KIISCHPELT – Wenn im Oktober dieses Jahres die Gemeindevertreter gewählt werden, ist er nicht mehr auf den Listen zu finden. Armand Mayer, Jahrgang 1949, verabschiedet sich nach 42 Jahren als Bürgermeister der Gemeinde Wilwerwiltz und später der Fusionsgemeinde Kiischpelt aus dem politischen Leben. Mit sieben Amtsperioden ohne Unterbrechung auf dem Bürgermeisterstuhl hält er den absoluten Rekord in Luxemburg. Ein Gespräch mit einem Mann, der, am anhaltenden Erfolg gemessen, während seiner Amtszeit wohl mehr richtig als falsch gemacht hat.

Tageblatt: Wenn man Ihre 42 Dienstjahre in Betracht zieht, haben Sie sich schon früh für die Politik interessiert. Wie kam es dazu?

Armand Mayer: Wir waren drei junge Kollegen, die in der Gemeinde mitreden wollten, und so haben wir bei den Wahlen kandidiert. Ich bekam auf Anhieb die meisten Stimmen und die beiden anderen kamen jeweils auf die folgenden Plätze. Damit war der alte Gemeinderat praktisch abgewählt. 1976 war das eine kleine Sensation in einer Öslinger Landgemeinde. Wir hatten nicht mit diesem Erfolg gerechnet und ich persönlich habe sehr gezögert, im Alter von 27 Jahren den Bürgermeisterposten zu übernehmen.

Die Bevölkerung stand allerdings hinter uns und hat uns ermutigt, das Wahlresultat in die Praxis umzusetzen. Und so waren wir – unerfahren, aber begierig, zu lernen – auf einmal Kommunalpolitiker. Sicherlich war der Arbeitsaufwand zu dieser Zeit nicht so groß wie heutzutage. Ich war Funktionär bei der Post und hatte sechs Stunden politischen Urlaub. Das reichte damals, wenn man sich ordentlich organisierte und ab und zu ein wenig am Wochenende arbeitete.

Was war für Sie das markanteste Ereignis Ihrer Amtszeit?

Das war zweifelsfrei die Gemeindefusion im Jahr 2006. Sie sorgte sowohl für die größte Genugtuung wie auch für die bitterste Enttäuschung in meiner politischen Laufbahn. Angefangen hat alles mit der Gründung eines interkommunalen Syndikats zwischen den Gemeinden Eschweiler, Kautenbach und Wilwerwiltz zum Bau einer neuen Grundschule. Als logische Weiterführung wurden die Verhandlungen zur Fusion dieser drei Gemeinden aufgenommen.

Man war sich nach langen, zum Teil schwierigen Verhandlungen einig geworden. Als es allerdings zur Abstimmung kam, überlegte der Schöffenrat von Eschweiler es sich anders und stimmte gegen die Fusion. Das war für mich ein Schlag ins Gesicht. Nichtsdestotrotz brachten der Schulbau und die Fusion eine neue Dynamik in die Gemeinde, auch wenn wir mit unseren 1.200 Einwohnern eigentlich zu klein sind, um auf lange Sicht alleine weiterzumachen. Mit der Zeit werden meine Nachfolger sich wohl abermals mit dem Thema Gemeindefusion beschäftigen müssen. Infrage kommen hierbei die Nachbargemeinden Clerf, Parc Hosingen und Wiltz.

Sie sind die einzige Gemeinde im Land, die nicht den Namen einer Ortschaft trägt. Wie kam es zu der Namensgebung?

Als feststand, dass wir die Fusion ohne die Gemeinde Eschweiler machen würden, entschieden sich über 90 Prozent der Bevölkerung für den Namen Kiischpelt. Die Flurbezeichnung wurde schon immer im Volksmund gebraucht, und da auch ein Teil des Kiischpelt auf dem Gebiet der Gemeinde Kautenbach lag, passte der Name perfekt.

