In unserer Rubrik “Auf den Punkt mit” fühlen wir Akteuren aus der BGL Ligue auf etwas andere Art auf den Zahn. In dieser Woche geht der Petinger Artur Abreu auf Johann Cruyff, Luc Holtz und eine mögliche Trainerkarriere ein. 

Tageblatt: Sie wurden von Ihrem früheren Trainer Marc Thomé vor einigen Jahren in Differdingen als “junger Johan Cruyff” bezeichnet. Welche Gemeinsamkeiten gibt es?

Artur Abreu: Ich erinnere mich noch an den Moment, als ich das zum ersten Mal in der Zeitung gelesen haben. Damals haben die Leute den Coach wegen dieser Aussage für verrückt erklärt und sich über ihn sich lustig gemacht. Ich selbst habe Cruyff ja nie spielen gesehen, aber ich habe mir schon viele Videos im Internet angesehen. Er war schnell, beidfüßig und hatte eine ganz besondere Art, sich zu präsentieren. Ich habe eigentlich nie viel auf solche Zeitungsartikel und Aussagen reagiert, es waren dann eher meine Mitspieler, die mich im Training plötzlich auch Cruyff genannt haben. 

Anders als Cruyff müssen Sie noch auf Ihr Länderspiel-Debüt warten. Fällt es Ihnen derzeit schwer, geduldig zu bleiben?

Nein, ich mache mir deswegen keinen Stress. Die Entscheidung des Nationaltrainers Luc Holtz respektiere ich. Das Einzige, was ich tun kann, ist, weiterhin gute Leistungen zu bringen und meiner Mannschaft, der UT Petingen, weiterzuhelfen. Dann werde ich meine Chance bekommen. Ein Gespräch mit dem Nationaltrainer hatte ich noch nicht. Vor dem 0:0 gegen Frankreich war ich eine Woche in Lipperscheid beim Trainingslager dabei. Aber als die Profis dazugestoßen sind, wurden fünf Spieler nach Hause geschickt. Ich war einer von ihnen. Ein Gespräch mit dem Trainer gab es nicht. Wenn Dan da Mota in ein paar Jahren die Schuhe an den Nagel hängt, könnte ich seinen Platz einnehmen. 

Im Internet hat man nach der Bekanntgabe der letzten Liste von Luc Holtz viele Pro-Abreu-Kommentare lesen können. Wie gehen Sie damit um?

Mir ist es wichtiger, mich auf meine Saison zu fokussieren. Ich habe die Kommentare gelesen. Viele Leute haben meine Leistungen beobachtet und glauben an mich. Trotzdem will ich daraus keine große Geschichte machen. Ich respektiere die Entscheidung der FLF, denn immerhin leistet der Trainer gute Arbeit. 

Haben Sie gemerkt, dass man nach Ihrer Rückkehr aus Guimarães andere Erwartungen an Sie gestellt hat?

Ja, und ich denke, dass das normal ist. Ich bin aus einer anderen Welt zurückgekehrt. Einige haben gedacht, dass ich deswegen drei Tore pro Spiel machen müsste. Das war damals nicht einfach, aus dem Profibereich zurückzukommen, denn die Bedingungen sind unterschiedlich. In Portugal wurde zweimal täglich trainiert, es herrschte eine ganz andere Intensität. Mittlerweile hat sich Petingen stark professionalisiert. Morgens trainieren ungefähr 12 oder 13 Spieler, je nachdem, wie viele Schüler gerade keinen Unterricht haben. 

Derzeit genießen Sie in Petingen ebenfalls den Profi-Status. Haben Sie sich bereits Gedanken über das “Leben danach” gemacht?

Ich habe mir schon ein paar Gedanken gemacht, aber da gibt es noch nichts Konkretes. Ich könnte mir vorstellen, irgendwann Trainer in Petingen zu werden.

Ist die Tür in Guimarães definitiv zu für Sie?

Ich denke schon. Es ist leider so, dass Luxemburg nach wie vor nicht gerade als Anlaufstelle für potenzielle Profis angesehen wird. Ein portugiesischer Erstligist würde nicht nach Luxemburg kommen, um jemanden für die erste Elf zu rekrutieren. Man muss da einfach ehrlich sein. Zudem bin ich mit 25 Jahren nicht mehr der Jüngste. Ich glaube trotzdem noch immer daran, dass sich eine andere Tür ins Profigeschäft öffnen kann. Ich weiß ja selbst, dass ich die Qualitäten dafür besitze. Klar ist allerdings auch, dass ich nicht im Winter wechseln würde. Ich möchte Petingen nicht im Stich lassen. Dass ich derzeit so erfolgreich bin, verdanke ich dem Verein.

Wie wurde Ihr Transfer von Differdingen nach Petingen damals kommentiert?

Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Präsident Fabrizio Bei war nicht gerade zufrieden, zumal Petingen und Titus in der besagten Saison fusionierten. Es gibt eine Rivalität zwischen den Teams. Aber es war damals nicht meine Schuld, dass ich nicht in Differdingen geblieben bin. Im Gegenteil, ich wäre gerne dort geblieben, bei Marc Thomé und dem Verein, der mich ausgebildet hat. Thomé hat damals auf mich gezählt. Als ich das erste Mal bei D03 auf der Bank saß, hat er mich auf der “Grenz” nach 30 Minuten eingewechselt. Das vergisst man nie. In der Rückrunde kamen die Petinger auf mich zu. Mein Vertrag lief aus und wurde meiner Meinung nach damals nicht früh genug verlängert. Da ich damals eine Arbeit als Sicherheit gebraucht habe, bin ich gewechselt. Ich möchte betonen, dass ich absolut keine Probleme mit D03, Herrn Bei oder sonst jemandem habe. Es war damals schon ein wenig traurig für mich.

Ein gängiges Problem vieler Leute in der BGL Ligue dürfte die Aussprache Ihres Namens sein. Nervt es Sie eigentlich, dass jeder Sie “Abrö” statt “Abre-uh” nennt?

(lacht) Ja, ich weiß … Aber das ist normal. Im Luxemburgischen gibt es eine andere Betonung. Ich lache meist darüber. Die Menschen machen das ja nicht, um sich lustig zu machen. Ich habe auch kein Problem damit, dass jemand mich einfach nur Artur nennt.

Haben Sie in Ihrer Kindheit eigentlich oft davon profitiert, dass ihr Zwillingsbruder Antonio genauso aussieht wie Sie?

Diese Frage wurde uns schon oft gestellt, da wir uns wirklich sehr ähnlich sehen. Obschon es wahrscheinlich möglich gewesen wäre, haben wir das aber nie getan. 

Während er sich auf die Futsal-Karriere konzentriert, fühlen Sie sich auf dem Rasen wohl. Wer von Ihnen beiden ist denn der beste Techniker?

Technisch bin ich wohl besser, mir gelingen nämlich viel öfter “petits ponts” als ihm. Er dagegen hat einen guten Schuss. Futsal mag ich eigentlich auch sehr gerne und ich fühle mich in der Halle wohl. Auf dem Rasen muss man physisch viel besser drauf sein, die Distanzen sind eben viel größer. In der Halle geht es dagegen um Schnelligkeit und Show. Man wird schneller müde, auch da man sich auf engstem Raum befindet, weshalb viel gewechselt werden muss. Der Verein sah es eigentlich nie gerne, wenn ich im Winter in der Halle spielte – wegen des Verletzungsrisikos. Vor zwei Jahren habe ich deshalb komplett aufgehört. 

Werden Sie nach dem Ende der Rasen-Zeit in die Halle wechseln?

Viele Freunde haben mich bereits darauf angesprochen. Ich kann es mir durchaus vorstellen. Racing oder Differdingen wären mögliche Teams, zu denen ich gehen würde, da ich dort viele Kumpels habe. Aber das wäre auch nur der Fall, wenn ich nicht Trainer in Petingen werde …

Sie stehen seit zwei Spieltagen zum ersten Mal in Ihrer Karriere an der Tabellenspitze der BGL Ligue. Wie fühlt es sich an, Leader zu sein?

Ehrlich gesagt ist es schon ein wenig komisch, da sich das wohl niemand von uns erwartet hätte. Es tut gut, es den Menschen gezeigt zu haben, die uns unterschätzt haben. Wir müssen trotzdem mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben. Wenn wir weiter gewinnen wollen, muss jeder alles aus sich herausholen. Wir sind eigentlich jetzt die Mannschaft, die für uns früher der F91 Düdelingen darstellte: das Team, gegen das jeder gewinnen will. 

Drei Fragen zum Wochenende

Ettelbrück durchlebt derzeit eine komplizierte Phase. Was erwartet Petingen?

Trotz ihrer schlechten Phase ist es ein heimstarkes Team. Sie stehen kompakt, sind aggressiv und haben Spieler in den Reihen, die eine Entscheidung herbeiführen können. Ich schätze mal, dass sie uns Schwierigkeiten bereiten könnten.

In der letzten Saison ging UT Petingen im “Däich” als Verlierer vom Platz. Was war passiert?

Das kann man als kleines, internes Problem beschreiben. Für uns war die Saison gelaufen, während es für Ettelbrück noch um den Klassenerhalt ging. Der Trainer hat einigen Junioren Spielzeit geschenkt, während andere mit dem Kopf nicht mehr bei der Sache waren.

Warum wird UTP auch am Sonntagabend noch Tabellenführer sein?

Wenn wir in Ettelbrück konzentriert auftreten, werden wir Leader bleiben. Außer Artur macht kein Tor (lacht). Ich habe eine Wette am Laufen. Mit wem, darf ich nicht sagen. Aber wenn ich in dieser Saison zwischen 15 und 20 Toren mache, werde ich zum Essen eingeladen. Wer weiß, so wie es jetzt läuft, könnte ich sogar etwas mehr verlangen. 

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