Sébastien Grandjean kehrt für sieben Wochen zurück auf die Escher „Grenz“. Die Mission des Nachfolgers vom am Dienstag entlassenen Marc Thomé ist klar definiert: Der Belgier soll dafür sorgen, dass Jeunesse Esch am Saisonende „europäisch“ ist.

Überaus hektisch ging es in den letzten Stunden in der BGL Ligue auf dem Trainerkarussell zu. Anders als in Rosport waren es in Esch allerdings die Vereinsbosse, welche die Reißleine zogen. Marc Thomé und seinem Assistenten Denis Pfeiffer wurde letzten Endes die schlechte Punkteausbeute der Rückrunde (nur ein Meisterschaftssieg in sechs Begegnungen) zum Verhängnis. Der verletzungsbedingte Ausfall von Stürmer Toni Luisi und das negative Torverhältnis der letzten Wochen sind zwei der sportlichen Erklärungen.

„Die Kurve zeigte seit einigen Wochen nach unten. Die Leistung am Sonntag gegen eine Mannschaft aus Strassen, die ein paar Tage zuvor im Pokal noch über 120 Minuten gehen musste, war nicht gut“, resümierte Sportdirektor Patrick Biergen am Dienstag. Die endgültige Entscheidung, Thomé zu entlassen, sei am Montag gefallen.

„Ich hatte das Gefühl, als hätte er es geahnt“, sagte Biergen. „Am Sonntag wirkte er nach dem Spiel niedergeschlagen.“ Mit den Worten „Berufsrisiko“ und „logische Sache“ beschrieb Co-Trainer Denis Pfeiffer das Schicksal des eingespielten Duos. „Wir haben in den letzten 14 Tagen bereits gemerkt, dass es hinter den Kulissen rumorte. Wir sind beide schon sehr lange im Geschäft dabei …“ Ganz unvorbereitet war Thomé nicht.

An diesem 19. Spieltag spielte sich aber nicht nur auf sportlicher Ebene die Zukunft der Schwarz-Weißen ab, sondern ebenfalls auf der Tribüne. „CAR Avenue“-Besitzer Stéphane Bailly, möglicherweise an einer Partnerschaft mit den „Grenzern“ interessiert, ist der Schachzug von Präsident Jean Cazzaro und das klare Zeichen nicht entgangen: Die Jeunesse, Leader vom 2. bis zum 13. Spieltag und mittlerweile auf Platz 4 abgerutscht, plant fest mit der Europa League und den dazugehörigen Vorteilen.

„Ich trage diesen Klub im Herzen”

Als die Vereinsverantwortlichen bei Sébastien Grandjean anklopften, hat dieser zunächst um Bedenkzeit gebeten. Der 48-jährige Belgier, den man am 20. März als Sportdirektor in Virton entlassen hatte, war nach seiner erfolgreichen Periode in der Minettemetropole (zwischen März 2011 und Oktober 2012 – damals wurde er von La Louvière engagiert) nach wie vor gern gesehener Gast. „Er war unsere erste Option“, sagte Biergen.

Grandjean, der dem Hilferuf gefolgt ist, nahm sich der Sache aus mehreren Gründen an: „Ich trage diesen Klub im Herzen. Zweitens habe ich gemerkt, dass die Vereinsverantwortlichen mich unbedingt haben wollten. Der dritte Grund ist, dass ich sehr viel Respekt für die Escher habe. Es ist eine Stadt, in der ich viele Menschen kenne.“

Nach einem ersten internen Treffen mit der Mannschaft, die am Dienstag nicht trainierte, soll am heutigen Mittwoch der erste Formcheck stattfinden. „Ich weiß nicht genau, was mich erwartet. Aber ich bin jemand, der immer Vollgas gibt.“ Assistiert wird Grandjean vom Co-Trainer der Junioren, Dinis de Sousa.

Genauso direkt sei es übrigens auch bei den Verhandlungen zugegangen: „Es wird nicht über das Saisonende hinausgehen.“ Damit steht bereits jetzt fest, dass es im Juni den 18. Trainerwechsel seit 1999 beim Rekordmeister geben wird. Die Ära Thomé endete nach etwas mehr als zwei Jahren.

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