In seinen vier internationalen Begegnungen hat der F91 Düdelingen noch keine Niederlage kassiert. Eine Serie, welche die Mannschaft von Trainer Emilio Ferrera heute in der dritten Runde der Europa League (20.00 Uhr, Stade Josy Barthel) gegen den estnischen Meister Nomme Kalju durchaus ausbauen kann.

„Wenn ich genauso spielen lasse wie der gegnerische Trainer, dann wird es nicht viel Fußball geben.“ Die knallharte Einschätzung von F91-Coach Emilio Ferrera kommt nicht von ungefähr. Genau diese Meinung hatte nämlich auch der nordmazedonische Champion Shkëndija nach dem Ausscheiden gegen den estnischen Meister Nomme Kalju.

Wie der Zufall, oder besser gesagt der Modus der UEFA, es so wollte, hat der Düdelinger Trainerstab in den vergangenen Tagen noch einmal die exakt gleiche Partie (Shkëndija – Kalju) analysiert wie vor drei Wochen – allerdings aus einer anderen Perspektive. „Ihre Spielphilosophie ist eine ganz andere als die von Shkëndija. Kalju ist ein sehr hartnäckiger Gegner, der die Nordmazedonier mit seinen Waffen geschlagen hat“, sagte der Belgier. Im Klartext: Dem Gegner das Spiel überlassen und über schnelle Konter die Entscheidung herbeiführen.

Alternativen

Die ohnehin schon defensiv eingestellte Mannschaft von Trainer Roman Kozhukhovskyi hat zudem gestern ihren besten Stürmer Liliu an den IF Brommapojkarna verloren. „Es könnte also sein, dass es nicht gerade ein sehr schönes Match wird. Sie stehen sehr kompakt, sind gut organisiert und lassen dem Gegner wenig Räume. Für uns kann so ein Spiel sehr gefährlich werden“, warnte Ferrera. Er selbst muss ebenfalls auf seine gefährlichste Offensivkraft verzichten.

Adel Bettaieb fehlt verletzungsbedingt. Obschon er die Alternativenliste durchging, blieben neben Barbosa und Lavie nicht allzu viele Optionen: „Aber wir haben auch andere Spieler, wie Pokar, Bernier oder zuletzt Delgado, die Tore machen können.“

“Wir dürfen uns keine Illusionen machen”

Punkte gesammelt hat übrigens Klapp, der gegen Mühlenbach in den Augen des Trainers nach seiner Einwechslung einen guten Eindruck hinterlassen hat. Gleiches gilt für Sinani – der zwar immer noch mit einem Wechsel liebäugelt, trotzdem aber für den F91 Vollgas gibt.

Als einer der Überbleibsel der Highlight-Saison hat der Nationalspieler bereits Erfahrung mit Druck, Erwartungshaltung und Anspannung. Davon will der Coach aber gar nichts wissen: „Ganz ehrlich, in unserer Situation darf man sich noch überhaupt nicht mit den Play-offs beschäftigen. Eine überstandene Runde ist nicht unbedingt eine Überraschung, aber trotzdem … Wir dürfen uns keine Illusionen machen. Dass der Gegner in der dritten Runde steht, kommt nicht von ungefähr. Und danach würde ja noch ein stärkeres Team auf uns warten.“

Möglicherweise handelt es sich da um den georgischen Meister Saburtalo – und den Ex-Düdelinger Levan Kenia, dem am Dienstag der 2:1-Siegtreffer bei Ararat-Armenia gelungen ist.


5 Fragen an Dominik Stolz (F91)

Haben Sie sich in den letzten Tagen mit dem estnischen Fußball beschäftigt?

Eigentlich noch nicht so viel. Gestern (am Dienstag) hatten wir frei, heute wird der Trainer uns wohl ein paar Dinge über den Gegner mit auf den Weg geben. Es war in den letzten Tagen sowieso wichtiger, dass wir uns mehr auf uns konzentrieren. Wir sind besser beraten, wenn wir an uns arbeiten.

Wie würden Sie die Leistungssteigerung der letzten Wochen beschreiben?

