KÄERJENG – “Ma da schwätz emol mat Thills Jos”, hört man immer wieder in der Gemeinde Käerjeng, wenn es Probleme und Problemchen gibt. Thill, Jahrgang 1940, ist immer noch der populärste Politiker in der Gemeinde Käerjeng. Gemeinderat, Schöffe, Bürgermeister, Jos Thill ist der Insider der Lokalpolitik.

Wir sind “um Paesch”, kleine, nette, schmucke Häuser, die alle mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel haben, vor der Tür Blumenkasten, die noch so etwas wie dörfliche Idylle aufkommen lassen. “Ich bin hier im Haus geboren, lebte immer hier und will so lange wie möglich hier bleiben”, erklärte Jos Thill.

Tageblatt: Vor der Politik gab es die berufliche Karriere.

Jos Thill: Nach der Schul- und Armeezeit erhielt ich eine Arbeitsstelle bei einem Metallverarbeitungsbetrieb in Niederkorn. Wir verzinkten Metalle und dort konnte ich mich mittels Kursen in Paris und Luxemburg weiterbilden und wurde zum Experten für Korrosionsschutz. Dieser Betrieb arbeitete viel für die Straßenbauverwaltung. Beim Bau der Roten Brücke (“pont Grande-Duchesse Charlotte”) war ich von meinem Betrieb aus während des Baus zuständig für den Korrosionsschutz und die Farbe für eben diese Brücke.

Ich hatte dort mein Büro und arbeitete 18 Monate auf der Brücke. Auch an der Staumauer arbeitete ich bei den Schleusen, man kannte mich in der Verwaltung und so konnte ich im Laboratorium der “Ponts et chaussées” anfangen. Ich wurde dann als Korrosionsschutzexperte vereidigt. Was mich besonders freute, war, dass ich bei der ersten Renovierung der Brücke für die Straßenbauverwaltung den Korrosionsschutz überwachte und jetzt (2016) vor der anstehenden erneuten Renovierung bereits wieder kontaktiert wurde.

Und wie kamen Sie in die Politik?

Als Experte fuhr ich viel durchs Land, kam viel mit den Menschen in Kontakt. In Bascharage hatten wir Robert Steichen als Bürgermeister. Diese Persönlichkeit beeindruckte mich, da er es schaffte, aus dem Dorf Käerjeng einen Industriestandort zu machen. Die Belange der Menschen sowie die technischen Probleme, wie Überschwemmungen auf der Biff usw., veranlassten mich, in die Politik zu gehen. Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen einen Ansprechpartner brauchten. Ich wurde dann 1982 erstmals gewählt. Danach wurde ich bei allen Wahlen sofort wiedergewählt.

Sie erlebten alle Facetten der Kommunalpolitik?

Ja, ich war im Gemeinderat, dann im Schöffenrat und nach dem Tod von Bürgermeister André Siebenbour war ich von 1994 bis 1999 Bürgermeister. Danach war ich wieder in der Opposition. Unsere Majorität von damals, zusammen mit Romain Fehr und Dr. Renaud Loutsch im Schöffenrat, hatte es nicht einfach. Zuerst mussten wir in kürzester Zeit zwei Bürgermeister (André Siebenbour und Robert Steichen) zu Grabe tragen und kurz danach verschied der Schöffe Dr. Renaud Loutsch.

Erzählen Sie etwas über Ihre Arbeit als Bürgermeister.

Wir hatten keinen einfachen Start, wir mussten uns in die Akten einarbeiten. Ein Projekt war die neue Schule, die wir auf dem Grundstück neben der Kirche (wo heute die Container der Musikschule stehen) bauen wollten. Wegen Unterschriftenaktionen, eingeleitet von der damaligen Opposition, und zusätzlicher Grundstücksprobleme konnten wir dann das Projekt nicht realisieren. Unser Problem damals war, dass wir a) kaum finanzielle Mittel hatten und b) absolut keine Grundstücke erwerben konnten. Es hat eben keiner verkauft. Es waren noch viele Bauern aktiv. Zum Beispiel hatte der Schöffenrat für diese Schule jahrelang finanzielle Mittel angespart. Ich persönlich und die beiden Schöffen waren frustriert.

Unser Schöffenrat reklassierte auch die Grundstücke, die es ermöglichten, den Supermarkt auf der Biff zu bauen. Auch für die Wohnsiedlung “op Krattert” und für die Gewerbezone “op Zaemer” haben wir den Grundstein gelegt. Wir mussten also vieles abschließen und Neues in die Wege leiten. Blumen und Applaus hierfür bekamen andere. Unser Schöffenrat erreichte damals bei Bautenminister Robert Goebbels, dass auf der Biff eine Unterführung für die A13 gebaut wurde. Wir erfuhren aber auch vom Innenministerium (damals Michel Wolter; Anm. der Redaktion) viele Unannehmlichkeiten, wo wegen Banalitäten ganze Akten zurückgeschickt wurden. Unsere Projekte waren lange auf dem Instanzenweg.

Sie sind bei den kommenden Wahlen im Oktober wieder Kandidat auf der LSAP-Liste, warum?

Die Gemeinde hat durch die Fusion viele Millionen zur Verfügung gehabt, mit denen es sich gut arbeiten ließ, das ist auch gut so. Ich stimmte der Fusion auch zu. Andere hätten aber diese Fusionsmillionen genauso gut verarbeiten können. Ich bin jedoch der Meinung, dass wir die Menschen in unserer Fusionsgemeinde alleine gelassen haben. Ich fühle mich gut und werde immer noch oft von Bürgern angesprochen, das bestätigt meinen Entschluss, weiterzumachen, ich will den Menschen helfen. Ich bleibe aber auch noch dabei, um die Gemeinde beim Projekt der Umgehungsstraße, für die ich mich bereits in den Neunzigerjahren einsetzte, zu unterstützen, “zemol elo och nach deen Zodi ass”.

Erzählen Sie uns etwas über Ihre Hobbys.

Ich wandere gerne durch unsere Gemeinde. Ich kenne alle Wege und Ecken der Orte. Außerdem war ich über 20 Jahre lang Präsident der Jeunesse Hautcharage und bin heute noch stolz, dass unter meiner Präsidentschaft die Jeunesse Hautcharage den Landespokal gegen die Jeunesse Esch gewonnen hat.

Jean-Marie Backes

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