Der 101. FLF-Kongress hätte laut Tagesordnung zur reinen Formalität werden können – wären da nicht die beiden Wortmeldungen zweier kleiner Vereine aus der Hauptstadt gewesen, welche die aktuelle Transferpolitik des übermächtigen großen Bruders in den Jugendkategorien anprangerten.

Das Problem ist nicht neu. Bereits beim Kongress 2018 hatte der Präsident der FC Red Star Merl-Belair, Guy Lamesch, das Wort ergriffen. Am Samstag konstatierte der Kassierer der Vorstädter, Marc Gerges: „Es hat sich nichts getan.“ Der 1927 gegründete Verein droht dessen Aussagen zufolge auszusterben: „Wir haben das Gefühl, dass der Aufwand, den wir im Jugendbereich betreiben, umsonst ist. Wir sind nämlich nicht in der Lage, die jungen Spieler zu halten.“ Grundidee in Merl sei nach wie vor, eine erste Mannschaft mit Eigengewächsen auf den Rasen zu schicken. Stattdessen „fehlen uns die Mittel und Sponsoren, die andere haben.“ So sitzen laut Gerges die heiß begehrten „premières licences“ in höheren Ligen auf der Bank – „das ist dort dann ihre einzige Daseinsberechtigung“ – „anstatt in den unteren Divisionen Spielpraxis zu sammeln.“

Jean-Marie Mossong (Tricolore Gasperich) nannte das Kind beim Namen: „Das Problem ist, dass in unserer Gegend ein Verein mit einem Einkaufswagen daherkommt … In nur zwei Jahren haben wir 15 Spieler verloren. Acht von ihnen trainierten in den FLF-Jugendauswahlen und laufen nun für den Racing auf.“

Tür aufgestoßen

Seine Rede, die vom Plenum mit sehr viel Aufmerksamkeit verfolgt wurde, stieß nicht auf taube Ohren – sondern erntete lautstarken Applaus. Gestern erklärte er im Gespräch mit dem Tageblatt, dass sich anschließend vor allem „kleine Klubs“ bei ihm gemeldet hätten, um sich für diese Rede zu bedanken. „Ich habe nur eine Tür aufgestoßen, da es sonst niemand getan hat“, meinte Mossong. „Es muss etwas unternommen werden, damit die kleinen Klubs nicht kaputtgehen.“

Das regelrechte Abwerben von Spielern im Jugendalter müsse unterbunden werden, „damit keiner eine komplette Mannschaft leerkaufen kann.“ In den Händen hielt das Gaspericher Vereinsoberhaupt am Samstagmorgen als Beweismaterial ein Formular mit dem Logo des BGL-Ligue-Vereins. Die Praktik ist simpel: „Bei Spielen oder Turnieren verteilen sie dieses Blatt an Kinder und Eltern. Leider hatte ich nicht die Gelegenheit, nachzufragen, ob dies überhaupt legal ist …“ Dann fügte er warnend hinzu: „Wir laden diesen Verein nicht mehr zu unseren Turnieren ein. Aber sollte ich irgendwann jemanden mit diesen Blättern bei uns sehen, schmeiße ich ihn vom Gelände.“

Anschuldigungen gegen RFCU Lëtzebuerg

Die gezielte Transferpolitik des Rivalen hat in Gasperich beispielsweise schon mit drei Pupilles begonnen. Transferiert werde „quer durch den Garten“ – unabhängig vom Alter. „Wir haben nicht einmal eine Juniorenmannschaft, weil vorher alle weg sind.“ Aufgestoßen ist Mossong allerdings auch der Slogan, mit dem der RFCU Lëtzebuerg den Wechsel schmackhaft macht: „’Kommt in die Familie des Racing’, heißt es. Dabei hat der Spieler dann plötzlich mit 19 allerdings keine Familie mehr… Und der Verein, der ihn eigentlich ausgebildet hat, sieht dafür keinen Euro.“

Aktuell sehen die Statuten vor, dass Pupilles und Bambini gratis wechseln können, für Scolaires werden 300 Euro fällig, bei Junioren sind es dann später 800 Euro. „Es ist einfach, mit seiner guten Jugendarbeit anzugeben, wenn es reicht, den Nachbarn die besten Spieler abzukaufen …“ sagte Mossong. „Ich verstehe, dass wir nur ein Drittdivisionär und nicht gerade attraktiv sind. Aber dass wir 12 Kinder ausbilden, die es in die FLF-Kader schaffen, spricht für unsere Trainer.

