In elf Ligaspielen kam der
29-Jährige nur einmal zum Einsatz, und das ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub Jeunesse. Nach einer überzeugenden Darbietung wanderte Benajiba aber wieder auf die Tribüne.

Tageblatt: Vor der Saison hat sich der F91 richtig darum bemüht, sich deine Dienste zu sichern. Seit du in Düdelingen bist, hockst du fast nur noch auf der Tribüne. Wie erklärst du dir das?

Yassine Benajiba:
„Ich kann es mir einfach nicht erklären. Tagtäglich trainiere ich und verhalte mich wie ein Profi. So wie ich es noch immer getan habe. Sportliche Gründe kann die Entscheidung des Trainers, mich auf die Tribüne zu setzen, demnach nicht haben. Ich denke, dass er irgendein Problem mit mir hat. Ich verlange einfach nur dieselbe Chance auf Einsätze wie andere Spieler.“

Gegen die Jeunesse warst du in der Startelf und hast sogar das einzige F91-Tor vorbereitet, warum hat Pascal Carzaniga dich danach nicht mehr berufen?

„Wie gesagt, ich weiß es nicht. Manche Spieler haben einfach mehr Kredit und müssen sich keinem Konkurrenzkampf stellen. Wir haben einen sehr großen und starken Kader. Wenn jeder die gleiche Aussicht auf einen Stammplatz hätte, würde sich das leistungsfördernd auswirken. Aber zurzeit sieht die Situation leider anders aus. Wie kann es sein, dass ein Spieler wie Morgan Betorangal, der in der Nationalmannschaft Tschads Stammspieler ist, noch keine einzige Möglichkeit erhalten hat, sich zu zeigen?“

Setzt Pascal Carzaniga nur auf die Spieler, die er verpflichtet hat?

„Es gibt halt manche Spieler, die immer spielen, mehr will ich dazu nicht sagen. Vor der Saison hat er mir gesagt, dass er große Stücke auf mich hält. Ich habe alle Testspiele bestritten und auch getroffen.“

Gab es schon Gespräche zwischen dir und dem Trainer?

„Ich respektiere prinzipiell die Entscheidung eines Trainers, deshalb gehe ich auch nicht zu ihm und frage, warum ich nicht spiele. Und wenn ich es täte, würde er mit Sicherheit eine Million Ausreden parat haben. Bisher hatte ich nie Probleme mit einem Trainer. Ob Theis, Zanini oder Grandjean, es gab nie Probleme.“

Letzte Woche hast du einen anonymen Drohbrief erhalten, wie Le Quotidien berichtete. Was stand drin?

„Ein F91-Betreuer hat mir den Brief ausgehändigt. Darin standen nur verletzende und böse Dinge. Der Autor freut sich darüber, dass ich endlich auf der Tribüne sitze, ‘comme une merde’. Ich komme mit allen Leuten gut klar, deshalb verstehe ich nicht, warum jemand so etwas tut.“

Wer kommt als Autor des Drohbriefs in Frage?

„Ich weiß es nicht. Aber er soll wissen, dass ich jeden Tag in Düdelingen im Stade Meyer trainiere und er mich gerne besuchen kann. Aber er ist zu feige, deshalb hat er den Brief auch anonym abgegeben.“

Bereust du deinen Wechsel nach Düdelingen?

„Nein, überhaupt nicht. Ich will hier bleiben, die Probleme aus dem Weg schaffen und mich durchsetzen. Ich bin nicht der Typ, der seinen Vertrag auf der Tribüne aussitzt. Geld ist zweitrangig, ich will spielen, und zwar beim besten Verein Luxemburgs.“

Und wenn sich die Situation so bald nicht ändert?

„Wenn der Trainer mich nicht will, dann muss er dies Flavio Becca mitteilen. Dann muss zusammen mit meinem Agenten eine Lösung gefunden werden. In den letzten Wochen habe ich Unterstützung von einigen Jeunesse-Spielern wie Eric Hoffmann, Clayton de Sousa, Alex Vitali oder Adrien Portier erhalten. Sie wollen, dass ich nach Esch zurückkehre. Aber meine Priorität bleibt der F91.“

Dan Elvinger/Tageblatt.lu