Mittlerweile ist der Kiischpelt ein Begriff in Luxemburg. Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Da ist zu einem die fantastische Natur, welche, auch dank ihrer Anbindung an die Eisenbahn, regelrecht zum Wandern einlädt. Aber auch die Vereine aus unseren Dörfern haben einen großen Anteil am Erfolg. Dank ihrer Hilfe sind solche Veranstaltungen wie das alljährlich am Nationalfeiertag in Lellingen stattfindende Open-Air-Kunstfestival seit 1991 ein fester Begriff im Land und bei unseren Nachbarn. Weltweit bekannt ist auch das „Quiltfestival“.

Alle zwei Jahre verwandeln sich die Kiischpelter Dörfer in eine riesige Galerie, in der Künstler aus nah und fern ihre Werke zeigen. Bekanntheit hat der Kiischpelt auch durch eine besondere Blume erhalten. In den Lohhecken bei Lellingen blühen jedes Frühjahr die wilden Narzissen. Es handelt sich hierbei um eine endemische Art, welche streng geschützt ist. Leider wird seit einigen Jahren kein Fest der Lorblume mehr organisiert, da die Vereine nicht mehr richtig mitziehen.

Welche größeren Investitionen stehen noch an?

Unsere Wasserbehälter sind mittlerweile zu klein und müssen erweitert und saniert werden. Die gemeinsame Grundschule kommt auch an ihre Kapazitätsgrenzen. Hier wird eine Erweiterung ins Auge gefasst. Auch im Bereich der Kläranlagen sind noch Investitionen nötig, um die Abwasser der Dörfer Alscheid und Merkholtz zu entsorgen. Was die Kläranlagen betrifft, haben wir allerdings schon früh investiert.

Ich hatte das Glück, den für den Gewässerschutz zuständigen Kommissar und späteren Umweltminister Josy Barthel persönlich sehr gut zu kennen. Er ermunterte mich zu Beginn der 80er Jahre, mit dem Bau eines Kanalnetzes und der Kläranlagen zu beginnen. Ich hatte von da an die volle Unterstützung seines Ministeriums. So wurden in der damaligen Gemeinde Wilwerwiltz Rohre in der Erde verlegt, während in anderen Gemeinden gut sichtbare Kultur- und Sportzentren entstanden. Mit denen war im Wahljahr natürlich mehr Werbung zu machen wie mit einer unsichtbaren Infrastruktur.

Worin bestehen Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für Ihre Nachfolger?

Wie überall sind es schon mal die Finanzen. Da muss man abwarten, wie die Gemeindefinanzierung sich weiterentwickelt. Dann ist da das leidige Thema PAG. Seit Jahren verschlingt dessen Ausarbeitung einen Haufen Geld, ohne dass ein Ende in Sicht ist. Stetig ändernde Reglemente und Gesetze machen immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Eine weitere große Herausforderung wird es sein, das Berufsleben und das Amt unter einen Hut zu bekommen. Der Arbeitsaufwand für einen Bürgermeister, sogar in einer kleinen Gemeinde wie der unseren, ist beträchtlich. Konnte ich früher noch vieles nebenbei erledigen, muss ich jetzt eineinhalb bis zwei Tage einrechnen, um meine Büroarbeit zu erledigen. Hier muss endlich eine Reform des politischen Urlaubs kommen.

Haben Sie einen Lieblingsort in Ihrer Gemeinde?

Es ist überall schön in unserer Gemeinde. Lellingen ist mir allerdings besonders ans Herz gewachsen. Das hat auch wieder seinen Ursprung in der Bekanntschaft mit Josy Barthel. Als er das Dorf gesehen hatte, fand er es so schön, dass er meinte, man müsse es in seiner Ursprünglichkeit erhalten. Und so starteten wir Anfang der 80er Jahre ein Pilotprojekt zusammen mit dem „Sites et monuments“. Wie man sich noch heute überzeugen kann, hat es sich gelohnt.

Nach 42 Jahren als Bürgermeister ziehen Sie sich zurück. Befürchten Sie nicht, dass die Politik Ihnen fehlen wird?

Das schon. Aber wissen Sie, ich habe mich sieben Mal einer Wahl gestellt und nicht ein einziges Mal verloren. Einen schöneren Abgang kann man sich doch nicht vorstellen.

Ben Pfeiffer

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