Mixed Zone: Leiden und Fluchen

02. August 2012 02:35; Akt: 02.08.2012 07:07 Print

Stacchiotti: \Stacchiotti: "Ech hätt missen dra sinn"

In der Mixed Zone treffen sich Sportler und Journalisten nach den Wettkämpfen. Hier werden vornehmlich Interviews geführt. Manchmal gibt es aber regelrechte Einblicke ins "Innenleben" der Sportler.

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Die Enttäuschung nach dem Vorlauf. (Bild: Le Quotidien / Julien Garroy)

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Zum Beispiel wenn sie, wie am Mittwoch Raphaël Stacchiotti, im zweiten Vorlauf bereits dran sind und die restlichen – in dem Fall drei Läufe – abwarten müssen, um zu wissen, wo sie sich platziert haben. Da die Mixed Zone eine Pflichtaufgabe ist, geschieht dieses Warten in Anwesenheit und unter den Augen der mit bibbernden Journalisten. Ein Bericht.

Nach dem Anschlag: Im Becken ist Stacchiotti frustriert. Nicht unter 2', kein Landesrekord. Auch ein eventuelles Halbfinale scheint mit der Zeit von 2.00.38 weit weg, da 24 Schwimmer mit Zeiten unter 2' in der Startliste stehen und der Ettelbrücker die 27. Meldezeit (2.00.22, sein Landesrekord) hatte.

TV-Interview: Stacchiotti taucht in der Mixed Zone auf. Dort stehen TV-Stationen immer vorne, die geschriebene Presse muss sich mit den hinteren Plätzen begnügen. Während des dritten Vorlaufs spricht der 20-Jährige mit den Kollegen von RTL.

Alleine: Das Interview ist fertig, Stacchiotti geht einige Meter. Nach drei Vorläufen hat er die insgesamt sechstbeste Zeit. Er bleibt stehen, sieht sich Vorlauf 4 auf einem Bildschirm an, alleine im Gewusel der Sportler und Journalisten.

Ärger: "Décke Sch...": Mit diesen Worten kommt Raphaël Stacchiotti zur schreibenden Zunft. Nach vier Läufen steht er an 10. Stelle. 16 Schwimmer kommen ins Halbfinale. "Ich hätte schneller sein können, hätte Ford (den Sieger seines Vorlaufs, d. Red.) schlagen müssen. Wenn ich jetzt Pech habe, werde ich 17.", so die bereits dunkle Vorahnung Stacchiottis.

Analyse: Vorlauf 5 ist noch nicht gestartet; erste Analyse: "Die zwei ersten Disziplinen waren okay, aber da war ich schon ziemlich kaputt. Die Wende zur Bruststrecke missglückte. Ich habe Wasser geschluckt, kam für den ersten Zug zu hoch aus dem Wasser und griff in die Luft. Ab da wurde es richtig schwer. Im Kraul habe ich alles gegeben. Die Zeit ist gar nicht gut. Zwar die zweitbeste meiner Karriere, aber ich kann mehr. Ich kann unter 2' schwimmen."

Entscheidung: Der fünfte und letzte Vorlauf beginnt. Währenddessen: "Et geet em eng Plaz net duer, put... nee ... vläit awer net (er hüpft auf und ab) ... entweder ginn ech 16. oder 17." Anschlag, die Siegerzeit erscheint, Stacchiotti zappelt mit Armen und Beinen. Zeitlupe im TV: "Dajee, weis di Zäiten." (Bläst die Backen auf.) Die Zeiten tauchen auf, sieben sind schneller: "F#*k", und geht.

Ärger II: Bei den französischsprachigen Kollegen der nächste Halt: "Ich hätte es schaffen können, ich hätte drin sein müssen. Alles war ideal, ich war nie besser im Training, nie lockerer drauf, machte mir für einmal keinen Stress. Die ersten 100 m waren noch ideal und dann (...). Das schlechte Abschneiden bei der EM war lange nicht so schlimm wie hier, eine EM zwei Monate vor Olympia zählt nicht. Es war hier, wo ich mich hätte beweisen müssen." Er verschwindet frustriert in die Katakomben.

Facebook: Nachtrag vom Nachmittag: "Frust-Shopping“ postet Raphaël Stacchiotti auf Facebook, „11 Baseball-Caps; für jede Hundertstel, um die ich das Halbfinale verpasst habe, eine." Foto inklusive.

(clc/Tageblatt.lu)