückten.”

Lust auf mehr

Diese Erfolge machen natürlich Lust auf mehr und man darf gespannt sein, wie der CHEV sich in der Titelgruppe schlagen wird. “Natürlich sind wir happy, dass wir uns weiter mit den Spitzenteams messen können, was uns sportlich sicherlich weiterbringen wird. Und wenn uns die eine oder andere Überraschung gelingen würde, wäre das super. Denn dieses Vorstoßen in die Titelgruppe hat eine neue Dynamik im Verein ausgelöst. Und zwar nicht nur bei den Spielern, sondern auch im Führungsgremium und bei den Zuschauern. Und von diesem Aufwind, der zurzeit im Verein herrscht, wollen wir maximal profitieren”, so Frank Link weiter.

Wichtig für den Klub ist es jetzt, diese Leistung zu stabilisieren. Für diese Saison ist das Ziel erreicht, nun kann die Mannschaft ohne Druck aufspielen und versuchen, die “Großen” zu ärgern. “Ja, durch die guten Ergebnisse hat sich die Mentalität geändert. Wurden anfangs der Saison Niederlagen gegen die Topmannschaften als normal betrachtet, so hat sich dies geändert und die Spieler waren nach den letzten knappen Niederlagen enttäuscht. Mehrfach haben wir in einigen Partien lange Zeit geführt, am Ende sollte es dann trotzdem knapp nicht reichen. Ich bin überzeugt, dass die jetzt gewonnene Erfahrung helfen wird, auch mal so eine Spitzenpartie zu unseren Gunsten entscheiden zu können”, sagt der Ex-Nationalspieler.

Perspektiven bieten

Trotz dieser guten Voraussetzungen bleibt der Präsident vorsichtig und auf dem Teppich: “Wir sind uns bewusst, dass wir nicht die finanziellen Möglichkeiten haben wie andere Vereine. Deshalb ist mein Hauptziel, dafür zu sorgen, dass wir unsere aktuellen Spieler halten können.” Deswegen setzen Link und sein Vorstand auf Zusammengehörigkeitsgefühl und versuchen, den Spielern Perspektiven zu bieten. “Deshalb kommt in den kommenden Wochen noch viel Arbeit auf unseren Vorstand zu. Wir genießen natürlich diesen Erfolg, werden jedoch nichts überstürzen und versuchen, einen Schritt nach dem anderen zu machen um den Klub zu stabilisieren.”

Es wäre den Diekirchern zu gönnen, wenn sie in Zukunft die guten Leistungen dieser Saison bestätigen könnten, denn schließlich ist es auch im Sinne des luxemburgischen Handballs, wenn der Norden mit einem starken Verein in der obersten Liga vertreten ist. Und vielleicht sind sie auf dem besten Weg, wieder das im Süden so gefürchtete Bollwerk in dieser Region zu werden.

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