Der 51-jährige Riccardo Trillini hat in Italien eine ganze Reihe Mannschaften trainiert, sowohl Damen als auch Herren. Vier Meistertitel und vier Pokalsiege in Italien stehen in seinem Palmarès. Aber auch ein Meistertitel und zwei Pokalsiege konnte er hier in Luxemburg mit Käerjeng feiern. Wir haben uns mit dem Meistertrainer über die luxemburgische Meisterschaft, seinen Wechsel und seine zukünftigen Pläne unterhalten.

Tageblatt: Wir müssen natürlich über deine Zukunft sprechen. Du wirst ab Juni Nationaltrainer in Italien.

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Riccardo Trillini: Nationaltrainer in meinem Heimatland zu werden, ist schon ein kleiner Traum und eine große Herausforderung für mich. Ich weiß, dass schon seit geraumer Zeit mein Name im Verband zirkuliert, dass es nun Wirklichkeit wurde, hat mich gefreut und auch ein bisschen stolz gemacht.

Haben die Länderspiele zwischen Italien und Luxemburg die Entscheidung beeinflusst?

Das ist durchaus möglich. Die Italiener haben endlich eingesehen, wie hoch das Niveau in Luxemburg ist und wie schwer es ist, in einem solchen Umfeld erfolgreich zu arbeiten. Ich hatte schon damals dem Verbandspräsidenten gesagt, dass Italien zwar größer ist, dass aber hierzulande in der Meisterschaft besserer Handball gespielt wird.

Hättest du nicht die beiden Posten ausfüllen können, da die italienische Nationalmannschaft immer nur kurz vor ihren Spielen zusammenkommt?

Nein, das wollte ich nicht. Es war klar, dass ich diesen Posten nur übernehmen würde, wenn ich hauptberuflich tätig sein könnte. Ich will abwechselnd in allen Regionen Sichtungstrainings abhalten. Wir werden mit den Nationalspielern regionale Lehrgänge veranstalten, auch mit den Jugendkadern. Nur eine kontinuierliche Arbeit kann zum Erfolg führen. Auch werden die Vereinstrainer mit ins Boot genommen, die mit den Nationalspielern zusätzliche Aufgaben erfüllen müssen. Wir wollen die Arbeitszeit der Nationalspieler verdoppeln.
Außerdem werde ich versuchen, die Nationalspieler im Ausland unterzubringen. Sie müssen mehr gefordert werden, und das ist mit dem aktuellen italienischen Meisterschaftsmodus nicht möglich. Hierzulande haben die Nationalspieler durch die starken ausländischen Spieler deutlich mehr Konkurrenz, das ist in Italien nicht der Fall. Es mangelt einfach an Intensität in der italienischen Meisterschaft und das werden wir versuchen, zu ändern.

Wirst du auch versuchen, einige Spieler an luxemburgische Vereine zu vermitteln?

Ja, natürlich (lacht), und wenn ich genügend Spieler in luxemburgischen Vereinen unterbringen kann, könnte ich meine Lehrgänge in Luxemburg abhalten. Aber Spaß beiseite, wenn ein Verein interessiert ist, kann ich gerne weiterhelfen.

Wirst du Luxemburg vermissen?

Ich hatte eine super Zeit hier in Käerjeng und eine fantastische Zusammenarbeit mit meinem Präsidenten. Eigentlich konnte ich mir nicht vorstellen, den Verein zu verlassen. Doch diese Gelegenheit war einmalig und ich konnte sie nicht ausschlagen. Ich muss aber zugeben, dass es mir schwerfällt, die luxemburgische Handballszene zu verlassen.
Es ist schon sehr emotional, denn nirgendwo anders hatte ich eine solch familiäre Atmosphäre kennengelernt. Wenn ich mit meinen Spielern in den Kraftraum ging, haben wir Spieler von anderen Vereinen getroffen. Wir haben zusammengearbeitet, zusammen geplaudert und zusammen gelacht. Das ist einmalig in der Sportwelt, diese Freundschaft gibt es nur hier.

Auch die Beziehung mit der Presse hat hierzulande etwas Besonderes. Hier sehen wir uns fast wöchentlich, in Italien triffst du einen Journalisten vielleicht alle sechs Monate. Und in welchem Verband siehst du den Präsidenten oder den Generalsekretär bei der Organisation eines „Events“ mithelfen, wie das beim Final Four der Fall war? All das werde ich vermissen.

Fernand Schott