Wenn vom 9. bis zum 25. Februar die 23. Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang stattfinden werden, ist es noch unsicher, ob die luxemburgische Flagge dort vertreten sein wird. Matthieu Osch schaffte bereits die Olympia-Norm, wartet nun aber noch auf die Bestätigung vom luxemburgischen olympischen Komitee (COSL). Insgesamt hat das Großherzogtum 13 unterschiedliche Teilnehmer bei Olympischen Winterspielen zu verbuchen. Zu den zweiten Olympischen Winterspielen 1928 in der Schweiz waren gleich fünf Luxemburger am Start.

Außergewöhnlich warme Temperaturen prägten die zweiten Olympischen Spiele in St. Moritz im Jahre 1928. An einem Tag konnten gar keine Wettkämpfe stattfinden und der 10.000-Meter-Eisschnelllauf musste sogar komplett abgesagt werden. Den fünf Sportlern aus Luxemburg war das jedoch relativ egal, ihr Wettkampf im Bob konnte problemlos durchgezogen werden. Marc Schoetter, Raoul Weckbecker, Willy Heldenstein, Pierre Kämpff und Auguste Hilbert hießen die luxemburgischen Bob-Sportler, die letztendlich den 20. von 23 Plätzen belegten.

Ziemlich kurios dabei war, dass Jay O’Brien, ein amerikanischer Investment-Banker, das US-Bob-Team zusammenstellen sollte, aber zu wenig Leute hatte. O’Brien nahm sich einfach Amerikaner, die den Winter in St. Moritz verbrachten, und gab ein Inserat in der Paris-Ausgabe der New York Herald Tribune auf. O’Brien gelang es damit, nicht nur zwei Bobs zu füllen, sondern auch mit diesen Gold und Silber zu holen.
Einen politischen Hintergrund hatten, ähnlich wie zwei Jahre später bei den Sommerspielen in Berlin, die Olympischen Spiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen. Die vierten Olympischen Winterspiele wurden von der NS-Propaganda missbraucht, um das NS-Regime in der ganzen Welt positiv darzustellen. Vier Athleten wurden vom Großherzogtum nach Deutschland geschickt, alle von ihnen nahmen an den Bobwettkämpfen teil und einer von ihnen startete auch noch in der alpinen Kombination.

Im Gegensatz zu den Spielen in St. Moritz meldeten die Luxemburger zwei Zweierbobs an. Der Bob um Raoul Weckerbecker und Gaza Wertheim belegte den 22. und gleichzeitig letzten Rang, der Bob von Henri Koch und Gustav Wagner fand nicht den Weg ins Ziel. Weckbecker war auch dann derjenige, der sich für die alpine Kombination anmeldete. Bei der Kombination werden die Zeiten aus der Abfahrt und dem Slalom addiert, Weckbecker scheiterte aber schon in der heute noch berühmten ,,Kandahar-Abfahrt“. Bis 1988 schaffte es dann kein Luxemburger mehr, sich für Olympische Winterspiele zu qualifizieren.

Bei den Spielen im kanadischen Calgary startete nur Marc Girardelli bei den alpinen Wettbewerben für Luxemburg. Girardelli, eigentlich gebürtiger Österreicher, wechselte im Alter von zwölf Jahren zum luxemburgischen Skiverband, da sein Vater der Meinung war, dass Marc zu wenig vom österreichischen Verband gefördert wurde. In der Abfahrt erreichte Girardelli den neunten Platz, im Riesenslalom den 20. und im Super-G kam er nicht ins Ziel.

Vier Jahre später, im französischen Albertville, war Girardelli abermals der einzige Luxemburger. Mit zwei olympischen Silbermedaillen waren es die erfolgreichsten Winterspiele in der Geschichte des Großherzogtums. Sogar nur 0,32 Sekunden trennten Girardelli im Riesenslalom von einer Goldmedaille, die andere Silbermedaille gewann er im Super-G. Bis 1992 fanden Olympische Sommer und Winterspiele im selben Jahr statt. Nun wurde aber entschieden, die Spiele versetzt stattfinden zu lassen, was zu Folge hatte, dass die nächsten Olympischen Winterspiele nach 1992 schon 1994 in Lillehammer stattfinden würden. Girardelli, der den Gesamtweltcup fünfmal gewinnen konnte, erreichte in Norwegen einen vierten, einen fünften und einen neunten Platz. 0,22 und 0,14 Sekunden trennten ihn von einem Platz auf dem Podest. Es waren zugleich die letzten Spiele des erfolgreichsten luxemburgischen Wintersport-Olympioniken.
Eiskunstläufer am Start

1998 war Patrick Schmit der einzige entsandte Luxemburger, der in Nagano im Eiskunstlauf antreten sollte. Schmit wurde nach dem Pflichtprogramm 29. und qualifizierte sich nicht für die Kür. In derselben Disziplin trat Fleur Maxwell dann 2006 im italienischen Turin für Luxemburg an und belegte dort den 24. Platz. Den letzten luxemburgischen Olympia-Teilnehmer stellte Kari Peters 2014 in Sotschi dar.
Peters wollte ursprünglich sowohl am Sprint- als auch am 15km-Wettbewerb teilnehmen, erreichte letztendlich einen 79. Platz im Sprint. Eine Erkältung verhinderte eine bessere Platzierung sowie einen Start beim 15km-Wettbewerb. Ziel von Peters ist es, wieder bei den Olympischen Spielen 2018 an den Start gehen zu dürfen. Momentan hat er die vom COSL angegebene Norm aber noch nicht erreicht.
Anders sieht es bei dem Skifahrer Matthieu Osch aus. Er erreichte bereits die Olympia-Norm, benötigt aber dennoch eine Genehmigung vom Komitee.

Pascal Gillen

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