Unauffällig, bescheiden, vielseitig und doch erfolgreich. Jackie Banky schwimmt im Schatten der großen Namen und zählt doch zur nationalen Elite. Die 23-jährige SL-Schwimmerin sammelte in ihrer Karriere 41 Einzel-Titel. Allein ab 2016 sind es deren 30, 14 im 50-m-Becken und 16 auf der Kurzbahn. Und die Wintermeisterschaften stehen jetzt noch an. Im letzten Jahr war sie mit sechs Goldmedaillen erfolgreichste Titelsammlerin auf der Kurzbahn. Ihre erste Meisterschaft gewann sie im Juli 2011 über 200 m Lagen. Nur auf internationalem Parkett sollte es (noch) nie richtig klappen. Wieso? Das erklärte die Informatik-Studentin dem Tageblatt.

Von Marc Biwer

Tageblatt: Die Wintermeisterschaften bieten ein besonders Flair, auch für Sie?
Jackie Banky: Natürlich, da ist fast jeder mit dabei. Das ergibt dann eine tolle Stimmung. Wegen der EM wurde das Championat in diesem Jahr aber im Kalender weiter nach vorne gerückt. Deswegen fühle ich mich etwas unwohler. Ich mag den Dezember als Datum.

Was zählt für Sie mehr, Titel oder schnelle Zeiten?
Meine Trainer wollten mich für mehr Rennen melden, um die Chance auf mehr Titel zu erhöhen. Wegen des frühen Zeitpunkts wollte ich aber weniger schwimmen. Zudem stehen die Zeiten für mich immer an erster Stelle. Titel sind cool, aber die Zeiten sind wichtiger.

In den letzten drei Jahren waren Sie die große Abräumerin beim Championat. Was haben Sie sich für das Wochenende vorgenommen?
Das hängt immer von der Konkurrenz ab. In diesem Jahr werden die Top-Schwimmer fehlen, auch die Ricci-Schwestern sind nicht mehr im Land. Das erhöht natürlich die Chancen auf Titel. Ich habe mir nichts vorgenommen. Ich will meine Zeiten schwimmen und mitnehmen, was kommt.

Kennen Sie die Anzahl Ihrer Einzeltitel? Wann war der erste und in welcher Disziplin?
Oh Gott, da bin ich überfragt. Ich habe diese Zahlen nicht im Kopf (Anm.d.Red.: Es sind 41 Titel). Wenn ich gegen eine starke Konkurrentin gewinnen konnte, blieb mir das im Gedächtnis hängen.

Sie haben in Ihrer Karriere viel ausprobiert. Hauptsächlich Freistil, Rücken und Lagen. Konnten Sie sich nie entscheiden?
Das wurde ich schon oft gefragt. Ich kann aber keine Antwort darauf geben, weil ich es selber nicht weiß. Ich weiß nur, dass ich ziemlich inkonsistent bin. Ich springe zu sehr hin und her. Mit 23 Jahren weiß ich immer noch nicht, wo meine Hauptstärke liegt. Rücken und Freistil sind mein Plus, Brust und Delfin sind nicht schlecht, deshalb waren die Lagenrennen immer gut. Momentan will ich mich wieder auf Kraul konzentrieren.

Warum hat es international bei Ihnen nie so richtig geklappt?
Das stimmt leider, ich war zuletzt 2013 bei einer EM dabei. Aber der Druck war so hoch, weil andere und ich selbst zu viel von mir erwartet haben. Danach kam ich lange Zeit nicht mehr an meine Bestzeiten heran.
Vor zwei Jahren schwamm ich wieder in die Nähe der Normen. Das hat mich gekitzelt. Beim Championat will ich versuchen, mich noch für die Kurzbahn-EM in Glasgow zu qualifizieren. Ich darf mich aber nicht darauf versteifen – sobald ich Druck verspüre, setzt eine Blockade bei mir ein.

Wen sehen Sie am Wochenende alles vorne?
Ich will natürlich das eine oder andere Rennen gewinnen. Beim Lehrgang mit der Nationalmannschaft hatte ich allerdings Probleme mit der Schulter. Zum Glück sind die abgeklungen. Ansonsten fallen mir die Peters-Schwestern und Laura Vanderschrick ein.

Mit erst 23 Jahren zählen Sie zu den gestandenen Schwimmern beim SL. Übernehmen Sie Verantwortung in der Mannschaft?
Meine Mannschaft ist eine sehr junge. Die meisten sind 16-18 Jahre alt. Ich will versuchen, ein Vorbild zu sein. Jedenfalls gebe ich mein Bestes, um gute Laune ins Team zu bringen und die Schwimmer zu motivieren. Ich glaube, das klappt ganz gut, denn die Stimmung ist hervorragend. Ich vermisse aber manchmal meine gleichaltrigen Mitstreiter.

Wird der SL die Meisterschaft wieder dominieren?
Allein schon wegen der Staffeln, denke ich, dass wir es packen können. Ich hoffe es jedenfalls.

Wollen Sie als nunmehr junge Dame immer noch ‚Jackie“ genannt werden, oder bevorzugen Sie Jacqueline?
Für mich ist beides o.k. Früher war ich über Jacqueline nicht so glücklich. Am liebsten mag ich Jackie (sprich Djäcki), einfach weil das seit Jahren mein Ruf- oder Spitzname ist.

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