Wie man sieht, wird es von Spiel zu Spiel besser. Zwar reicht das noch nicht für 90 Minuten, aber für längere Phasen im Spiel. Der Trainer will nicht von seinem 4-2-2-2-System abweichen. Ich selbst habe beispielsweise noch nie in so einem System gespielt. Aber wenn es funktioniert, ist diese Variante nicht schlecht.

Mittlerweile kennt Düdelingen die möglichen Play-off-Gegner. Steigt dadurch auch der Erwartungsdruck?

Aus unserer Sicht handelt es sich um einen Vorteil, denn es ist zweimal machbar. Es hätte uns viel schlimmer erwischen können. Dass jetzt schon von einer möglichen Gruppenphase gesprochen wird, kann bei dem einen oder anderen Spieler noch einmal zusätzliche Prozente hervorrufen.

Wie geht man mit der Tatsache um, dass man mit der Mannschaft vom letzten Jahr wohl beide Teams hätte schlagen können?

Ich sehe es als Herausforderung. Es wäre vielleicht kein Problem gewesen, die Gruppenphase mit diesem Team zu erreichen. Gleichzeitig wären wir wahrscheinlich nicht gegen Valletta ausgeschieden – und hätten einen anderen Weg gehen müssen. Dieses Ausscheiden aus der Champions League war kein Nachteil, wir haben das glücklichere Ende.

Der Trainer hat in der Meisterschaft eine andere Mannschaft aufgestellt. Doppelbelastung gibt es also nicht?

Er wollte beide Wettbewerbe eben trennen. Mit dieser Woche Pause soll auch das Verletzungsrisiko gesenkt werden. Mir würde das nichts ausmachen, alle vier Tage zu spielen, das sollte jeder schaffen können.

Die Kader

F91 Düdelingen:

Tor: Toni Conti, Tim Kips, Ilias Moutha-Sebtaoui
Verteidigung: Kobe Cools, Tom Schnell, Ricardo Delgado, Thibaut Lesquoy, Hearvin Djetou, Mehdi Kirch, Mohamed Bouchouari
Mittelfeld: Mario Pokar, Danel Sinani, Dominik Stolz, Omar Natami, Mickaël Garos, Antoine Bernier, Ryan Klapp, Charles Morren, Delvin Skenderovic, Sabir Bougrine
Angriff: Bertino Barbosa, Corenthyn Lavie, Laurent Mendy
Trainer: Emilio Ferrera

Nomme Kalju:

Tor: Vitali Teles, Henri Perk, Pavel Londak
Verteidigung: Aleksandr Kulinits, Mikk Reintam, Vladimir Avilov, Maximiliano Uggè, Deniss Tjapkin, Jevgeni Demidov, Aleksandr Ivanjusin, Andriy Markovych
Mittelfeld: Réginald Mbu Alidor, Vladyslav Khomutov, Nikolei Masistev, Igor Subbotin, Sander Puri, Kaspar Paur
Angriff: Robert Kirss, Aleksandr Volkov, Peeter Klein, Max Mata
Trainer: Roman Kozhukhovsky

Am Rande

Der Portugiese Fabio Verissimo wird die heutige Partie im Stade Josy Barthel leiten. Der 36-Jährige hat zwar bereits eine Menge internationaler Begegnungen geleitet, doch erst ein Mal war er in Luxemburg zu Gast, 2015 auf der Escher „Grenz“. Damals unterlag die Luxemburger U21 der Auswahl aus Wales. Positiv in Erinnerung geblieben sein dürfte diese Partie trotzdem bei einem Spieler, der heute ebenfalls im Kader steht – dem FLF-Torschützen Danel Sinani. 18 Minuten nach seiner Einwechslung gelang ihm der Anschlusstreffer in der 90.

In Schweden kämpfen Lars Gerson und IFK Norrköping heute ebenfalls um den Einzug in die Play-offs. Gegner ist Hapoel Beer Sheva aus Israel. Vahid Selimovic könnte nach seiner Verletzung wieder zur Mannschaft stoßen, jedenfalls stand er gestern wieder auf der UEFA-Liste. Gegner von Apollon Limassol ist Austria Wien.

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