Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß hat den deutschen Fußball jahrzehntelang geprägt. Nun geht eine Ära zu Ende, doch in den Ruhestand wird der 67-Jährige noch längst nicht treten.

Gerade mal zwei Stunden verbringt Uli Hoeneß an seinem ersten Arbeitstag als neuer Manager von Bayern München in seinem Büro an der Säbener Straße. „Dann bin ich nach Hause gegangen, weil keine Arbeit da war“, erzählt er schmunzelnd im Rückblick auf jenen 1. Mai 1979. Doch es bleibt nicht lange so. Hoeneß, damals gerade 27, packt kräftig an und krempelt den Verein auf links. Aus einem wirtschaftlich wenig erfolgreichen Klub entwickelt Hoeneß ein weltweit beachtetes Fußball-Unternehmen.

Am 15.11. geht diese einzigartige Ära bei der Jahreshauptversammlung nach 40 Jahren zu Ende – zumindest offiziell. „Ich glaube“, sagt er heute stolz, „das Ergebnis ist so schlecht nicht.“ Der FC Bayern wäre ohne Hoeneß „nicht das, was er heute ist“, würdigt „Kaiser“ Franz Beckenbauer seinen Weggefährten. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bezeichnet Hoeneß als „Pionier“. Er sei „umtriebig, schlau und erfinderisch“.

„Vater Teresa“ und „Raubritter“

Das ist Hoeneß. Er prägt den Rekordmeister und den deutschen Fußball wie kein anderer. Er polarisiert, liefert sich legendäre Kämpfe mit Christoph Daum oder Willi Lemke, er wird als „Raubritter“ beschimpft, ist die „Abteilung Attacke“, ein Mann der Gegensätze: hier mit hochrotem Kopf polternd und fordernd, dort fürsorglich und hilfsbereit wie kein Zweiter. Er sei der „Vater Teresa vom Tegernsee“, witzelt er einst. Der Metzgerssohn aus Ulm hat Visionen – und setzt sie erst als streitbarer Manager, dann als Präsident beharrlich um. Er sei kein „Besserwisser, sondern ein Bessermacher. Ich wollte den FC Bayern nach oben bringen, um jeden Preis“, sagt er, bis auf „meine Steuergeschichte“ habe er dabei „nicht so viele gravierende Fehler gemacht“.

Es gibt in Hoeneß’ bewegtem Leben, das 1982 bei einem Flugzeugabsturz fast schon vorbei gewesen wäre, nur wenige Dinge, die ihn zweifeln lassen: wie die Daum-Affäre im Jahr 2000. „Da hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, ich weiß nicht mehr weiter“, erzählt er. Was ihn am Ende rettet, ist die „wahnsinnige Entscheidung“ von Christoph Daum, sich einer Haarprobe zu unterziehen. Dieses Spiel gewinnt Hoeneß noch, doch bei seiner eigenen Steuer-Affäre nimmt sein Ansehen dauerhaft Schaden.

Steuerhinterziehung

„Wegen sieben tatmehrheitlicher Fälle der Steuerhinterziehung“ wird er 2014 zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. „Ich fühlte mich in diesen Tagen auf die andere Seite der Gesellschaft katapultiert, ich gehöre nicht mehr dazu. Ich mache mir riesige Vorwürfe. Ich habe Riesenmist gebaut“, sagt Hoeneß danach, „aber ich bin kein schlechter Mensch“.

Nach seiner Haftentlassung mischt Hoeneß sich schnell in gewohnter Manier ein – und das wird wohl auch nach seinem Abschied als Präsident und Aufsichtsratschef so bleiben. Er werde, kündigt er bereits an, „die Abteilung Attacke wieder ausfahren. Immer, wenn ich Unsachliches höre und sehe, werde ich den Verein wie eine Glucke bewachen.“ Es ist das Lebenswerk von Hoeneß.

(SID)

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