Transfer vorgeschlagen?

Doch Mossong nutzte die Aufmerksamkeit am Samstag ebenfalls, um einen anderen wunden Punkt anzusprechen: „Wir als Verein waren erschüttert, dass ein FLF-Trainer den Eltern angeraten hat, den Verein zu wechseln.“ Ausschließen konnte der Verbandspräsident diesen Zwischenfall zwar nicht, betonte aber: „Falls wirklich einer unserer Jugendtrainer so einen Transfer vorschlägt, endet dort unsere Zusammenarbeit.“ Er fügte hinzu: „Wer mich kennt, der weiß, wie sehr mir die Jugendarbeit am Herzen liegt. Wir suchen nach Lösungen.“

In diese Richtung ging eine der gestimmten Reglement-Änderungen: In Zukunft werden alle Kinder, die vor ihrem 10. Geburtstag eine FLF-Lizenz beantragen, als „1re licence“ eingestuft – auch wenn sie vorher eine ausländische Lizenz hatten. Zudem wurde die Transferperiode im Juni um eine Woche verlängert und die Zeitspanne, die einen Vereinswechsel nach einem Umzug erlaubt, von sechs auf 12 Monate erhöht.

1 Kommentar

  1. Moien, merci pour l’article,

    Effectivement, ces gens à la flf qui guident les talents à aller dans tel ou tel club devraient être mises en cause… Ou même viré… Car en tant qu’éducateur d’une instance fédéral nationale, ils devraient prendre une position neutre et ne pas interférer dans le travail des clubs…

    Cependant, ce n’est que l’arbre qui cache la forêt, car il ne faut pas se cacher derrière ça pour justifier le départ de ces jeunes vers trois ou quatre équipes au Luxembourg, les jeunes et leur parents ne sont pas à ce point bêtes aussi….

    Si les jeunes talents désertent, c’est qu’il y a un problème plus profond au sein des la majorité des Clubs au Luxembourg… Ils bricolent, ils investissent pas, ils donnent presque rien à la formation.. Les présidents s’occupe seulement de leurs premières équipes en versant des salaires exorbitants… Et seulement des miettes aux jeunes…

    Qu’ils arrêtent leur hypocrisie eux aussi… Quand tu paie un joueur qui chauffe le banc 2000€ et seulement 200€ pour un éducateur… Alors bonne chance…

    Ces présidents devraient d’abord chercher la source des problèmes avant d’accuser les autres clubs qui eux travaillent, et ont compris l’importance de la formation…

    Combien de clubs dans tout le pays possèdent un secrétariat ou une administration pour les jeunes ? … Avec un ou deux salariés de club ?

    Ce n’est pas seulement l’argent ou les infrastructures qui fait attirer, et fait rester les jeunes talents dans un club, mais plutôt un projet sportif, un cadre organisé, et environnement sein et éducatif assuré par des encadreurs issus des métiers du sport et de l’éducation, pas des amateurs qui vienne se défouler après une longue journée du travail …

    Il faut comprendre qu’un jeune talent a de l’ambition de réussir et d’aller loin dans le Foot, par pragmatisme ils cherchent le bon endroit pour progresser, un environnement qui lui assure un apprentissage durable, et une exposition à l’internationale.

    Donc il faut arrêter l’hypocrisie, et commencer plutôt à travailler et à investir…

    Salutation
    Anonyme

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