Seit dieser Saison haben die Befort Knights mit John Bierchen einen neuen Trainer. So luxemburgisch der Name auch klingen mag, kommt Bierchen aus Tampa, Florida und ist zum ersten Mal im Großherzogtum, dem Heimatland seiner Urgroßeltern.

“Mein Urgroßvater stammt aus Eschdorf und ist in Diekirch aufgewachsen, meine Urgroßmutter kommt aus Bauschleiden.” Der neue Coach der Befort Knights hat sich schon immer für die Geschichte seiner Familie interessiert, obwohl er sein bisheriges Leben im entfernten Tampa in Florida verbracht hat. “Mein Großvater, der 2010 verstorben ist, und mein Vater waren sehr oft in Luxemburg. Für mich ist es aber jetzt das erste Mal, dass ich hier bin. Aber mein Großvater und mein Vater haben immer sehr viel über Luxemburg gesprochen”, so der 30-Jährige, der die luxemburgischen Eishockeyvereine bereits seit einigen Jahren aus der Ferne verfolgt hat. “Als sich dann die Möglichkeit bot, nach Befort zu kommen, habe ich sie natürlich beim Schopfe gepackt. Immerhin haben meine Großeltern nicht weit von hier gewohnt. Das ist für mich eine einmalige Gelegenheit.”

John Bierchen kannte Luxemburg bis vor kurzem nur durch die Erzählungen seiner Familie

“Moien”, “Äddi” und Disney Channel

Und auch mit der Sprache hat sich Bierchen bereits auseinandersetzen können. “Auch wenn mir Deutsch besser liegt, so habe ich bereits einige Wörter auf Luxemburgisch gelernt, wie ‘Moien’, ‘Äddi’ oder ‘kucken’. Wir hatten in unserer Familie seit den frühen Neunzigern ein luxemburgisches Wörterbuch. Zudem hat das Team mir Bilderbücher auf Luxemburgisch geschenkt.”

Seine bisherigen Sprachkenntnisse im Deutschen hat sich Bierchen auf eine etwas unkonventionelle Art angeeignet, die aber zu seinem Herkunftsort passt. Immerhin ist Florida nicht zuletzt für sein Disney World bekannt. “Ich habe mir den Disney Channel angeschaut, da sie dort etwas langsamer sprechen. Das hat nicht schlecht funktioniert.”

Nun, da John Bierchen es endlich nach Luxemburg geschafft hat, will er auch die doppelte Staatsbürgerschaft beantragen. “Durch die vielen Erzählungen von meinem Großvater und meinem Vater habe ich immer eine spezielle Bindung zu Luxemburg verspürt.”

Ein Freund der europäischen Küche

Doch bekommt man nicht einen Kulturschock, wenn man aus Tampa stammt und auf einmal in Befort landet? “Es ist ein riesiger Unterschied, das muss ich schon eingestehen. Sowohl vom Klima als auch kulturell unterscheiden sich die USA und Luxemburg doch sehr. Beide Länder haben aber ihre schönen Seiten. Und ich freue mich bereits, noch mehr über die luxemburgische Lebensweise zu erfahren.” Bisher hat Bierchen bereits einige Dinge ausgemacht, die ihm an Luxemburg gefallen. “Das Essen. Hier gibt es wesentlich weniger genmanipuliertes Essen und das schmeckt man auch.”

Sportlich will der ehemalige Goalie, der sehr früh seine Leidenschaft fürs Coachen entdeckt hat, natürlich auch etwas mit seinem neuen Team erreichen. “Es dauert natürlich einige Zeit, bis sich das Team an mich und ich mich an sie gewöhnt habe. Aber vom Tempo war ich bereits sehr angetan und auch die Einstellung stimmt”, so der 30-Jährige, der bereits seit 2009 hinter der Bande steht und unter anderem als Co-Trainer in der amerikanischen Profiliga SPHL und ECHL aktiv war.

John Bierchen wird wohl auch das eine oder andere Mal selbst zum Einsatz kommen

Aus der sportlichen Rente geholt

“Ich war ein ordentlicher Spieler, aber ich denke, dass ich ein besserer Coach bin und eine große Leidenschaft dafür habe.” In Befort hat man aber auch eine Lizenz für Bierchen beantragt, doch ob er die Schlittschuhe schnüren wird, ist noch nicht ganz sicher. “Man hat mir bereits gesagt, dass ich vielleicht ein Comeback geben muss. Wenn es der Fall ist, hoffe ich, dass ich so gut spielen werde wie ich coache”, scherzt der Amerikaner mit luxemburgischen Wurzeln. In Befort setzt man jedenfalls große Hoffnungen in ihn, nicht nur für die erste Mannschaft, sondern auch für die Jugendarbeit. Vielleicht erinnert man sich in der Beforter Buvette ja in einigen Jahren an die erfolgreiche Zeit von Bierchens John und seinen Jungs zurück.

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